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Eine Art «Erlebnisgewalt» in St. Gallen
Aus Rendez-vous vom 06.04.2021.
abspielen. Laufzeit 04:25 Minuten.
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Jugend-Randale Krawalle in St. Gallen: Es ging um die Action

Das Gewalterlebnis habe die jungen Männer in St. Gallen gereizt, sagen Experten. Wichtig sei, ihnen die Grenzen aufzuzeigen.

Eingeschlagene Scheiben, brennende Container, fliegende Flaschen und sogar Molotow-Cocktails: Am Karfreitagabend randalierte in St. Gallen eine grosse Gruppe von Jugendlichen. Sie griff auch die Polizei an. Ist das einfach der Frust über die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie, der sich nun in Gewalt entlädt?

Gewaltforscher Dirk Baier von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften relativiert, denn solche Ereignisse habe es auch schon vor der Pandemie gegeben, etwa vor ein paar Jahren in Zürich.

Es geht vor allem um Action

«Es sind junge Männer, die sich über soziale Netzwerke verabreden. Es geht um Erlebnisgewalt», sagt Baier. Dabei werde die Polizei geradezu als Gegner gesucht. Aber natürlich spiele jetzt auch die Pandemie eine Rolle, weil sie den Jugendlichen sehr viele Freiheiten wegnehme.

Auch Thomas Richter, Leiter des Schweizerischen Instituts für Gewaltprävention, ist überzeugt, dass die Gründe für die Gewaltausbrüche tiefer liegen. Denn bei Krawallen gehe es oft nicht um den Inhalt, sondern um die Action. «Dann fühlt man sich einer Gruppe zugehörig», sagt er.

Auch entstehe ein Gefühl, etwas zu bewirken, wenn man Dinge zerstören und sich der Polizei entgegenstellen könne, so Richter.

Kein spezifisches Ausländerproblem

Auf Videos aus St. Gallen sind auffällig viele Jugendliche mit Migrationshintergrund zu sehen, die bei den Ausschreitungen dabei waren. Doch die Experten sehen darin kein spezifisches Ausländerproblem.

Zwar neigten junge Menschen mit Migrationshintergrund etwas stärker zu Gewalt, sagt Baier. «Doch das hat seine Gründe – wie schlechtere Integration und Zukunftsperspektiven.» Auch seien sie womöglich von der Pandemie stärker betroffen.

Probleme auf die Strasse getragen

«Doch es gibt genauso Schweizer Jugendliche, die den Krawall suchen», so Baier. Deshalb seien die Gründe für den Karfreitagskrawall eher in anderen Faktoren als dem Migrationshintergrund zu suchen. Wenn, dann sei das Problem eher, dass gewisse Jugendliche schlechte Zukunftsperspektiven hätten – unabhängig von ihrer Herkunft.

Und Richter vom Institut für Gewaltprävention betont: «Wenn jemand es nötig hat, derart gewalttätig auf der Strasse aufzutreten, dann hat er selber sehr erhebliche Probleme.» Sowieso seien bei solchen Ausschreitungen oft alle sozialen Schichten vertreten.

Grenzen müssen aufgezeigt werden

Beide Experten betonen, dass sie die Gewalt verurteilen. Und es sei gut, dass die Polizei durchgreife, betont Richter. Es sei wichtig, dass die Randalierenden zur Rechenschaft gezogen werden. «Sie müssen lernen, wo die Grenze ist. Wenn sie das sonst nicht lernen, setzt halt die Justiz die Grenze.»

Wichtig sei aber auch, dass die Behörden nun stärker auf die Jugendlichen zugingen und ihre Anliegen aufnähmen, ergänzt Baier. Man müsse darüber nachdenken, wie man die Jugend bei den Coronamassnahmen besser einbinden könne – auch wenn das direkt nichts mit den Krawallen von St. Gallen zu tun habe. «Das ist eine wichtige Massnahme, um die Jugend jetzt mal richtig hören zu können.»

Auch glaube er nicht, dass es jetzt eine «Epidemie an Krawallen» in der Schweiz komme. Letzteres hoffen auch die St. Galler Behörden.

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Rendez-vous, 06.04.2021, 12:30 Uhr

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Krawallmachende scheinen viel Zeit zu haben, weshalb es für Vandalismus längst entsprechende, Sinn machende, staatliche Konsequenzen geben müsste = längerfristige Aufräum- und Putz-Arbeiten in Städten und auf dem Land!
  • Kommentar von Georg Schneider  (Merguez)
    ,,auffällig viele Jugendliche mit Migrationshintergrund. [...] Experten sehen darin kein spezifisches Ausländerproblem'' - Und im darauffolgenden Abschnitt widersprechen sich die Experten gleich wieder, indem sie eben genau spezifische Ausländerprobleme bennennen (fehlende Integration, Perspektivenlosigkeit). Also bitte, denkt doch erst nach, bevor ihr den Mund aufmacht, liebe Experten.
    1. Antwort von Christoph Reuss  (Christoph.Reuss)
      Ich bin 62 jährig.... Schweizer seit Geburt... Militär geleistet, Steuern bezahlt. ! Ich unterstütze die Jugendlichen die sich gegen Unrecht erheben! Wegweisen ?!? Versagen einer Demokratie! Friedlich demonstrieren wie Ghandi!
  • Kommentar von andreas furrer  (andfurrer)
    nada. es geht um den ausbau des gesundheitswesens. demographisch sind wir nicht gut aufgestellt (meritokraten können sich nun mal keine kinder leisten). dann stellen sich natürlich noch viele andere fragen. aber grundsätzlich sollte jetzt alles aufgemacht werden und zwar subito. survival of the fittest.