Einen friedlichen Umzug ohne Gewalt und Zerstörung. Das hatte sich die Familie von Marvin gewünscht. Am Samstagmorgen kamen im Lausanner Stadtzentrum schliesslich rund 500 Personen zusammen, unter ihnen vor allem Jugendliche. Schweigend zogen sie durch die Stadt. Die Polizei hielt sich diskret im Hintergrund. Marvins Onkel bedankte sich alle paar Minuten im Namen der Familie für die Unterstützung. Dazu lief Marvins Lieblingsmusik.
Marvins Tod beschäftigte diese Woche auch die Politik. Im Kantonsrat kritisierte die Linke die Polizei. Die SVP konterte, ohne die Polizei würde das nackte Chaos herrschen.
Tanguy Ausloos, Sozialarbeiter und Jugenddelegierter der Stadt Lausanne, hält die Politisierung von Marvins Tod für unangebracht. Politiker sollten sich im Moment grosser Emotionen zurückhalten, findet er. «Es ist nämlich weder so, dass die Polizei alles richtig macht, noch, dass die Jugendlichen nur Lämmer sind», so Ausloos.
Eine Sache zwischen den Jugendlichen und der Polizei
Jugendliche aus dem Umfeld von Marvin kämen häufig aus sozial und wirtschaftlich benachteiligten Verhältnissen, oft gepaart mit Migrationsproblemen. Sie fühlten sich im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung benachteiligt.
Wenn man sich ignoriert, entstehen Probleme. Wenn man miteinander redet, werden die Dinge besser.
Wenn man in dieser Situation das Gefühl habe, von der Polizei stets wie ein Minderwertiger behandelt zu werden, dann fühle man sich rasch belästigt. Darum will Sozialarbeiter Ausloos die Jugendlichen und die Polizei zusammenbringen. «Wenn man sich ignoriert, entstehen Probleme. Wenn man miteinander redet, werden die Dinge besser», sagt Ausloos.
Dafür müssen in den kommenden Tagen und Wochen beide Seiten über ihre eigenen Schatten springen – die Jugendlichen und die Polizei.