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Legende: Audio Personen mit pädophiler Vergangenheit sollen keine Lehrerstelle mehr erhalten abspielen. Laufzeit 03:34 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 31.01.2019.
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Jugendschutz auf dem Prüfstand Wie Schulen die Anstellung pädophiler Lehrer verhindern wollen

Priester mit pädophiler Vergangenheit sollen im Kirchendienst nichts mehr zu suchen haben. Auch bei Lehrern wird das Problem angegangen.

Rund 115'000 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten in der Schweiz an öffentlichen Schulen. Schon heute ist Standard, dass vor der Neuanstellung – etwa bei einem Arbeitsplatzwechsel – eine Überprüfung stattfindet. Laut dem Präsidenten des Lehrer-Zentralverbands, Beat Zemp, holt man vor jeder Anstellung den sogenannten Sonderprivatauszug ein.

Damit meint der oberste Schweizer Lehrer einen Teil des Strafregisterauszugs. Darin sind alle Vergehen festgehalten, welche im Zusammenhang mit dem Umgang mit Jugendlichen relevant sind. Dazu gehören etwa körperliche und sexuelle Übergriffe. Andere Delikte, wie beispielsweise eine Verurteilung wegen zu schnellen Fahrens, sind im Sonderprivatauszug nicht ersichtlich.

«Es geht nicht darum, dass man alle Lehrer kriminalisiert», betont Zemp. Nur jene Straftaten sollen der Anstellungsbehörde gemeldet werden, welche für den Umgang mit Minderjährigen relevant seien: «Das ist das Entscheidende.» Seit rund vier Jahren gibt es diesen Sonderprivatauszug. Er ist eine Folge der Umsetzung der Pädophileninitiative.

Es gibt auch eine Schwarze Liste

Der Sonderprivatauszug ist aber nicht das einzige Mittel im Kampf gegen sexuelle und körperliche Gewalt an Schulen. Daneben gebe es die Schwarze Liste der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), sagt Zemp. Darauf sind Personen verzeichnet, denen die Lehrbefähigung entzogen worden ist.

Doch die EDK-Liste mit aktuell rund 100 Namen ist lückenhaft. Nicht alle Kantone kennen eine solche «Lehrbefähigung». Und wo es keine gibt, kann auch keine entzogen werden. Deshalb empfiehlt Zemp den Schulbehörden bei Neuanstellungen drei Dinge: Die Schwarze Liste bei der EDK verlangen, den Sonderprivatauszug bestellen und Referenzen einholen.

Symbolbild: Ein Kind hält die Hände abwehrend vor den Kopf.
Legende: Kirche und Erziehungsbehörden wollen mehr tun, um pädophile Übergriffe zu verhindern. Imago

Sämtliche Erwachsenen überprüfen

Der Lehrerverbandspräsident ist der Meinung, dass diese Kontrollen eigentlich für alle Personen gelten sollten, welche in der Schweiz regelmässig mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben – nicht nur für die Lehrer an den öffentlichen Schulen. «Man muss sämtliche Erwachsene, die mit Kindern zu tun haben, vor einer Anstellung auf diese Frage hin prüfen.»

Beat Zemp

Beat Zemp

LCH-Präsident

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Beat Zemp ist Lehrer für Mathematik und Geographie am Gymnasium Liestal. Zugleich sitzt er als Präsident dem Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH vor.

Beim nationalen Sportförderungsprogramm «Jugend und Sport» etwa gibt es keine Empfehlung dazu, ob man einen Strafregisterauszug verlangen soll oder nicht. Im Rahmen von «Jugend und Sport» werden jährlich 77'000 Sportkurse und -lager mit über 600'000 Jugendlichen und Kindern durchgeführt.

Garantie gibt es keine – aber mehr Sicherheit

Einige Fussballverbände verlangen für Jugendtrainer mittlerweile konsequent einen Strafregisterauszug. Der Schweizerische Fussballverband (SFV) selbst ist aber skeptisch: Funktionäre könnten sich so in falscher Sicherheit wiegen, liess sich in der Vergangenheit ein SFV-Sprecher gegenüber Radio SRF zitieren.

In der Tat sind Massnahmen wie Strafregisterauszug oder Schwarze Listen keine Garantie, dass es zu keinen Übergriffen mehr kommt. Doch sie können immerhin verhindern, dass verurteilte pädophile Straftäter als Lehrer oder Fussballtrainer angestellt werden.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Wer sich an Kindern vergreift darf nicht mit Kindern arbeiten. So einfach ist das. Im Interesse des Kindes.
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  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    «...wird das Problem angegangen.» Irgendwie unverständlich, denn seit dem 1. Januar 2019 ist ja das lebenslängliche Tätigkeitsverbot für pädophile Sexualstraftäter in Kraft. Der Dachverband (LCH) war damals gegen die Pädophilen-Initiative, die aber von Volk und Ständen wuchtig angenommen wurde und trotz Härtefallklausel: Wer ein Sexualdelikt an einem Kind verübt hat, darf sein Leben lang nie mehr mit Minderjährigen arbeiten – weder im Beruf, noch in der Freizeit, ist seit 31 Tagen CH- Gesetz.
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    1. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Sexualstraftäter/Pädophile, haben eine klare Störung in einem Teilbereich des Hirns, wo sexuelle Fantasien entstehen. Diesen Bereich kann man nicht operativ entfernen. Psycho-Therapien sind "kein" Garant für Heilung solch abartigen sexuellen Fanatsien! Daher gibt es nur eine "sichere" Option für Sexualstraftäter/Pädophile = lebenslange Verwahrung = Sicherheit vor Wiederholungstaten für allfällige Opfer!
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Sexualstraftäter, gehören für immer verwahrt, damit garantiert werden kann, dass es zu keinen weiteren Opfern kommen kann! Dann könnten sich auch keine "bekannten" Täter für eine Stelle bei und mit Kindern/Jugendlichen bewerben!
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    1. Antwort von Hans Meier  (Hansi)
      Immer? Strafautomatismen entsprechen nicht einem Rechtsstaat.
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    2. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Hans Meier und gleichdenkende: Wer muss wohl vor wem und wie geschützt werden, damit es zu keinen weiteren "Opfern" von Sexualstraftätern kommen kann?
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    3. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Hans Meier: Sexuelle Übergriffe auf Menschen, gehören hoffentlich auch nicht in einen Rechtsstaat und müssen daher entsprechend geahndet/bestraft werden, damit diese abartige "Spezies", nie wieder ein "Opfer" schaffen kann!
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    4. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Allein schon die vielen Stimmen der Ablehnung zur Sicherungs-Verwahrung dieser furchtbaren Täterschaft, ist erschreckend und lässt Fragen zu dieser Haltung aufkommen - also "Freipass" für Sexualstraftäter und klare Inkaufnahme von weiteren "Opfern"!?
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