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Ungeimpfte: Spitäler schlagen Alarm
Aus Rundschau vom 01.09.2021.
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Junge Corona-Patienten «Niemand, der da liegt, würde sich nochmals nicht impfen lassen»

Covid-Patienten belasten die Intensivstationen – zumeist ungeimpfte. Die Spitäler berichten zudem von immer jüngeren Patienten.

Die Situation in vielen Spitälern und Intensivstationen in der Schweiz ist weiterhin sehr angespannt. Covid-Patientinnen und Patienten belasten die Kapazitäten – und die schweren Fälle betreffen häufiger als in den früheren Wellen auch jüngere Personen: «Die Hälfte der Fälle ist unter 53 Jahre alt», sagte Virginie Masserey vom BAG am Dienstag in Bern.

Nachfragen bei grösseren Spitälern bestätigen dieses Bild. Der Chefarzt des Inselspitals Bern, Stephan Jakob, bejaht gegenüber SRF, dass die Patienten jünger würden: «Früher lag der Median bei 60. Jetzt sind praktisch alle zwischen 40 und 60.» In Bern sei die Situation angespannt, aber noch tolerierbar. In Luzern sind zwei Drittel der Covid-Patienten in Spitalpflege unter 40, heisst es auf Anfrage. Und auch St. Gallen berichtet, es gebe eine Verschiebung hin zu jüngeren Patienten.

Ein «extremer Kraftakt» der Spitäler

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Auch wenn die neuste Welle inzwischen etwas abflacht und die Politik zuwartet mit neuen Massnahmen, bleibt die Lage in den Spitälern ernst. Schon seit Wochen werden wieder Kapazitäten umgelagert und Eingriffe wieder verstärkt verschoben: «Die Auslastung der Covid-19-Stationen sowie der Intensivstationen des Kantonsspitals ist in den vergangenen drei Wochen stark angestiegen», heisst es aus Luzern.

In Schaffhausen wurde eine reguläre Station geschlossen, um die Ressourcen freizumachen und auch in der Ostschweiz wird gerade wieder die Anzahl der Beatmungsplätze erhöht, weil es auf den Intensivstationen aktuell zu wenig Platz mehr hat. Philipp Lutz vom Kantonsspital St. Gallen spricht von einem «extremen Kraftakt», um einen normalen Betrieb weiterhin einigermassen zu gewährleisten.

In der Ostschweiz läuft man mit aktuell 16 Covid-Patienten auf der Intensivstation nahe am Limit. «Es ist überall in der Schweiz extrem dicht auf den Intensivstationen und wir haben noch andere Patienten, die ebenfalls eine intensivmedizinische Behandlung benötigen», sagt Philipp Lutz, Kommunikationsverantwortlicher des Kantonsspitals.

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Masserey:«Die Hälfte der Hospitalisierten sind unter 53 Jahre alt»
Aus News-Clip vom 31.08.2021.
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Praktisch alle schweren Fälle ungeimpft

Dass die Patienten jünger werden, liegt für Lutz einerseits daran, dass im Unterschied zu den vorigen Wellen im Freien fast wieder Normalität herrscht und es wieder eine grosse Mobilität gibt, was zu mehr Fällen führe. Andererseits seien die meisten Älteren geimpft und so gut geschützt.

Auf den Stationen sind meiner Kenntnis nach die meisten ungeimpft, auf der Intensivstation sind es praktisch alle.
Autor: Stephan Jakob Chefarzt Inselspital Bern

Eine höhere Impfquote wünschen sich alle Spitäler, von St. Gallen bis Bern. Denn es wird auf Nachfrage überdeutlich: Praktisch alle sind ungeimpft. «Auf den Stationen sind meiner Kenntnis nach die meisten ungeimpft, auf der Intensivstation sind es praktisch alle», sagt Stephan Jakob vom Inselspital. Die Spitäler in Luzern, Schaffhausen und St. Gallen berichten ähnliches.

Philipp Lutz besucht die Intensivstationen in der Ostschweiz regelmässig. Wenn er darüber spricht, spürt man Betroffenheit und ein gewisses Unverständnis. «Da liegen 40- und 50-Jährige – eigentlich noch junge Menschen. Es ist klar: Niemand, der da liegt, würde sich nochmals nicht impfen lassen.»

Reiserückkehrer überdurchschnittlich betroffen

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Die hospitalisierten Covid-Patienten sind grossmehrheitlich ungeimpft und: Sie sind oft Reiserückkehrer. Auch diese Schlagzeile der letzten Wochen bestätigt sich im Gespräch mit den Spital-Verantwortlichen: «Die Ferienrückkehrer spielen eine grosse Rolle. Rund 30 Prozent unserer Patienten wurden effektiv zurückgeholt – nochmals etwa so viele Erkrankte reisten selbständig nach Hause und kamen danach zu uns», sagt Stephan Jakob in Bern. Auch in St. Gallen liegen «grossmehrheitlich» Rückkehrer aus dem Balkan. In Luzern betrifft es rund die Hälfte aller Covid-Patienten.

Das Problem der weiterhin dünne Personaldecke scheint sich zudem zu verschärfen. Der Chefarzt des Inselspitals, Stephan Jakob, berichtet: «Inzwischen ist unser Personal ausgelaugt, die Kündigungsrate ist viel höher und wir haben auch viel mehr Krankheitsausfälle.»

Das Personal ist nun schon seit eineinhalb Jahren ganz besonders gefordert. Physisch wie auch emotional.
Autor: Philipp Lutz Kommunikationsverantwortlicher Kantonsspital St. Gallen

Sei die Motivation am Anfang der Pandemie für Extraschichten oder Überstunden noch sehr gross gewesen, so leide diese inzwischen deutlich – wie auch das Verständnis für ungeimpfte Personen, die die Kapazitäten beanspruchen. Auch Philipp Lutz in St. Gallen berichtet: «Das Personal ist nun schon seit eineinhalb Jahren ganz besonders gefordert. Physisch wie auch emotional.» 

Zurückhaltung bei politischen Forderungen

Den Spital-Verantwortlichen ist es ein Anliegen, die Öffentlichkeit auf die ernste Situation hinzuweisen, auch wenn «draussen» scheinbar verbreitet eine grosse Normalität herrsche. Gleichzeitig hoffen sie, dass schärfere Massnahmen verhindert werden können, mit politischen Forderungen sind sie zurückhaltend.

Nur in Bern wünscht man sich eine rasche Ausweitung des Zertifikats: «Für uns ist alles wichtig und richtig, was dazu beiträgt, die Welle zu brechen. Das ist eine vernünftige Lösung und funktioniert ja bereits im Ausland vielerorts ohne grössere Probleme», so Chefarzt Stephan Jakob.

SRF1, 01.09.2021, 20.00 Uhr

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206 Kommentare

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  • Kommentar von eveline hofer  (E.H.)
    Und während Sie hier weiter diskutieren läuft bei uns auf der Intensivstation das Personal davon, aus dem Pflegeberuf weg!!! Und ganz ehrlich: ich bekam ein Jobangebot in einer anderen Branche: bei geregelten Arbeitszeiten ohne diese imense Belastung der wir nun schon 18 Monate standhalten und sogar zu mehr Lohn als ich als Intensivpflegefachfrau verdiene! Ich bin eigentlich ziemlich bescheuert nicht sofort den Beruf zu wechseln.
  • Kommentar von Urs Braunschweiger  (Ursusbrown)
    Wer die Ausweitung einer Zertifikatspflicht als Impfzwang versteht, will alle in Mithaft nehmen bei seinem Entscheid sich nicht impfen zu lassen. Dabei ist es nur konsequent. Wäre nicht eine Hälfte geimpft und die Zahlen (hospitalisierte/IPS) dementsprechend doppelt so hoch, wären wir längst wieder in einem Lockdown. Ich habe mich entschieden, das mutmasslich kleinere Risiko auf mich zu nehmen und dafür so bald als möglich wieder ein normaleres Leben führen zu können.
  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Ich plädiere schon lange für die Impfpflicht. Es gäbe ein kurzes Aufheulen, dann würden sich alle beruhigen und die Gesetzgeber wären die „ Bösen“. Die Salamitaktik mit dem kontinuierlichen, aber nötigen Druckaufbau ist vielleicht viel schädlicher.
    1. Antwort von Karin Wappmann  (Karin Wappmann)
      Genau! und es käme uns auch extrem viel billiger.

      Gut für die Menschen UND gut für die Volkswirtschaft.