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«Das Zertifikat ist natürlich die mildere Massnahme»
Aus SRF 4 News aktuell vom 26.08.2021.
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Erweiterte Zertifikatspflicht «Druck auf Impfgegnerschaft hat nicht erst heute angefangen»

Für den Besuch im Restaurant, im Kino oder Theater muss man möglicherweise bald das Covid-Zertifikat vorweisen, also belegen, dass man geimpft, getestet oder genesen ist. Diese Ausweitung der Zertifikatspflicht stellt der Bundesrat zur Diskussion – und das zu einem sensiblen Zeitpunkt. Am 28. November stimmt die Schweizer Stimmbevölkerung über das Covid-Gesetz ab, über die gesetzliche Grundlage für das Covid-Zertifikat. Politologe Michael Hermann beschäftigt sich mit der Stimmung in der Bevölkerung seit der Pandemie. Der Druck wachse zwar damit, viele Stimmberechtigte seien allerdings schon geimpft.

Michael Hermann

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Der Politikgeograf Michael Hermann ist Leiter der Forschungsstelle Sotomo. Er beschäftigt sich seit einem Jahr mit der Stimmung der Bevölkerung während Corona-Pandemie. Die 6. Sotomo-Umfrage im Auftrag der SRG hatte im Januar gezeigt, dass die Bevölkerung nicht mehr so klar hinter den Corona-Massnahmen des Bundes steht wie noch im vergangenen Oktober.

SRF News: Der Bundesrat stellt eine Ausweitung der Zertifikatspflicht zur Debatte. Welches Risiko geht er im Hinblick auf die Abstimmung über das Covid-Gesetz damit ein?

Michael Hermann: Er geht ein Risiko ein, denn das ist ja der grosse Unterschied zu unseren europäischen Nachbarländern, dass wir hier auch darüber abstimmen. Der Punkt ist: Der Bundesrat war jetzt lange vorsichtig, vorsichtiger als andere Länder. Denn er hat genau auf diese Abstimmung spekuliert und war sich nach der Abstimmung vom Juni auch der Gefahren bewusst, als 40 Prozent gegen das Gesetz gestimmt haben – und auch nach der sehr erfolgreichen Unterschriftensammlung für das zweite Referendum. Aber mittlerweile gibt es eben auch ein anderes Risiko, das der Bundesrat auch miteinbeziehen muss, und das ist das Risiko eines starken Anstiegs der Hospitalisationen. Offenbar hat das jetzt zu einer neuen Auslegeordnung geführt.

Das heisst, es besteht die Gefahr, dass diese neuen möglichen Verschärfungen eine Gegenreaktion hervorrufen und das Gesetz im Herbst abgelehnt wird?

Ja, es gibt sicher eine Gegenreaktion. Es entsteht jetzt Druck auf die Gegnerschaft, vor allem auf die Impfgegnerschaft. Das hat aber nicht erst heute angefangen. Der Druck hat schon zugenommen, weil die Fallzahlen steigen, weil auch die Wirtschaft reagiert hat. Die Swiss zum Beispiel führt die Impfpflicht ein für das fliegende Personal. Aber die Frage ist, wie der Druck wirkt. Zunächst einmal wird es sicher zur Folge haben, dass die Impfquote steigt. Wir haben untersucht, was die Gründe sind für die, die noch nicht geimpft sind, sich impfen zu lassen. Ganz wichtig sind da pragmatische Gründe und nicht solidarische. Das heisst: Es ist viel praktischer, geimpft zu sein als nicht.

Der Abstimmungstermin ist im November. Welches Resultat ist wahrscheinlich?

Vor einer Weile war ich noch eher unsicher, ob das Gesetz eine Mehrheit gewinnen wird. Wenn wir diese Unterschriftensammlung für das Referendum gesehen haben und die 40 Prozent Nein an der Urne im Juni: Die allgemeine Stimmung war eher so, dass man genug hat von solchen Massnahmen. Aber die Rechnung ist mittlerweile schon eine andere.

Wir haben untersucht, was die Gründe sind für die, die noch nicht geimpft sind, sich impfen zu lassen. Ganz wichtig sind da pragmatische Gründe.
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Und wenn die Abwägung ist «Lockdown oder Zertifikat», ist das Zertifikat die mildere Massnahme. Zudem ein ganz wichtiger Faktor bei der Abstimmung: Bereits heute ist eine deutliche Mehrheit derer, die stimmberechtigt sind, geimpft. Eine Mehrheit sieht die Zertifikatspflicht also nicht als zu grosse Einschränkung. Deshalb gehe ich heute davon aus, dass das Covid-Gesetz trotz allem gute Chancen hat, durchzukommen. Aber eine echte Prognose ist zum jetzigen Zeitpunkt unseriös.

Das Gespräch führte Raphael Günther.

SRF 4 News, 26.08.2021, 07:20 Uhr;

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122 Kommentare

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  • Kommentar von Fabian Sarbach  (Zahlen Daten Fakten)
    Von den Geimpften die ich kenne, haben die meisten wegen Druck am Arbeitsplatz oder um zu reisen sich impfen lassen. Ich glaube nicht, dass die für eine Zertifikatspflicht sind.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Eine grosse Zahl von Fällen sind Reiserückkehrer aus dem Balkan. Da frage ich mich, wie es denn um die Lage der Gesundheitswesen in diesen anscheinend, wenn man so will "so verseuchten" Staaten steht. Es muss dort anscheinend von Virenträgern nur so wimmeln. Sind dort die Krankenhäuser überfüllt? Oder alle geimpft, aber symptomlose Virenträger und steckten einfach die ungeimpft aus der Schweiz einreisenden Touristen an?
    Irgend etwas geht da in meiner Rechnung nicht auf.
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  • Kommentar von Rafael Schick  (leafaR)
    Verstehe ich richtig? Wenn ich nach der Arbeit ein Bier trinken gehen will (mache ich manchmnal ;-), muss ich zuerst ein Testcenter suchen, einen Test machen lassen und wenn er nicht positiv ist in die Beiz, um dann ein Bier zu geniessen? Was soll dann so ein Test kosten??
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    1. Antwort von Christian Blumer  (Blumar)
      Das müssen Sie nicht, wenn Sie geimpft sind und das Zertifikat auf das Handy geladen haben. Ist doch nicht so schwer.
    2. Antwort von Ulrich Jermann  (Nachdenkend...)
      Nein, einfach Impfung machen…
    3. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Nein, auf der Terrasse bleibt es wie es ist. Für den Innenbereich müssen Sie einfach das Handy zücken und den QR Code abscannen lassen. Das dauert 15 Sekunden, keine grosse Sache.
    4. Antwort von Alessandro Cona  (Alessandro Salvatore)
      Der Antigene-Schnelltest kostet ca. CHF 47. Und dieser ist 72h gültig. Das heisst, wenn ich mich nicht einschränken lassen möchte, muss ich ca. CHF 470 im Monat und somit ca. CHF 5'700 im Jahr auf den Tisch legen. Oder mich impfen lassen, bzw. genesen sein.