Zum Inhalt springen

Header

Bundesrat Alain Berset im Interview mit Vincenz Gion-Duri
Aus Tagesschau am Vorabend vom 06.01.2021.
Inhalt

Kampf gegen das Coronavirus Herr Berset, warum treffen Sie keine Entscheidungen?

Die Zahl der positiven Coronatests bleibt seit den Festtagen hoch. Vom Bundesrat wurden aber aktuell keine neuen Entscheidungen getroffen, die ihr entgegenwirken. Nun schlägt der Bundesrat neue Massnahmen vor, etwa dass Restaurants bis Ende Februar geschlossen bleiben sollen. Reichen diese Massnahmen? Bundesrat Alain Berset bezieht im Interview Stellung.

Alain Berset

Alain Berset

Bundesrat

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der 49-jährige Sozialdemokrat leitet seit 2012 das Departement des Innern (EDI) und war 2018 Bundespräsident. Zuvor war er für den Kanton Freiburg im Ständerat und übte dort 2008/2009 das Amt des Ständeratspräsidenten aus.

SRF: Sie haben am Nachmittag selber von einer schlechten Situation gesprochen. Trotzdem hat der Bundesrat praktisch keine Entscheidungen gefällt. Diesen Widerspruch verstehen immer weniger Leute...

Alain Berset: Wir haben klar gesagt, dass es aktuell nicht so aussieht, dass wir die Massnahmen Ende Januar lockern können. Wir müssen diese Massnahmen weiter ernst nehmen und allenfalls strengere Massnahmen vorbereiten. Aber das will ich auch nicht, es ist schwierig für alle. Wir müssen die Kantone konsultieren und werden neue Entscheidungen nächste Woche treffen.

Unsere Nachbarländer sind längst viel weiter. Deshalb auch das Unverständnis gewisser Leute in der Schweiz, dass der Bundesrat vor allem wartet, und Entscheidungen ankündigt...

Es gibt eine Vernehmlassung, die bei den Kantonen läuft. Im Moment sind die Fallzahlen zu hoch, aber stabil. Und wir wissen, dass sie fallen werden. Wir werden alles tun, damit das bald eintrifft.

Diese Massnahmen, zum Beispiel die geschlossenen Gastbetriebe, möchten Sie nun verlängern. Die Wirtinnen und Wirte möchten schnell Klarheit und grosszügige Entschädigungen. Aber auch hier kommt vom Bundesrat: Warten auf die nächste Woche, frühestens..

Ja, nächste Woche werden wir Entscheidungen treffen, allenfalls für eine Verlängerung der Massnahmen und auch für die wirtschaftliche Abfederung dieser Massnahmen. Dann gibt es eine neue Situation. Es gibt wenige, aber entscheidende Branchen, die sehr stark leiden unter dieser Situation.

Warum hat man die Massnahmen nicht bereits am heutigen Tag beschlossen?

Weil es dafür diese Vernehmlassungen braucht. Wir sind auch nicht in einer derart hektischen Situation, dass es sofort Massnahmen braucht. Wenn das während der Festtage notwendig gewesen wäre, hätten wir das gemacht. Wir haben Ende Dezember auch eine Diskussion mit dem Bundesrat geführt, es war nicht so klar, was kommen wird. Die Sitzung nun ist eine zusätzliche Sitzung, die genau deswegen abgehalten wurde, um nächste Woche vorzubereiten.

Das Virus verbreitet sich jetzt schneller als im Frühling, aber der Bundesrat handelt langsamer als im Frühling...

Das ist falsch. Die Situation ist stabil, zwar seit einem Monat auf hohem Niveau, aber stabil. Diese Stabilität auf hohem Niveau ist für uns nicht befriedigend. Und deswegen müssen wir die Massnahmen verlängern. Vielleicht müssen wir noch strengere Massnahmen vorsehen, damit die Kurve abflacht.

Das Gespräch führte Vincenz Gion-Duri.

Gion-Duri Vincenz

Gion-Duri Vincenz

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Gion-Duri Vincenz ist seit 2003 SRF-Redaktor im Bundeshaus und arbeitet vor allem für die «Tagesschau» und «10vor10». Neben seiner Tätigkeit als Korrespondent in Bern moderiert er auch Abstimmungssendungen von SRF.

Tagesschau, 06.01.21, 18:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

77 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Werner Winzeler  (Wernher)
    07-01-2021
    BR Berset hat in seiner Konferenz in Bezug auf die neue Virusvariante mehrmals gesagt "wir nehmen an..." Mit anderen Worten, es fehlen die Fakten. Darf man auf blossen Annahmen, also ohne handfeste Beweise, eine ganze Bevölkerung derart einsperren?
  • Kommentar von Fluri Fluri  (Rosette)
    Erstens finde ich diese Fragen an Herrn Berset sehr tendenziös und zweitens bin ich sehr froh, dass Herr Meuri keine Entscheidungskompetenzen in der Politik hat....
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Bei Herrn Meuri wüssten wir, woran wir sind (meine ich mit gegnerischem Augenzwinkern, aber positiv, da ich seine Beiträge sehr schätze).
    2. Antwort von Mec Tung  (itsmeagain)
      Meuri for president ;)
  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    "Die Situation ist stabil" reicht aber nicht! Angesichts der neuen, ansteckenderen Mutationen ist es grobfahrlässig, nicht deutlich zu verschärfen. Fahrlässig und inkompetent sind hier m.E. völlig angebrachte Attribute. Mindestens.
    1. Antwort von Mihai Löchli  (Siebenbürgen)
      Die überwiegende Mehrheit der Viren mutieren zu eine Variante, die zwar Ansteckender ist, aber weniger gefährlich. Das ist ja die Evolution auch beim Viren, sie möchten sich schneller und besser verbreiten, aber haben keine Interesse daran den Wirt zu Töten. Das heisst wir werden lernen müssen mit Covid-19 zu leben, wie wir mit alle anderen Viren auch tun.