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Kampfjet F-35: Der «Ferrari der Lüfte»?
Aus Echo der Zeit vom 18.08.2021.
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Kampfjet-Beschaffung F-35: So ist die Digitalisierung bei den Kampfjets angekommen

Der Bundesrat hat sich für den Kampfjet F-35, den «Ferrari der Lüfte» entschieden. Der Vergleich klingt gut, greift aber zu wenig weit. Der Jet ist vielmehr ein stark vernetztes fliegendes Rechenzentrum.

Der F35 ist ein Kampfjet der 5. Generation und durchaus ein «Ferrari». Er kann sehr schnell fliegen, aber das erwartet man von einem Jet. Wichtig für diese Generation von Flugzeugen ist: Sie sind bestückt mit Sensoren. Es sind fliegende Rechenzentren, die jede Menge Daten erzeugen, verarbeiten und austauschen. Dazu gehören Angaben zum Zustand des Flugzeugs aber auch taktische Daten - Beobachtungen aus Radar-Sensoren und verschiedenen Kameras.

Ein Pilot muss diese Daten nicht mehr einzeln interpretieren. Algorithmen entscheiden im Hintergrund und zeigen nur noch relevante Informationen direkt im Visier des Helms an. Virtual Reality ist im F-35 Realität.

Virtuelle Erweiterung des Blickfelds

Eine Pilotin kann sich bei Bedarf auch eine erweiterte Realität anzeigen lassen. Fliegt sie etwa im Dunkeln, so stellt der Boardcomputer aus mehreren Nacht-Sicht- oder Wärmebild-Kameras ein 360-Grad-Bild zusammen und projiziert dieses auf die Innenseite des Helms. So kann ein Pilot auch bei Dunkelheit auf Sicht fliegen. Dreht er den Kopf, sieht er sogar, was hinter oder unter ihm passiert.

Ein Pilot kann seinen Blickwinkel zusätzlich erweitern, indem er sich mit mehreren Jets vernetzt und deren Kameras anzapft. Möglich ist das dank des neuartigen Funknetzwerkes «Madl».  Über diese Verbindung erhält ein Pilot aus den Radarsensoren der vernetzten Maschinen weiter Informationen, die zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden. So vervielfacht das «Madl»-Netwerk die Fähigkeiten eines einzelnen Jets.

Vernetzung mit Nato-Partnern

Ein F-35 ist auch an das rund 30-jährige Netzwerk «Mids Link 16» angeschlossen, das bei westlichen Armeen verbreitet ist. Im Gegensatz zu «Madl» sind nicht nur andere Kampfjet-Typen eingebunden, sondern auch Flugabwehr-Waffen, Panzer oder Radar-Bodenstationen. Das Netzwerk ermöglicht den Datenaustausch zwischen verschiedenen Armeen etwa im grenzüberschreitenden Luftpolizeidienst.

Die dritte Verbindung des F-35 heisst Odin, ein Netzwerk nur für betriebliche Daten, die dem Hersteller im Rahmen des Logistik-Konzepts regelmässig übermittelt werden. Wenn beispielsweise ein Generator immer wieder defekt ist, kann man das Ersatzteillager entsprechend ausrichten oder Schwächen einer Komponente bereits erkennen und reparieren, bevor sie ausfällt im Flug.

Dieser Datenaustausch ist nicht neu. Schon bei älteren Kampfjets haben Armeen den Herstellern betriebliche Daten übermittelt zur Optimierung ihrer Flugzeuge – aber noch nicht in digitaler Form. Auf diese Weise sollen Unterhalt und Betrieb effizienter werden.

Vermischung von echten und virtuellen Jets im Training

Kosten sparen soll auch das vierte Netzwerk, das im F-35 für die Ausbildung mitfliegt. Simulatoren sind seit langem Standard, nun kann man sie direkt mit richtigen Flugzeugen verbinden: Zwei Pilotinnen trainieren im Simulator, währen zwei andere in der Luft unterwegs sind. Die Pilotinnen in der Luft sehen in ihrem Helm dann ein Flugzeug eingeblendet, das eigentlich vom Boden aus gesteuert wird.

Die Virtualisierung und Digitalisierung von Kampfjets geht in Zukunft noch weiter. In Entwicklung sind bereits Flugzeuge der 6. Generation. Künstliche Intelligenz lernt aus einem ständigen Datenfluss und wird in Zukunft Pilotinnen und Piloten noch mehr Entscheidungen abnehmen.

Echo der Zeit, 18.08.2021, 18:00 Uhr

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56 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Etwas ist schon interessant: Selbst der modernste Jet hat eine komune Bordkanone ;-) Ja da hatte es zu Beginn des Jetzeitalters mit den Luft-Luftraketen geheissen, es brauche diese altmodischen Dinger nicht mehr...
    Manchmal habe ich auch schon überlegt, wie gross die Chance im Luftkampf einer Mustang P-51 wäre gegen eine F-35...
  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    "Der Jet ist vielmehr ein stark vernetztes fliegendes Rechenzentrum."
    Tolle Sache. Mir ist allerdings ein Rechenzentrum auf dem Boden lieber. Da kann der Techniker kommen, wenns aussteigt, und mehr noch als andere Rechenzentren steigt auch dasjenige des F-35 ab u. zu aus. Da ist es gäbig, dass der F-35 in seiner besten Version in 1/2 Kampfaufträgen gar nicht erst vom Boden wegkommt. Ausserdem macht die Tatsache, dass der Flieger ein RZ ist, keinen seiner grundlegenden Mängel wett.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Werner Gürr: Sie sollten sich aber auch nicht mehr in eine moderne Airbus- oder Boeing-Linienmaschine setzen. Das sind auch fliegende Rechenzentren. Die Piloten haben keinen Steuerknüppel mehr, sondern einen Joy-stick. Fällt die Steuerung aus, gibt es keine Seilzüge mehr, um die Klappen zu bewegen, sondern es ist aus. Auch fast sämtliche Anzeigen, erfolgen auf Displays statt mechanischen auf Ziffernblättern wie früher.
    2. Antwort von Werner Gürr  (FrMu)
      Herr Leu Es gibt einen Unterschied zwischen einer Passagiermaschine vom Typ Airbus/Boeing und einem Kampfjet. Ich hoffe, den muss ich Ihnen nicht erklären. Wobei das nicht mal nötig wäre. Wir sollten vom Schicksal des Fluges Lion Air 610 und Ethiopian Airlines 302 eigentlich etwas in Bezug auf fliegende Rechenzentren gelernt haben. Was wir gelernt haben sollten? Dass eine Portion Misstrauen hinsichtlich dem behauptetem reibungslosen Funktionieren dieser Einrichtungen durchaus angezeigt ist.
    3. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      @Gürr(FrMu): Stimmt es gibt einen bedeutenden Unterschied:Im Kampfjet hat der Pilot einen Schleudersitz für alle Fälle. Und dann gibt es noch die Lebensmüden Piloten, Da hätte den Lufthansapassagieren in Frankreich weder Elektronik noch Mechanik etwas genützt...
  • Kommentar von Peter Grisiger  (Peter1)
    Die Amis fliegen mit der F-35 in eine Stadt und zerstören vieles.
    Danach geht's nach hause.
    Einen Krieg haben Sie mit dieser Strategie, noch nicht gewonnen. (siehe Afghanistan, Vietnam)
    Brauchen wir ein Flugzeug für den Angriff oder die Verteidigung?
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Peter Grisiger: Man kann sich mit Kampfflugzeugen auch verteidigen. Mit Pilatus-Propeller-Maschinen hingegen wäre eine Verteidigung nicht möglich. Das gleiche gilt übrigens auch für das Sturmgewehr samt Bajonett. Angriff und Verteidigung ist möglich.
    2. Antwort von Peter Grisiger  (Peter1)
      Herr Leu
      Weder die Taliban noch die Vietnamesen hatten solch hochgerüstete Technologien.
      Den Krieg haben sie aber gegen die Supermacht gewonnen.
      All die Hi-Tech-Maschinen haben nichts gebracht.
      Sie müssen im Land Haus um Haus kämpfen um einen Krieg zu gewinnen.
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Peter Grisiger: Wenn Sie die Schweizer Armee mit Sandalen ausrüsten wollen und glauben, das kommt dann schon gut, dann o.k. Aber die Schweizer Soldaten und die Einwohner sind nicht mehr so abgehärtet, zäh, genügsam und leidensfähig wie der Vietkong, die Mujahedin oder die Taliban. Das würde im Desaster enden. Die afghansche Bevölkerung zahlt einen sehr hohen Preis, den wir reiche Schweizer nicht mehr zu zahlen bereit sind.