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Katastrophe in Crans-Montana Ein Applaus, der kurz die bedrückende Stille durchbricht

Trauer, Verlust und Traurigkeit dominierten an der Messe für die Betroffenen. Aber auch Solidarität und Gemeinsamkeit. Eine Reportage.

Hunderte Menschen sind an diesem Sonntagmorgen in Crans-Montana – viele junge Leute, aber auch ältere. Angehörige, Betroffene, Rettungskräfte, Vertretende von der Kantons- und Gemeinderegierung. Anwohnende, Walliserinnen und Walliser, Feriengäste aus dem In- und Ausland.

Es sind so viele, dass die Glocken der Chapelle Saint-Christophe noch nicht aufgehört hatten zu läuten, als die Kirche bereits voll ist. Auch die Plätze draussen vor den beiden Übertragungs-Bildschirmen sind gut gefüllt.

Menschen vor Kirche.
Legende: Wer nicht in der Kirche Saint-Christophe Platz findet – bleibt davor stehen. SRF/Roger Lips

«Ich bin hier aus Solidarität mit den Betroffenen», erzählt eine Frau. Viele möchten nicht in eines der vielen Mikrofone der Medienschaffenden sprechen. Ihre Augen sind gerötet, Taschentücher trocknen kurzzeitig ihre Tränen.

Es sind Hunderte, doch es ist vollkommen ruhig. Die Stille ist zeitweise bedrückend. Vor allem, wenn man die Leute sieht, die sich gegenseitig in den Armen halten, sich Trost spenden, Blumen in den Händen tragen. Von links und rechts hört man, wie sich Leute ihre Nasen putzen.

Gewissheit und Realität

«Ich bin hier, weil ich einen Freund verloren habe», erzählt ein Betroffener aus der Umgebung nach der Messe. Die ersten Tage habe er gehofft, seit gestern Samstag habe er jedoch die traurige Gewissheit, dass sein Kollege unter den Toten ist und nie mehr zurückkommen wird. «Er ist gestorben, als er andere Leute gerettet hat.» Sein Freund sei zurück in die Bar gegangen, ins Untergeschoss, um den Opfern zu helfen, und sei nicht mehr hinausgekommen.

Es hilft, wenn ich meine Geschichte mit vielen teilen kann.
Autor: Betroffener aus der Umgebung

Er selbst wäre auch fast in der Bar gewesen, habe aber Zeit mit seiner Familie verbringen wollen und verzichtet. Auch andere Betroffene teilen ihre Geschichten, erzählen von Verlusten, von Trauer und Traurigkeit. Dass er dies mit den vielen Menschen teilen könne, helfe, erzählt der Mann aus der Umgebung. «Das ist wichtig, für mich und ganz viele Leute hier.»

Nach der Messe laufen die Menschen gemeinsam die rund 400 Meter von der Kirche zur Unglücksstelle. Es sind so viele, dass sich die Hauptstrasse über mehrere Dutzend Meter füllt. Auch jetzt ist es still, die Leute sind versunken in Gedanken.

Crans-Montana
Legende: Hunderte nahmen am Sonntag am Gedenkmarsch für die Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana teil. Keystone/AP/ANTONIO CALANNI

Es bleibt still, bis die Einsatzkräfte zur Unglücksstelle hinzukommen. Da bricht Applaus aus, der die bedrückende Stille durchbricht. Minutenlang.

Es sind dies kleine Lichtblicke an diesem Vormittag in Crans-Montana: das Klatschen, die Solidarität füreinander, die Trost spendenden Worte bei der Messe, das gemeinsame Singen vor der Unglücksstelle.

Trauernde Feuerwehrleute halten sich gegenseitg fest.
Legende: Auch die Feuerwehrleute sind erschüttert. Keystone/AP Photo/Baz Ratner

All diese Momente, die etwas Wärme und Hoffnung spenden – wie die Sonne, die über Crans-Montana scheint. Auch wenn die Realität für die Betroffenen drei Tage nach dem Unglück noch wie die Aussentemperatur kalt und traurig ist.

SRF4 News, 4.1.2026, 12:30 Uhr

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