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Katastrophe in Crans-Montana «Grosses Ereignis, alle in Panik – das ist etwas für den Film»

40 Menschen starben bei der Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana. Die Katastrophe überlebten viele Besucherinnen und Besucher der Bar mit Verletzungen oder blieben unverletzt. Das Verhalten der Feiernden in Crans-Montana ist komplex und beschäftigt auch die Wissenschaft.

Moderne Forschungen würden zeigen, dass Menschen eher rational, logisch und sozial in einer Notlage agieren, beschreibt ein Artikel, der beim CTIF, dem Internationalen Verband der Feuerwehr, publiziert ist.

Grosses Ereignis und alle in Panik – das ist etwas für den Film und ist untypisch für das menschliche Verhalten.
Autor: Matthias Holenstein Geschäftsführer der Stiftung Risikodialog

Matthias Holenstein, Geschäftsführer der Stiftung Risikodialog, hat zum menschlichen Verhalten in Notsituationen gearbeitet. Er erklärt, dass Menschen einander helfen, wenn sie mit Gefahren konfrontiert sind. Zudem machen sie einander auf Gefahren aufmerksam. «Grosses Ereignis und alle in Panik – das ist etwas für den Film und ist untypisch für das menschliche Verhalten», sagt Holenstein.

Plakat mit schwarzem Herz.
Legende: Solidarität zeigen Menschen nicht nur nach einem grossen Ereignis. Viele helfen auch, wenn Gefahr herrscht. KEYSTONE/Jean-Christophe Bott

Die gegenseitige Unterstützung kennt gemäss Holenstein eine Einschränkung. «Wenn ich in Todesangst bin, ist sicher mein Verhalten etwas weniger sozial ausgeprägt», sagt der Geschäftsführer der Stiftung Risikodialog.

Soziale Verbindungen haben Einfluss auf das Verhalten

US-Forschende haben nach einem Brand in einem Nachtclub mit 100 Toten herausgefunden, dass die Todesrate in jenen Gruppen am höchsten war, bei denen sich die Menschen persönlich sehr nahe standen. Verzweifelte würden nach Angehörigen und Freunden suchen.

Mitentscheidend über Leben oder Tod in Notsituationen sei, sagt Holenstein, wie sich die Menschen um die Einzelperson verhalten, denn Gruppeneffekte hätten einen starken Einfluss auf das Verhalten aller Menschen an einem Ort. Zudem sei es wichtig, wie die Menschen ihre eigene Situation einschätzten.

Erfahrung beeinflusst Verhalten

«Menschen, die ein Fest feiern, sind in einer anderen Situation. Das Filmen eines Brandes ist wohl eher Ausdruck, dass die akute Gefährlichkeit nicht immer erkannt wird», erklärt Matthias Holenstein weiter. Das menschliche Handeln in solchen Extremsituationen sei nur schwer voraussagbar, äusserst vielschichtig und mitentscheidend dafür, wer überlebt.

Heute Morgen, 06.01.2026, 06:00 Uhr

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