Die Gemeinde Crans-Montana hat nach dem Inferno von der Neujahrsnacht ein sofortiges Pyroverbot in Innenräumen verhängt. Sogenannte Sprühkerzen werden für den verheerenden Brand verantwortlich gemacht.
Immer wieder war in der Vergangenheit Feuerwerk verantwortlich für Infernos in Clubs und Discos: etwa in Nordmazedonien im letzten Frühjahr oder auch bei Discokatastrophen in Rumänien oder Thailand.
Auch in Innenräumen zugelassen
In der Schweiz gehören Sprühkerzen oder umgangssprachlich Wunderkerzen zu Feuerwerkskörpern der Klasse 1. Damit gelten sie als «kalt brennende Pyrotechnik». Deshalb sind sie auch in Innenräumen zugelassen.
Ich würde eine Regulierung oder sogar ein Verbot begrüssen.
Nach der Walliser Brandkatastrophe müsse man den Umgang mit diesen Sprühkerzen jedoch neu regeln, findet SP Nationalrätin Gabriela Suter. Schliesslich seien diese für eine Party nicht unbedingt nötig. «Deshalb würde ich eine Regulierung oder sogar ein Verbot begrüssen», sagt Suter.
Ein generelles schweizweites Indoorverbot von Pyrotechnik hält die grüne Nationalrätin Meret Schneider für übertrieben. Eine Wunderkerze auf einem Geburtstagskuchen in einem Restaurant müsse möglich sein.
«Man sollte aber in Discos oder bei anderen Anlässen, wo viele Menschen dicht gedrängt in Innenräumen anwesend sind, ein Verbot in Betracht ziehen», so Schneider.
Schwieriger Umgang – je nach Situation
Der Brandschutzexperte Hugo Cina würde ein generelles Pyroverbot in öffentlichen Innenräumen mit hoher Publikumsfrequenz begrüssen. «Das wäre aus Sicht des Brandschutzes sicher das Beste.»
Die Sprühkerzen werden bewegt – und auf einmal werden die geforderten Brandschutzabstände nicht mehr eingehalten.
Zwar seien Bengalkerzen, Sprühkerzen oder auch normale Kerzen grundsätzlich ungefährlich, wenn die Mindestabstände zu brennbarem Material eingehalten werden.
Doch genau das sei in Clubs oder Discos ein Problem, so der Walliser Brandschutzexperte. «Die Sprühkerzen werden bewegt oder verschoben – und auf einmal werden die geforderten Brandschutzabstände nicht mehr eingehalten.»
Teil der Pyrogesetzgebung?
Derzeit diskutiert das Parlament in Bern über den Umgang mit Pyrotechnik. Bei der Feuerwerksinitiative und dem Gegenvorschlag geht es allerdings um Lärmbekämpfung, nicht um Brandschutz.
Zuerst muss geklärt werden, was genau zu der Katastrophe geführt hat.
Dass Crans-Montana als Gemeinde nun ein Pyroverbot verhängt, könne er nachvollziehen, sagt FDP-Ständerat und Präsident der zuständigen Kommission, Matthias Michel. Für ihn kommt der Ruf nach einem Verbot aber zu früh: «Bevor man nach neuen Regeln ruft, muss geklärt werden, was genau zu der Katastrophe geführt hat», betont er.
Auch für die grüne Meret Schneider passt ein Indoor-Feuerwerksverbot nicht in den Gegenvorschlag zur Feuerwerksinitiative. Offener zeigt sich hingegen Mitte-Fraktionspräsidentin Yvonne Bürgi: «Die Frage ist berechtigt, ob solches Feuerwerk grundsätzlich in Innenräumen gestattet sein soll oder nicht.»
Es zeigt sich: Die Brandkatastrophe in Crans-Montana hat auch Folgen für die nationale Politik.