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Was taugt der neue F-35-Kampfjet?
Aus Rendez-vous vom 01.07.2021.
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Kauf, Unterhalt, Betrieb Diese Erfahrungen machen europäische Länder mit dem F-35

Gut, laut und sicher teurer als geplant: Dänemark, Norwegen und die Niederlande haben den «fliegenden Laptop» bereits.

Die Niederlande waren die ersten in Europa, die auf den F-35 setzten. 17 der 46 bestellten Maschinen sind mittlerweile eingetroffen. Die an der Entwicklung beteiligten Niederländer hätten bisher teils gute, teils weniger gute Erfahrungen gemacht, sagt SRF-Korrespondentin Elsbeth Gugger in Amsterdam: Nach jahrzehntelangen Vorbereitungen sei die Luftwaffe jetzt vor allem begeistert über den «fliegenden Laptop»›, wie sie den Jet nenne.

Nach jahrzehntelangen Vorbereitungen ist die Luftwaffe jetzt vor allem begeistert über diesen ‹fliegenden Laptop›.
Autor: Elsbeth GuggerSRF-Korrespondentin, Amsterdam

Der F-35 absolvierte zurzeit noch Testflüge, um Kinderkrankheiten auszumerzen, so Gugger. Vor wenigen Tagen wurden Verschleisserscheinungen an den Motoren festgestellt, die offenbar durch einen Rollbahnbelag entstanden. Zudem klagten die Anwohner der Luftwaffenbasis im friesischen Leeuwarden über deutlich mehr Lärm als mit den alten F-16-Jets. Laut einer Umfrage litten deswegen mehr Menschen unter Stress und Schlaflosigkeit.

F35

Kosten wesentlich höher als budgetiert

Die veranschlagten Kosten für den F-35 seien in den Niederlanden wesentlich höher ausgefallen als erwartet, sagt Gugger zu entsprechenden Bedenken in der Schweiz. Beim Entscheid für den Jet Anfang Jahrhundert sprach man von 28 Millionen Euro pro Maschine, inzwischen sind es 80 Millionen und auch die Unterhaltskosten sind viel höher.

Als das Parlament vor ein paar Jahren gar aussteigen wollte, war es zu spät. Ein Ausstieg komme teurer als die Fortsetzung des Projekts, stellte der Rechnungshof fest. Die von den Amerikanern versprochenen neuen Arbeitsplätze liegen laut Gugger mit rund 2000 Stellen unter den Erwartungen. Wie die Wirtschaft bisher profitiere, sei schwierig zu sagen, denn noch seien auch nicht alle Jets geliefert.

Ähnliche Erfahrungen in Skandinavien

Norwegen und Dänemark kauften den F-35 in den Jahren 2008 beziehungsweise 2016. Die Kosten seien teils tiefer, teils höher als budgetiert, berichtet SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann. So fiel der Ankauf vor allem in Dänemark bis zu ein Drittel günstiger aus als vorgesehen. Betrieb und Unterhalt seien aber bedeutend teurer als budgetiert. Das Verteidigungsministerium rechne mit bis zu 50 Prozent höheren Kosten von umgerechnet bis zu 13 Milliarden Franken in den kommenden 30 Jahren.

Betrieb und Unterhalt sind bedeutend teurer als budgetiert
Autor: Bruno KaufmannSRF-Nordeuropa-Korrespondent

Norwegen setzte den F-35 bereits in der Barentssee an der Grenze zu Russland ein. Aviatik-Experten seien überrascht, wie gut sich die Maschine seit dem Frühjahr 2020 an der langen norwegischen Küste bewähre, so Kaufmann. Die Luftpolizei ist dort Teil eines grösseren Nato-Dispositivs. Auf der Luftwaffenbasis Ørland bei Trondheim sind erstmals seit dem Kalten Krieg auch wieder schwere US-Bomber stationiert.

Datensicherheit auch in Nato-Ländern ein Thema

Die Abhängigkeit von den USA und die Datensicherheit seien selbst in den nordischen Nato-Gründerstaaten und bei engen Alliierten ein Thema, sagt Kaufmann. Dass der US-Geheimdienst schon während der Beschaffung das dänische Verteidigungsministerium ausspionierte, ist Gegenstand einer aktuellen Untersuchung. Der Sicherheitsausbau der dänischen F-35-Luftwaffenbasis im Süden Jütlands zeige zugleich, dass die Amerikaner den Ton angäben. Mit dreimal höheren Kosten als geplant werde bereits gerechnet.

Rendez-vous, 01.07.2021, 12:30 Uhr;

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75 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    II. Teil
    In der Schweiz kann davon ausgegangen werden, dass man die Betriebskosten wesentlich sorgfältiger abschätzte, als im Eurofighterbeispiel in Österreich. Fazit bleibt, dass die Erfahrungen von europäischen Betreibern sich relativieren, weil diese von der eigenen innerorganisatorischen Praktiken in den Verteidigungsministerien gekennzeichnet sind. Das Problem betrifft aber den F35 nicht für sich alleine, sondern alle neuen Flugzeuge - auch die Konkurrenten! Das wird gerne übersehen!
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Das Problem von Budget- und Kostenvergleichen liegt darin, dass die entsprechenden Staaten und ihre Verwaltungen ja auch eigene Interessen in ihre Agenden einbringen. Hat man beispielsweise zwischen den Betriebskosten der alten F16 und den neuen F35 unterschieden - oder budgetierte man einfach mit den gleichen Kosten? Die Aussagen relativieren sich deshalb. In Österreich beispielsweise erlebte man ein Debakel mit dem Eurofighter, weil man die Betriebskosten der alten Saab Draken budgetierte!
  • Kommentar von James Wright  (romantischer Rationalist)
    Das Argument, dass politische Überlegungen erst bei militärischer/technischer Gleichwertigkeit zum Tragen kommen, ist leider scheinheilig. Wieso wurden dann keine russischen und chinesischen Jets in der Evaluation berücksichtigt? Von mir aus gesehen hätte der Bundesrat von Anfang an nur europäische Jets berücksichtigen sollen. Am Ende wären wir mit dem Gripen wohl am besten bedient gewesen. Jetzt wird es einen erneuten Scherbenhaufen geben.
    1. Antwort von Kurt Schönenberger  (CurdinS)
      Nein, Herr Wright, da ist nichts scheinheilig. Sie dürfen nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Ein sauberes Beschaffungsverfahren bedingt, dass der Zuschlag aufgrund der allen Bewerbern bekannten Kriterien erteilt wird. Die Auswahl der Bewerber hat mit dem Zuschlagsentscheid nichts zu tun. Aber viel mit der Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit des Auslobers. So ist der Entscheid absolut korrekt - unbesehen der politischen Spielchen gewisser Parteien u. d. GSOA.
    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Die Frage ist im öffentlich zugänglichen Bericht Luftverteidigung der Zukunft hinreichend beantwortet und hat mit der Gesamtkompatibilität des Luftüberwachungs- und -verteidigungssystems zu tun. Sie kaufen auch nicht Drucker und PC die nicht kompatibel sind!