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Interview zum Tag mit Diana Gutjahr
Aus Tagesschau am Vorabend vom 16.06.2020.
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Kaum Unterstützung für KMU «Der Einkaufstourismus, der schon wieder losgeht, ist bedenklich»

Der monatelange Stillstand wegen Corona hat vielen KMU stark zugesetzt, sie kämpfen ums Überleben. Doch Hilfe lässt auf sich warten. Wenn es so weitergehe, werde es viele Konkurse und Entlassungen geben, sagt SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr.

Diana Gutjahr

Diana Gutjahr

SVP-Nationalrätin und Unternehmerin

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Diana Gutjahr ist SVP-Politikerin aus dem Kanton Thurgau. Seit 2017 sitzt sie im Nationalrat. Zusammen mit ihrem Ehemann leitet Gutjahr eine Stahl- und Metallbaufirma. Seit 2013 ist sie Vizepräsidentin des Thurgauer Gewerbeverbandes.

SRF News: Vor ein, zwei Monaten hat man viel gehört von Problemen der KMU, es war von Konkursen und Entlassungen die Rede. Jetzt hört man nichts mehr. Gibts die Probleme nicht mehr?

Diana Gutjahr: Doch, die gibt es immer noch. Am Anfang waren die Gewerbetreibenden sehr laut, haben ihre Probleme angesprochen, haben Hilfe eingefordert. Aber die Gewerbler sind sich gewohnt, zu kämpfen, mit neuen Ideen zu kommen; viele versuchen, sich jetzt neu auszurichten, um nicht vom Staat abhängig zu sein, das wäre nämlich nicht die Lösung. Es müssen jetzt Produkte verkauft werden, die Läden müssen mit Kunden gefüllt werden, damit die Umsätze stimmen. Aber es ist bedenklich, wenn man zum Beispiel die Bilder von gestern sieht – vom Einkaufstourismus, der schon wieder losgeht.

Was ist daran bedenklich?

Es wurde viel davon gesprochen, dass man in der Schweiz Ferien machen soll, dass man die Betriebe in der Schweiz unterstützen soll, das sind nämlich unsere Arbeits- und Ausbildungsplätze, die wir sichern müssen. Aber wenn wir über die Grenze gehen, um dort einzukaufen, dann wird die Krise für die Schweizer Betriebe noch spürbarer, als sie es sowieso schon ist.

Ihre Partei hat heute gefordert, dass das Versammlungsverbot für über 300 Leute sofort aufgehoben werden soll. Das ist doch populistisch, das nützt den Betrieben doch nichts.

Doch, das nützt den Betrieben. Die Restaurants können alle ihre Tische wieder besetzen, es können wieder Fussballspiele stattfinden, die Eventbranche, die massiv leidet, kann sich wieder erholen, weil genau diese Obergrenze verhindert, dass überhaupt Events durchgeführt werden können. Es ist für mich höchst fragwürdig, dass Restaurantbetreiber gebüsst werden, weil sie zu viele Leute im Restaurant haben, und gleichzeitig Demos und Streiks stattfinden, an denen viel mehr Leute teilnehmen, das lässt man einfach durchgehen, das geht nicht, das ist eine Ungleichbehandlung. Deshalb ist die Forderung absolut gerechtfertigt; natürlich immer unter dem Aspekt, dass die Gesundheit nicht gefährdet wird.

Das mag vielleicht etwas bringen. Aber: ich habe in den letzten Tagen von vielen Gewerbetreibenden gehört, dass nach den Sommerferien eine massive Konkurs- und Entlassungswelle auf uns zukommen wird. Sehen Sie das auch so?

Ja, das wird auf uns zukommen. Das, was jetzt nicht erwirtschaftet werden konnte, das wird die Betriebe wieder einholen. Wir haben gesehen, wie viele Corona-Kredite abgeholt wurden, und wenn diese nicht zurückbezahlt werden können, dann wird das auch die nachgelagerte Branche treffen, weil Investitionen nicht mehr getätigt werden können. Die Kurzarbeit ist ja nur eine Überbrückungs-Massnahme. Wenn keine Aufträge mehr kommen, dann kann man die Leute nicht mehr beschäftigen. Wenn es so weiter geht, dann wird es Konkurse und Entlassungen geben, deshalb ist es umso wichtiger, dass man in der Schweiz die Unternehmen berücksichtigt. Das gilt auch im öffentlichen Beschaffungswesen: Da hat ja Guy Parmelin gesagt, man solle Schweizer Unternehmen bevorzugen. Und da möchte ich einen Appell an die Kantone und die Gemeinden richten: Dass sie die Möglichkeiten ausschöpfen und regionale Betriebe bevorzugen, um die Wertschöpfung in der Schweiz zu halten.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

Tagesschau, 16.06.2020, 18:00 Uhr;

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Weber  (AschiWeber)
    Einkaufstourismus ist ein Unwort. Es ist einfach der Einkauf am preisgünstigsten Ort. Ob das im In- oder Ausland ist, spielt keine Rolle. Die Grossverteiler kaufen auch im Ausland ein und verkaufen zu „Schweizerpreisen“. Die Handelsspanne zwischen Produzent und Verbraucher ist hier viel zu hoch. Deshalb weichen die Kunden aus wenn sie können.
    Interessenvertreter im Parlament wehren sich gegen Parallelimporte - logischerweise.
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  • Kommentar von Manfred Baumann  (minmax)
    Mit Themen wie Ausländer, Grenzen und Einkaufstourismus hat man die 30% Wähler die von Abschottung und Subventionen profitieren auf sicher, so einfach ist das. Dass man dann diese Probleme nie löst um jahrzehntelang damit zu politisieren merken zum Glück immer mehr Leute. Die grösste Bedrohung für diese Partei sind Bundesrätinnen Keller Sutter und Viola, die lösen Probleme.
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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Jedes Blatt hat 2 Seiten. Wenn jemand 50 km oder mehr fährt um ennet der Grenze für ein paar Franken einzukaufen, muss ich den Kopf schütteln. Wenn Importeure jedoch für Produkte die vollständig im Ausland hergestellt worden sind, unverschämte Aufpreise verlangen, sind sie selber schuld, wenn Käufer für den Direkteinkauf ins Ausland fahren. Masshalten gilt für beide Seiten.
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