Kiener Nellen: «Schneider-Ammann muss Karten offenlegen»

Immer mehr Details über die Finanzvehikel der Ammann-Gruppe kommen ans Licht. Der Druck auf Johann Schneider-Ammann steigt. Hat der Bundesrat hier unmoralisch oder gar illegal gehandelt? Die Exponenten im «Rundschau»-Studio sind sich uneinig.

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Streitgespräch: R. Eichenberger - M. Kiener Nellen

11 min, aus Rundschau vom 5.2.2014

Für Nationalrätin Margret Kiener Nellen (SP/BE) ist Bundesrat Schneider-Ammann nicht mehr tragbar. «Eine solche Person muss eine Vorbildfunktion einnehmen. Ich erwarte da, dass Bundesrat Schneider-Ammann offenlegt, wie diese Steueroptimierungspläne ausgesehen haben. Und wie viele Steuermillionen dem Kanton Bern und dem Bund dadurch entgangen sind.»

«Moralisch verwerflich»

Gänzlich anderer Meinung ist Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger. Für ihn werden in dieser Diskussion nur Symptome bekämpft. «Die Schweiz ist eine Steuerhölle», sagt er. Deshalb würden die Unternehmen ins Ausland ausweichen.

Kiener Nellen findet ein solches Verhalten höchst unmoralisch – die Ammann-Gruppe bekomme schliesslich viele Aufträge von der öffentlichen Hand.

«Schweiz im Hintertreffen»

«Ihre Argumentation zeigt, dass gewisse Nationalräte nicht mit den Steuerzahlen umgehen können», hält Eichenberger dagegen. Für ein Unternehmen sei jedoch die Gesamtbesteuerung wichtig. Da sei die Schweiz und vor allem Bern hoffnungslos im Hintertreffen.

«Neunzig Prozent des Gewinnanteils der Ammann-Gruppe kommt aus dem Ausland. Und jetzt haben wir den Anspruch, dass alles in Langenthal versteuert wird», führt er aus. Das sei und bleibe für ihn eine komische Vorstellung.