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Kifferland Schweiz Mit dem Joint zur Psychose?

Psychiater warnen: Fünf bis zehn Prozent aller jugendlichen Kiffer können ernsthafte psychische Probleme bekommen.

Legende: Video Ex-Kiffer Samuel* erzählt von seinen negativen Erfahrungen. abspielen. Laufzeit 00:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 23.01.2019.

Samuel* hat mit 13 Jahren den ersten Joint geraucht. «Es war Neugier», sagt er. «Von meinen Skater-Freunden haben damals fast alle gekifft». Zwei Jahre später waren es bis zu sieben Joints pro Tag. Er habe fast nur noch im Bett liegen können. Andere Suchtmittel kamen hinzu.

Heute vier Jahre später muss Samuel mühsam wieder lernen seinen Alltag zu regeln. Er ist im Entzug in der Privatklinik «Clienia» im Kanton Thurgau. «Ich dachte damals Gras sei harmlos, ein natürliches Kraut, das aus dem Boden wächst. Für mich war das Intensivkiffen jedoch sehr schädlich», so Samuel im Gespräch mit der «Rundschau». Ein extremes Beispiel, aber kein Einzelfall.

Bei entsprechender Veranlagung kann das Kiffen auch Psychosen auslösen
Autor: Boris QuednowDrogenexperte, Universitätsklinik Zürich

Laut einer internationalen Schülerbefragung liegt der Cannabis-Konsum in der Schweiz weit über dem internationalen Durchschnitt. Nur in Frankreich und Tschechien wird mehr gekifft. Gemäss einer Erhebung des Bundesamts für Gesundheit ist Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Substanz in der Schweiz. Mehr als ein Drittel der Personen ab 15 Jahren haben schon mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert.

Auslöser für Psychosen

Was viele Jungkiffer nicht wissen: Übermässiger Cannabiskonsum kann laut Studien das Gehirn in der Wachstumsphase schädigen. Laut Studien, die allerdings auch wissenschaftlich umstritten sind, kann Cannabis bei Jugendlichen das Gehirn nachhaltig schädigen – bis hin zu Psychosen.

Experten warnen vor den Folgen übermässigen Cannabis-Konsums. Oliver Bilke-Hentsch leitet die Klinik Somosa in Winterthur, eine Einrichtung, die in der Schweiz junge Kiffer mit psychischen Störungen therapiert. «Wir machen uns Sorgen um die Risikogruppe bei den kiffenden Teenagern», sagt Bilke-Hentsch. 10 Prozent der Jugendlichen, die kiffen, könnten Probleme bekommen.

Legende: Video Jugendpsychiater Oliver Bilke-Hentsch: «Für die Risikogruppe ist Kiffen alles andere als harmlos» abspielen. Laufzeit 00:27 Minuten.
Aus News-Clip vom 23.01.2019.

«Bei entsprechender Veranlagung kann das Kiffen auch Psychosen auslösen», sagt auch Boris Quednow, Drogenexperte der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

Wichtige Hirnareale betroffen

Jugendpsychiater und Suchtexperte Lars Wöckel zeigt auf, welche Gehirnareale durch exzessiven Cannabiskonsums tangiert werden können: «Es sind unter anderem die Bereiche für Gedächtnisleistungen sowie zur Generierung von Emotionen betroffen.»

Weil das Gehirn sich noch im Wachstum befinde, könne das Kiffen bei Jugendlichen Schäden verursachen.

Öffnung im Trend

Trotz der Risiken geht der internationale Trend in Richtung Legalisierung oder Liberalisierung des Cannabis-Konsums. In verschiedenen US-Bundesstaaten, in Kanada und in Uruguay dürfen Erwachsene legal Hanf beziehen und konsumieren.

Bewegung in der Liberalisierungs-Frage könnte auch in der Schweiz durch eine neue Hanf-Initiative kommen. Diese soll politisch breiter abgestützt werden. Es ist aber noch unklar, ob die Initiative überhaupt und in welchem Rahmen kommt, wie die IG Hanf auf Anfrage erklärt. Gespräche mit verschiedenen Vertretern aus Politik und Gesundheit seien im Gang.

An den Gesprächen nimmt auch BDP-Nationalrat und Landwirt Heinz Siegenthaler teil. Siegenthaler, der auch Hanf legal anpflanzt, macht sich für eine Hanf-Liberalisierung stark. «Ich möchte eine klare Regelung, wie man mit Hanf umgeht.

Legende: Video Hanfbauer Heinz Siegenthaler: «Cannabis sollte für Jugendliche nicht frei zugänglich sein.» abspielen. Laufzeit 00:14 Minuten.
Aus News-Clip vom 23.01.2019.

Ein Verbot hat bis heute nichts gebracht. Prohibition ist völlig wirkungslos.» Was klar sei, bei einer Öffnung müsse der Jugendschutz an oberster Stelle stehen. Hanf dürfe für Jugendliche auch dann nicht frei zugänglich sein, so Siegenthaler.

Die letzte Hanf-Initiative ist 2008 mit 63 Prozent Nein-Stimmen gescheitert.

* Name von der Redaktion geändert.

Infografik: Cannabis
Legende: Video Gefahr fürs Gehirn? abspielen. Laufzeit 08:14 Minuten.
Aus Rundschau vom 23.01.2019.

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93 Kommentare

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  • Kommentar von Ivo Furer (Ivo Furer)
    Ich bin als eigentlicher Rundschau Liebhaber sehr entsetzt über solch eine kläglich undifferenzierte Berichterstattung. Zudem bedauere Ich Herrn Siegenthaler, der wegen seiner Meinung persönlich angefeindet wird. Leider sehr unprofessionell von Rundschau.
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    1. Antwort von Dani Aeppli (Dani Aeppli)
      Ich bin ganz Ihrer Meinung. Undifferenziert vor allem bezüglich den 5-10% mit psychischen Folgen. Das mag ja sein, aber wie hoch ist der Prozentsatz bei denen, welche nicht kiffen. Wahrscheinlich genau gleich hoch!!! War alles blöde Propaganda, gestützt auf ein paar Zahlen und zwei Fallbeispielen.
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  • Kommentar von Daniel Meili (Morbit)
    Es gibt ja jetzt genügen Beispiele.Ich glaube kaum,das ein Land,in dem es jetzt legal ist,wieder zurück gehen würde.Der Taback,Medikamente und Alkoholkonsum sind dort gesunken.Die kontrolierte Qualität schadet den Konsumenten auch weniger.Steuerneinnahmen in Miliardenhöhe.Pharma und Taback werde sich scho dagegen wehren.Hanfprodukte waren bis in die 60er die meist verkauftesten Produkte in den Apotheken.Ohne hätte ich alle 3Wochen eine Migräne mit unaushaltbaren Custerkopfschmerzen.
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  • Kommentar von Luca Schmid (luca_smid)
    Dieser Artikel ist sehr manipulativ und einseitig. Laut aktuellem Forschungsstand und wissenschaftlichen Erkenntnissen ist das Risiko, eine anhaltende psychotische Störung, durch Cannabiskonsum nicht erhöht, sondern im Schnitt 1 Jahr früher auf als bei abstinenten Personen. Zusätzlich sind die kognitiven Defizite reversibel, das heisst die Gedächtnisstörungen normalisieren sich, nachdem der Cannabiskonsum sistiert wird, die Alkohol-induzierten Hirnschäden bleiben jedoch das Leben lang.
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