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Die Synode setzt eine externe Untersuchungskommission ein
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.06.2020.
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Kirchenkrise wegen Locher «Die Frage ist, ob es weitere irreguläre Beziehungen gab»

Seit Wochen ist die evangelisch-reformierte Kirche in Aufruhr. Der Präsident des Rates der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), Gottfried Locher, trat im Mai zurück. Ihm wird vorgeworfen, eine ehemalige Mitarbeiterin belästigt zu haben. Am Montag tagte das Kirchenparlament der EKS, die Synode. Dabei stand die Aufarbeitung der Vorfälle im Zentrum.

Und es kam Brisantes zutage: Locher habe eine Affäre mit einer weiteren Kirchenrätin gehabt – und zwar ausgerechnet mit Sabine Brändlin, die sich später mit der Beschwerde gegen Locher wegen Belästigung befasste. Brändlin war im April aus dem Kirchenrat zurückgetreten.

Locher spricht in ein Mikrofon.
Legende: Gottfried Locher trat vor drei Wochen nach Grenzüberschreitungsvorwürfen vom Präsidentenamt bei der EKS zurück. Keystone Archiv

Der Kirchenrat – also die Kirchenregierung – wollte die Affäre wegen des Persönlichkeitsschutzes eigentlich nicht öffentlich machen. Doch Ulrich Knöpfel, selbst Ratsmitglied, machte den Sachverhalt publik. Er habe nicht anders handeln können, sagt er.

Ulrich Knöpfel

Ulrich Knöpfel

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Ulrich Knöpfel ist Mitglied im Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster. Er ist auch Pfarrperson in Glarus.

SRF News: Was hat Sie dazu veranlasst, mit der neusten Affäre um Locher an die Öffentlichkeit zu gelangen?

Ulrich Knöpfel: Es ist mir nicht leicht gefallen. Aber es handelt sich hier um ein Verhältnis, das in einem Gremium, wie wir es sind, nicht angängig ist. Das ginge auch nicht in einem Unternehmen, einem Gemeinderat oder im Bundesrat.

Brändlin hätte die Beschwerde gegen Locher gar nie bearbeiten dürfen.

Sabine Brändlin ist schon im April aus dem Kirchenrat zurückgetreten – vorher hatte sie sich mit der Beschwerde gegen Gottfried Locher beschäftigt. Ist das nicht doppelt problematisch?

Sie hätte die Beschwerde gegen Locher gar nie bearbeiten dürfen. Weil sie davor eine Liaison mit Locher hatte, muss man sie als befangen ansehen.

Früher Kirchenbund, heute EKS

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Die EKS ist die Nachfolgeorganisation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). Seit dem 1. Januar 2020 treten die 24 reformierten Landeskirchen und die Evangelisch-Methodistische Kirche in der Schweiz unter dem Namen Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) auf. (sda)

Das Verhältnis zwischen Locher und Brändlin hielt zwei Jahre lang. Was bedeutet das für jene Geschäfte, die während dieser Zeit im Kirchenrat behandelt wurden?

Da müsste man zuerst alle Geschäfte und Protokolle durchgehen. Das kann ich nicht auf Anhieb beantworten.

Ganz klar: Die andere Sache mit der Mitarbeiterin muss untersucht werden.

Im Zentrum der Vorwürfe gegen Locher steht aber die Belästigung einer anderen Frau. Besteht jetzt die Gefahr, dass durch die Öffentlichmachung des Verhältnisses Locher-Brändlin diese Vorwürfe aus dem Fokus geraten?

Irgendwie gehören beide Abläufe zusammen. Aber ganz klar: Die andere Sache mit der Mitarbeiterin muss untersucht werden – ebenso wie die Frage, ob es weitere irreguläre Beziehungen gegeben hat.

Kommission soll Vorfälle untersuchen

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Laut Mitteilung des EKS legte die Geschäftsprüfungskommission an der Synode vom Montag den Anwesenden einen Untersuchungsbericht vor, der die Arbeit des Rates und die Geschehnisse um den zurückgetretenen Präsidenten Locher beleuchtet. Die Synode nahm den Bericht der GPK zur Kenntnis.

Die Synode ihrerseits setzte – wie bereits früher angekündigt – eine nichtständige Kommission ein. Diese leite die internen und externen Untersuchungen, heisst es in der Mitteilung der EKS. «Die externe Anwaltskanzlei Rudin Cantieni erstattet der nichtständigen Kommission Bericht und untersteht deren Anordnungen», schreibt die EKS dazu weiter. (sda)

Die EKS steht vor einem Scherbenhaufen, ihr Ruf ist ruiniert. Es wird nicht mehr über Inhalte gesprochen, sondern nur noch über Lochers Affären. Müssten Sie da nicht die Konsequenzen ziehen und als Rat zurücktreten?

Wir liegen nicht am Boden, weil der Präsident und ein Ratsmitglied ausgeschieden sind. Die restlichen Ratsmitglieder haben ein sehr gutes Verhältnis untereinander, wir funktionieren. Wir müssen die Sache jetzt aufräumen, wir brauchen zwei neue Ratsmitglieder, ein neues Präsidium. Doch danach gehen wir weiter: Es warten wichtige Aufgaben auf die Kirche in unserer Welt, die ich anpacken möchte.

Sie ziehen persönlich also keine Konsequenzen?

Nein, ich sehe diese Notwendigkeit nicht. Wir haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, eine solche Affäre einigermassen gut zu Ende zu bringen.

Das Gespräch führte Nicole Freudiger.

SRF 4 News aktuell, 16.06.2020, 06:10 Uhr;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von alfred maurer  (zeitgeist)
    Irgendwie bleibt der Nachgeschmack der Doppelmoral, der offenbar den religiösen Institutionen nachhallt. - Die Aufklärer sind davon nicht ausgenommen. Opfer gibt es vor allem im religiösen Kontext.
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  • Kommentar von Lukas Schaub  (Lukas M. Schaub)
    Wow und ich habe immer gedacht die unglaublichen Sachen laufen auf Netflix.
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  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    Danke, Elisabeth Hasler, Sie haben mir gerade aus meinem Frust, dem Pendeln zwischen Heulen und doch Lachen wieder zum normalen Atmen rausgeholfen (wie war das eigentlich noch mal mit Zwingli?) Aber jetzt im ernst: defintiv gar nicht zum Lachen ist, wie von Ihnen erwähnt, die Befangenheit, aber auch: was diese unverantwortlich lange Zeit vom "Unter dem Deckel halten" für Folgen/Energieverlust/Schäden hatte, noch hat: für alle! v.a. aber für Mitbetroffene (mutmassliche und andere) weiter unten.
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