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Klimastrategie des Bundes Die Schweiz verfehlt Klimaziel für 2020

  • Die CO2-Emissionen in der Schweiz sind 2019 im Vergleich zum Vorjahr erneut kaum gesunken.
  • Damit dürfte die Schweiz weder im Verkehr, noch bei den Gebäuden, in der Industrie oder der Landwirtschaft das nationale Klimaziel für 2020 erreichen.
  • Umweltschutzorganisationen sind empört.
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Aus dem Archiv: Klimastrategie des Bundes ist machbar
Aus Tagesschau vom 28.01.2021.
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2019 stiess die Schweiz insgesamt 46.2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (CO2-eq) aus, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in seinem Treibhausgasinventar schreibt. Das seien 0.3 Millionen Tonnen weniger als 2018 und 14 Prozent weniger als 1990.

Gemäss dem Kyoto-Protokoll wäre das Ziel jedoch eine Reduktion von 20 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990. Und dieses werde die Schweiz zum Teil deutlich verfehlen.

Dafür wären strengere Massnahmen nötig, wie sie zum Beispiel das neue CO2-Gesetz vorsehe. Weil dagegen das Referendum ergriffen wurde, wird die Schweizer Stimmbevölkerung am 13. Juni darüber entscheiden.

Verkehr am schlechtesten

Am schlechtesten steht der Verkehr da, der gleichzeitig auch am meisten zur CO2-Belastung beitrug, nämlich 15 Millionen Tonnen CO2-eq im Jahr 2019. Das ist sogar ein Prozent mehr als im Vergleichsjahr 1990.

Damit werde das Ziel von minus 10 Prozent deutlich verfehlt, schrieb das Bafu. Zwar hätten effizientere Fahrzeuge zu sinkenden Emissionen pro Kilometer geführt. Doch weil die Zahl der zurückgelegten Kilometer stieg, wurde dieser Fortschritt wieder zunichtegemacht.

Zu sehen Verkehr auf einer Autobahn.
Legende: Der Verkehr steht bezüglich der Emissionen besonders schlecht da. Hier nimmt die Belastung sogar zu. Keystone

Immer noch zu viele fossile Brennstoffe

Im Gebäudesektor beträgt das Reduktionsziel minus 40 Prozent gegenüber 1990. Mit 11.2 Millionen Tonnen CO2-eq lag die Schweiz 2019 erst bei minus 34 Prozent. Im untersuchten Jahr sei der CO2-Ausstoss vor allem wegen des kälteren Winters nicht zurückgegangen.

Der starke Einfluss der Temperaturen zeige jedoch auch, dass die Gebäude in der Schweiz weiterhin zu einem bedeutenden Anteil mit fossilen Brennstoffen beheizt würden, hielt das Bafu fest.

Was bedeutet CO2-Äquivalente?

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CO2-Äquivalente, oder geschrieben oft auch CO2-eq, ist eine Masseinheit, die den Effekt aller Treibhausgase auf das Klima vergleichbar machen will. Die verschiedenen Treibhausgase tragen unterschiedlich stark zum Treibhauseffekt bei und bleiben unterschiedlich lange in der Atmosphäre. Neben CO2 gibt es zum Beispiel Methan, das in der Landwirtschaft entsteht, und sehr viel klimaschädlicher ist als CO2.

Aber wie viel schädlicher ist Methan wirklich? Das kann man mithilfe von CO2-Äquivalenten berechnen: Man vergleicht die Wirkung einer Tonne CO2 mit der von einer Tonne Methan, meistens über einen Zeitraum von 100 Jahren. Die Tonne Methan ist rund 25-mal klimaschädlicher als die Tonne CO2. Eine Tonne Methan entspricht also etwa 25 Tonnen CO2-Äquivalenten.

Auch Industrie und Landwirtschaft verfehlen Ziel

Die Industrie verharrte 2019 mit einem Ausstoss von 11.2 Millionen Tonnen CO2-eq unverändert «auf stabilem Niveau». Das sind zwar 14 Prozent weniger als 1990. Das Ziel liegt aber bei 15 Prozent.

Die Emissionen in der Landwirtschaft gingen gegenüber dem Vorjahr leicht auf 6.5 Millionen Tonnen zurück und liegen nun rund 12 Prozent tiefer als 1990.

Umweltschutzorganisation schockiert

Die Organisation Klimastreik Schweiz zeigte sich «schockiert» über den «marginalen Rückgang» der Emissionen. Mit diesem Tempo erreiche die Schweiz das Ziel von Netto-Null Treibhausgasemissionen in 154 Jahren.

Die Politik und die Konzerne missachteten die Vorgaben des Pariser Abkommens. Um das Ziel von einer maximalen Erderwärmung von 1.5 Grad zu erreichen, brauche es einen «umfassenden Systemwandel, der das Wohl der Menschen über die Profitinteressen der Reichen» stelle. Der Klimastreik ruft deshalb für den 21. Mai zu einem weiteren Aktionstag auf.

WWF: Zu viele Ölheizungen

Auch die Umweltschutzorganisation WWF schrieb, so könne es nicht weitergehen. Kaum ein Land in Europa benutze weiterhin so viele Ölheizungen und setze Jahr für Jahr eine so verbrauchsintensive Neuwagenflotte auf die Strasse. Ausserdem flögen Schweizerinnen und Schweizer mehr als die Bewohnerinnen und Bewohner der Nachbarstaaten.

Für eine nachhaltige Reduktion der CO2-Emissionen brauche es den gezielten Umbau des «auf fossilen Energien beruhenden Wirtschaftssystems». Genau das ermögliche das CO2-Gesetz. Nur so könnten die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 50 Prozent gesenkt werden.

SRF4 News, 12.04.2021, 16 Uhr;

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
    Ganz einfache Lösung: jeder darf soviel CO2 emitieren wie er will, aber er muss es mittels Sequestering kompensieren.

    Problem gelöst.
  • Kommentar von christoph steiger  (christoph steiger)
    14% weniger CO2 als 1990, während die Bevölkerung bis heute um 30% gewachsen ist. Das Wachstum macht alle unsere Anstrenungen zu nichte. Das schockiert die Umweltverbände offenbar nicht. Sie sind wohl der Ansicht, alles werde besser, je mehr Menschen wir sind. Dabei ist die Biokapazität punkto nachhaltiger und naturnaher Versorgung golbal wie lokal längst überschritten.
    1. Antwort von Thaddeus Keller  (Major Tupperware)
      @Christoph Steiger, darf ich Sie daran erinnern, dass es vor nicht allzu langer Zeit (2014), ein Initiative eines Umweltverbandes zur Einschränkung des Bevölkerungswachstum gab?

      Diese Initiative wurde jedoch sehr deutlich von der Schweizer Bevölkerung (74.1%) verworfen. Übrigens wurde die Initiative grade auch von den Bürgerlichen inkl. SVP vehement bekämpft.
  • Kommentar von Hanspeter Burri  (HPABRRBU)
    Herr UVK: Haben Sie den Kommentar von Lukas Gubser von 9'38 Uhr
    gelesen? Probieren Sie mal den Vorschlag von Herrn Gubser um zu
    setzen. Sicher würde der Co2 Ausstoss vom Autoverkehr um 50%
    sinken. Währe sicher nicht schlecht oder?