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Schweizer Drohnen-Bauteile mitten im Krieg – geht das?
Aus HeuteMorgen vom 07.12.2020.
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Konflikt um Berg-Karabach Schweizer Drohnen-Bauteile mitten im Krieg – geht das?

Im Kriegsgebiet in Berg-Karabach wurden Kampfdrohnen entdeckt, die mutmasslich mit Schweizer Technologie geflogen sind. Die Drohne wurde von der aserbaidschanischen Armee eingesetzt, hergestellt wurde die Drohne in Israel.

Swiss Made. Das steht eingraviert auf einem silbrigen Zylinder. Es ist ein Antriebsmotor der Firma Faulhaber Minimotor SA aus dem Tessin. Das zeigen die Bilder, die SRF von armenischen Journalisten erhalten hat.

Das Bauteil von der Firma Faulhaber mit Swiss-made-Gravur.
Legende: Die Bilder des Zylinders wurden SRF von einem armenischen Investigativ-Medium zur Verfügung gestellt. hetq

Vahe Saruckhanyan ist der Journalist, der in Armenien die Geschichte publiziert hat. «Mein Chefredaktor und unser Fotograf konnten am 18. Oktober die Absturzstelle der Drohne in der Nähe der Stadt Schuschi besuchen. Armenische Soldaten vor Ort sagten, sie hätten die Drohne abgeschossen.»

Umkämpfte Stadt in Berg-Karabach

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Die Stadt Schuschi, in Aserbaidschan Schuscha genannt, liegt in Berg-Karabach, ein Gebiet, das sowohl von der armenischen Bevölkerung wie von Aserbaidschan beansprucht wird. Am 18. Oktober war die Stadt Schuschi von armenischer Seite noch zugänglich, im November wurde die strategisch und für beide Seiten kulturell wichtige Stadt durch aserbaidschanische Truppen erobert.

Der Journalist Vahe Saruckhanyan arbeitet für Hetq, auf Deutsch - die Spur. Es ist ein armenisches Investigativ-Medium. Unter Armenien-Expertinnen und -Beobachtern gilt das Portal als seriös. Die Redaktion ist Mitglied des internationalen Netzwerkes Investigativer Journalistinnen und Journalisten.

Kamikaze-Drohne: Explosion bei Aufschlag

Bei den Drohnen-Überresten handelt es sich nach Meinung des Journalisten um Teile einer israelischen Harop-Drohne, auch Kamikaze-Drohne genannt.

«Unsere Truppen schossen solche Harop-Drohnen bereits 2016 ab. Ich konnte frühere Bilder vergleichen mit der jetzt abgeschossen Drohne. Die Flügelstrukturen und die Flügelgelenke sind die gleichen. Es muss die gleiche Drohne sein.»

In der Fachsprache wird die Harop-Drohne auch Loitering Munition genannt, eine herumlungernde Munition. Sie wird von einem Raketenwerfer in die Luft geschossen. Sie kann bis zu 9 Stunden über dem Zielgebiet kreisen und stürzt sich dann auf Befehl der Bodenstation aufs Ziel und explodiert. Die Harop-Drohne ist ein israelisches Rüstungs-Produkt und wurde auch an Aserbaidschan verkauft.

Drohnen spielen entscheidende Rolle

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Die wichtigsten Waffenlieferanten von Aserbaidschan sind die Türkei und Israel. Beide Länder haben Aserbaidschan mit Kampfdrohnen beliefert, die im Krieg von September bis November 2020 zum Einsatz kamen. Viele Militärexpertinnen und -Experten schätzen, dass der Drohneneinsatz aufseiten Aserbaidschans kriegsentscheidend war. Mit Drohnenangriffen wurde armenische Flugabwehrstellungen in den ersten Tagen ausgeschaltet.

Aber wie kommt ein Schweizer Antriebsmotor mutmasslich in eine israelisch-aserbaidschanische Drohne?

SRF hat am Sonntag eine erste Stellungnahme der Firma Faulhaber erhalten. Bei Faulhaber handelt es sich um einen deutschen Industriekonzern, dessen Tochterfirma Faulhaber Minimotor im Tessin Elektromotoren baut wie jenen, der auf dem Trümmer-Bild zu erkennen ist.

Faulhaber schreibt, dass der weltweite Warenverkehr aller Faulhaber-Standorte grundsätzlich den international geltenden Exportkontrollbestimmungen unterliege. Die Firma gehe davon aus, dass diese auch im vorliegenden Fall angewendet worden seien. Faulhaber verspricht im Verlauf des Montags eine ausführliche Stellungnahme.

Schweizer Technologie im Krieg - ist das erlaubt?

Die Schweizer Gesetzgebung verbietet die Lieferung solcher Elektromotoren aus der Schweiz an Israel und dann Aserbaidschan nicht. Dies bestätigt das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco), das für Exportkontrollen zuständig ist.

«Solche elektrischen Antriebe (Elektromotoren) sind von der Güterkontrollgesetzgebung nicht erfasst und können bewilligungsfrei exportiert werden. Solche Antriebe haben eine breite industrielle Anwendung.»

Das Seco weist darauf hin, dass der besagte Elektromotor nicht zum Antrieb der Drohne diene, sondern möglicherweise beim Klappmechanismus der Flügel eingesetzt werde. Solche Elektroantriebe können also grundsätzlich an jedes Land verkauft werden: dort kann der Motor in bewaffnete und unbewaffnete Drohnen eingebaut werden.

HeuteMorgen, 6:00 Uhr, 07.12.2020

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105 Kommentare

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  • Kommentar von Filippo Falke  (Pippo)
    Hauptsache wir haben Arbeitsplätze und der Gewinn fliesst schön... (Ironie off)!
  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Es ist weniger eine Frage "ob das geht"? sondern wie man es denn allenfalls verhindern wollte? In diesem Fall hätten nicht bloss die CH sondern auch Israel ein striktes Waffenausfuhrverbot gebraucht um das zu verhindern. Es ist leider nicht realistisch, wenn nicht mal wir Schweizer mehrheitlich zur Besinnung kommen können.
  • Kommentar von Urs Schärer  (Schärer)
    Hört endlich auf mit diesem Theater jedes Teil das auf dem Markt angeboten wird könnte zum Waffenbau genutzt werden, Schrauben, Federn, u- Scheiben usw.