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Die Lockerungskriterien im Ländervergleich
Aus 10 vor 10 vom 03.03.2021.
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Kritik an Corona-Massnahmen Öffnen oder nicht öffnen – das ist die grosse Frage

Der Bundesrat hat vier Kriterien definiert, die erfüllt sein müssen vor weiteren Öffnungen. Der jetzige Stand reicht dafür noch nicht aus.

Mit 97 zu 90 Stimmen hat der Nationalrat gestern für Lockerungen der Massnahmen per 22. März gefordert. Abgestimmt wurde zwar nur über eine Erklärung, die nicht verbindlich ist – aber doch ein Zeichen setzt.

In dieser Phase der Unsicherheit, jetzt schon Massnahmen für in drei Wochen festzulegen, sei riskant, warnt SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler in der Sendung «10vor10». Man wisse zu diesem Zeitpunkt noch nicht, welche Auswirkungen die aktuellen Lockerungen haben würden.

Der Bundesrat hält an seinem Corona-Lockerungskurs fest. Bevor es zu weiteren Öffnungsschritten kommen kann, müssen folgende der vier definierten Kriterien erfüllt sein:

Die Positivitätsrate muss im 7-Tage-Schnitt unter 5 Prozent liegen. Das heisst: Von allen Getesteten dürfen maximal 5 Prozent positiv sein. Die Positivitätsrate liegt derzeit bei 4.9 Prozent. Dieses Ziel ist erfüllt.

Die Auslastung der Intensivbetten: Es müssen sich weniger als 250 Covid-19-Patienten in den Betten der Intensivstationen befinden. Auf den Intensivbetten liegen momentan 179 Covid-19-Patienten. Vorgabe erfüllt.

Die Reproduktionszahl: Sie besagt, wie viele weitere Menschen von einem Infizierten angesteckt werden. Diese muss im 7-Tage-Schnitt unter 1 liegen. Die Reproduktionszahl liegt bei 1.05 – Vorgabe nicht erfüllt.

Die durchschnittlichen Neuinfektionen pro Tag: Diese müssen am Stichtag 17. März tiefer liegen als 2 Wochen zuvor. Die Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner innerhalb von 14 Tagen liegen derzeit bei 161, sind also tiefer als am letzten Stichtag, da waren es 165. Vorgabe erfüllt.

Keine weiteren Öffnungsschritte

Gemäss den Kriterien des Bundesrats dürfte die Schweiz also derzeit keine weiteren Öffnungsschritte einleiten. Aus epidemiologischer Sicht sei der Fall klar, sagt der emeritierter Professor für Infektiologie an der Universität Genf, Bernard Hirschel.

«Es wäre einfach, wenn nur gesundheitliche Gesichtspunkte berücksichtigt werden müssen», so Hirschel. «Wenn man sagen könnte, dass es das überragende Ziel ist, die Infektionszahlen möglichst herunterzudrücken. Wenn man davon ausgeht, ist es klar, dann müsste man alles schliessen. Es gibt aber auch andere Kollateralschäden, die wirtschaftlichen Schäden, auch diese sind zu gewichten. Aber diese Balance ist schwer».

Verschärfung in anderen Ländern

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Der Blick ins Ausland zeigt: Mehrere europäische Länder, die sich bisher eher in Richtungen Öffnungen bewegt haben, ziehen die Schraube derzeit wieder an, wie die SRF-Korrespondenten berichten.

Schweden: «Kinderschutz und Fitness waren entscheidend»

Offene Kneipen, belebte Fussgängerzonen – lange Zeit war in Schweden möglich, wovon die Schweiz träumt. Doch jetzt müssen auch in Schweden die Restaurants um halb neun schliessen, die Regierung passt den Kurs nun an, sagt SRF-Reporter Bruno Kaufmann.

«Diese Massnahmen sind in den vergangenen zwölf Monaten Schritt um Schritt verschärft worden. Lockerungen gab es bislang kaum. Entscheidend sind dabei nicht nur die Corona-Indikatoren, sondern auch andere Aspekte wie die Volksgesundheit. Dazu gehörten auch der Kinderschutz und die Fitness. Auch deshalb wurde bislang von einem Lockdown oder einer Maskenpflicht abgesehen.»

Italien: Ampelsystem mit 21 Kriterien

Aus Angst vor der dritten Welle verschärft auch Italien die Massnahmen. Für kurze Zeit waren Restaurants und Museen vielerorts offen, nun zieht die neue Regierung die Zügel wieder an. In stark betroffenen Gebieten werden Schulen und Läden erneut geschlossen.

Italien setzt auf ein Ampelsystem: Rot heisst Hochrisikogebiet. Dort bleiben die Schulen und Läden geschlossen. Orange: Die Läden sind offen. Gelb heisst: Restaurants haben bis 18 Uhr geöffnet. Und Weiss ist schliesslich nur noch Sardinien. Um 23.30 ist dort Sperrstunde, erklärt Italien-Korrespondent Philipp Zahn das System.

«Einmal in der Woche entscheidet ein Expertenrat des Gesundheitsministeriums mit welcher Farbe die Regionen im Corona-Ampel-System klassifiziert werden. Dafür werden 21 fest definierte Kriterien benutzt unter anderem die Auslastung in Spitälern, die Anzahl der Tests, das Contact Tracing und natürlich die Fallzahlen.»

Unabhängig davon, wie ein Land seine Kriterien für Lockerungen oder Verschärfungen definiert – solche Kriterien allein werden die Corona-Pandemie nicht lösen, sagt der Genfer Infektiologe Bernard Hirschel. Für ihn ist klar: Der einzige Ausweg sei die Immunisierung, die Impfung von einem grossen Teil der Bevölkerung. Doch die lässt – zumindest für die breite Masse – bekanntlich noch auf sich warten.

10vor10, 03.03.2021, 21.50 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Emanuel Heitz  (ManuHuber)
    Positivitätsrate, Neuinfektionen und Reproduktionszahl sind direkt von den Tests und den sich veränderten Teststrategien abhängig. Vor allem wenn jetzt die Selbsttests kommen und jeweils nur die Positiven gezählt werden, sehe ich schwarz.
    Man sollte sich zurückbesinnen auf die Auslastung der Spitäler und dies als einzigen Anhaltspunkt nehmen.
    Man soll
  • Kommentar von Heike Miller  (Heike Miller)
    Bitte alles öffnen. Die älteren und vulnerablen Menschen impfen und der Rest soll sich selbst schützen.
    1. Antwort von Detlef Brügge  (Useful)
      Sollte doch nun klar sein, dass das nicht geht u. nirgends bisher funktioniert hat. Alle, die das versucht haben, sind grandios gescheitert. Der Immunisierungswert der Gesamtbevölkerung muss bei mind. 60 % liegen. Nur die Vulnerablen zu impfen ist unzulänglich. Das muss doch jetzt jedem klar sein. Man hat das Gefühl, man muss die Leute wegen Selbstgefährdung eher vor sich selbst schützen.
    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Könnten Sie das etwas ausführen, Herr Brügge? Fürchten Sie Mutationen und sind der Ansicht, Mutationen verhindert man am besten, indem man die Inzidenzen niedrig hält? Ich frage, weil seitens der Fachleute (einiger, was weiss ich...) auch die Meinung besteht, eine nicht-sterile Immunität bringe da nicht nur wenig, sondern könnte im Gegenteil Geimpfte sozusagen zu Trainingscentern für das Virus machen. Ich selbst verstehe allerdings gar nichts von alledem und plappere nur nach.
    3. Antwort von Urs Dupont  (udupont)
      Da gebe ich Ihnen recht, Herr Brügge. Nichts zu machen ist keine Lösung, aber man sollte die Massnahmen durchsetzen, die möglichst viel bringen und wenig Kollateralschaden anrichten und nicht umgekehrt. Zudem, gezielte, zeitlich begrenzte Massnahmen sind deutlich besser als Dauerrundumschläge. Ersteres hat im November sehr gut funktioniert und wurde dann mit den vom Bund verordneten z.T. kontraproduktiven Massnahmen deutlich schlechter. Es gilt: Weiträumig / grenzenlos denken - lokal handeln!
    4. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Ganz Ihrer Ansicht, Herr Dupont! Daher mein grenzenloser Zweifel. Was, wenn die Einschätzung des Harvard-Epidemiologen und Lockdown-Befürworters Marc Lipsitch, die er vor einigen Jahren geäussert hat, zutrifft, dass eine nur teilweise Unterdrückung der Verbreitung eines Virus zum kontraproduktiven Ergebnis führen kann, die Krankheitslast zu Ungunsten der Vulnerablen zu verteilen? Wir mussten entscheiden -schnell -, aber wir sollten nie aufhören weiterzufragen.
  • Kommentar von Rainer Fauser  (Rainer Fauser)
    Nö, der Ausweg wäre eine Volksabstimmung. Ob dann die Beteuerungen der Covid-Befürworter Glauben finden, erweisst sich am Ergebnis.
    1. Antwort von Flavio Fehr  (F. Fehr)
      Was soll denn eine Volksabstimmung ändern? Das Virus verschwindet nicht, nur weil die Bevölkerung es satt hat.
      Auch "Glauben" finde ich in diesem Zusammenhang problematisch. Wissenschaft glaubt nicht. Sie erforscht und stellt Hypothesen auf. Gerade der Anstieg der Fälle auf Ende Februar durch die B1.1.7 Mutante trat nun ziemlich genau ein.
    2. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Ja Herr Fehr , nur sind eben die Pflegefälle und Todeszahlen stark gesunken in der selben Zeit.
      Genau dies wurde auch immer gesagt von Wissenschaftlern, nur halt nicht von den Panikmachern, darum hat man ihnen keinen Glauben geschenkt.
      Die Massnahmen erhalten bis die Hälfte im Herbst geimpft ist ist sicher in dieser Situation unhaltbar.
    3. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Fauser: Es gibt niemand der das Corona-Virus befürwortet, also gibt es auch keine Covid-Befürworter. Das Corona-Virus ist leider eine Tatsache, keine Erfindung. Ich bevorzuge lieber einen nicht immer logischen Schutz als eine unvorsichtige Schnelle Öffnung die uns mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine weitere Corona-Welle bringt.
    4. Antwort von Urs Dupont  (udupont)
      Hm, Hr Fehr, einerseits haben die Experten diesen Anstieg schon seit langem angedroht und anderseits ist der kleine Anstieg noch längstens keine Trendwende und absolut nicht alarmierend, wenn man es mit dem Anstieg und der Situation im Oktober 2021 vergleicht. Wir müssen uns auch bewusst sein, dass weil praktisch nichts gemacht wurde , um den Haupttreiber der Pandemie (Schule/Familie) einzudämmen, die Fallzahlen nicht ganz so rasch wie erwartet zurückgehen, was aber kaum ein grosses Problem ist.