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Bundesrat informiert über Lockerungsschritte
Aus Tagesschau am Vorabend vom 17.02.2021.
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Lockerungs-Fahrplan Wissenschaftsredaktor: «Offene Läden bergen kein grosses Risiko»

Der Bundesrat hat auf der Basis von sinkenden Infektionszahlen eine schrittweise Lockerung der Corona-Massnahmen vorgeschlagen. Über mögliche Risiken haben wir mit dem SRF-Wissenschaftsredaktor Daniel Theis gesprochen.

Daniel Theis

Daniel Theis

SRF-Wissenschaftsredaktor

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Daniel Theis ist promovierter Atmosphärenchemiker und Mikrobiologe. Seine Spezialgebiete sind Energiethemen, Mobilität und technische Entwicklungen. Er arbeitet seit 2013 in der SRF-Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Der Bundesrat hat einen schrittweisen Öffnungsplan vorgestellt. Ist das sinnvoll mit Blick auf die Fallzahlen, auch wenn man an die Virus-Mutationen denkt?

Daniel Theis: Seit bald zwei Monaten sinken die offiziellen Fallzahlen und seit rund einem Monat relativ langsam und gleichmässig. Mit den aktuellen Massnahmen hätte man aber hoffen können, dass die Zahlen gerade in den letzten zwei Wochen schneller sinken. Es ist unklar, warum dies nicht eingetreten ist.

Es könnte an den ansteckenderen Virusvarianten liegen. Aber auch daran, dass die Massnahmen seit dem 18. Januar (Homeoffice, 5-Personen-Regel, Ladenschliessungen) nicht ganz so wirksam waren wie erhofft. Dass ab dem 1. März die Läden wieder aufmachen sollen, beinhaltet deshalb wohl kein grosses Risiko. Mit Masken, Abstand und Personenbeschränkungen sollte sich der Detailhandel relativ sicher betreiben lassen. Dass jetzt nur schrittweise geöffnet wird, erhöht die Chance, dass uns die Kontrolle nicht entgleitet.

Restaurant und Bars jetzt zu öffnen, wäre ein Risiko gewesen, weil immer noch unklar ist, wie stark sich die neuen Virusvarianten auf die Ansteckungen auswirken.
Autor: Daniel TheisSRF-Wissenschaftsredaktor

Was passiert, wenn die Fallzahlen wegen der Lockerungen wieder steigen sollten?

Es liesse sich wohl kaum herausfinden, warum der Anstieg passiert. Das gehört ja genau zu den Schwierigkeiten in dieser Pandemie. Ansteckungen finden dort statt, wo sich Menschen treffen, nahe beieinander sind und ohne Schutzmaske miteinander reden. Das ist ja auch der Grund, warum Bars und Restaurants geschlossen sind – und vorderhand noch bleiben. Sie jetzt zu öffnen, wäre ein Risiko gewesen, weil immer noch unklar ist, wie stark sich die neuen Virusvarianten auf die Ansteckungen auswirken.

Welches sind die Kriterien, nach denen es weitere Öffnungen geben kann?

Es soll keine Automatismen geben, aber der Bund will sich an der Reproduktionszahl «R» orientieren, an der Auslastung der Spitäler und an den Fallzahlen. Das ist im Moment sinnvoll.

Mittelfristig wird man sich aber wohl immer weniger auf die Fallzahlen stützen, weil sie nur für sich allein betrachtet irgendwann nicht mehr die relevante Grösse sind. Die Schwere der Epidemie in der Schweiz hängt vielmehr davon ab, wie stark die angesteckten Personen effektiv krank werden und wie hoch ihre Risiken sind für schwere Krankheitsverläufe oder Tod. Veränderungen am Virus helfen uns dabei möglicherweise mit der Zeit. Immunologen gehen davon aus, dass SARS-CoV-2 mit der Zeit weniger gefährlich wird. Vor allem aber werden sich die Impfungen auswirken. Zusammen mit dem Frühlings- und Sommerwetter sollte das dann die spürbare Entlastung bringen, auf die wir alle so sehr hoffen.

Wie gross ist das Risiko, wenn man Jugendliche wieder mehr machen lässt?

Die unter 18-Jährigen haben für sich selber nur ein geringes Risiko für Komplikationen. Viele erkranken auch ohne Symptome. Bei den im Januar und Februar eingerückten Rekruten, die zwar älter als 18 Jahre sind, hat man vier, respektive drei Prozent asymptomatische Fälle entdeckt. Bei jüngeren Menschen könnten es sogar noch mehr sein. Neben dem individuellen Risiko für junge Menschen ist aber auch abzuwägen, wie stark sie das Virus in andere Altersgruppen tragen können, etwa über die Familie. Da besteht, gerade bei älteren Jugendlichen, durchaus ein gewisses Risiko.

Das Gespräch führte Katharina Locher.

Quelle: Bundesrat, 17.01.21* Der Bundesrat wird nach Konsultation der Kantone am 24. Februar definitiv über den ersten Öffnungsschritt entscheiden.LesesälenMuseenZoosErlebnisparks im AussenbereichBotanische GärtenFussballplätzenLeichtathletik-stadienTennisplätzeTennisplätzenDas hat der Bundesrat am 17. Februar kommuniziertÖffnung vonLockerungen1. Möglicher Öffnungsschritt ab dem 1. März* (Entscheid am 24.2.):Kunsteisbahnenim AussenbereichLädenErlaubnis für private Veranstaltungen mit bis zu 15 Personen im FreienJugendliche bis 18 Jahre sollen den meisten sportlichen und kulturellen Aktivitäten nachgehen können.Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit sollen wieder zugänglich sein.

Tagesschau, 17.02.2021, 18:00 Uhr;

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Roli Greter  (RoliGreter)
    Schade dass sich der Wissenschaftsredaktor nicht bereits früher so geäussert hat. Nach der gestrigen Medienmitteilung des Bundesrates kommt es wie ein Nachplappern rüber.
  • Kommentar von Mike Baumgartner  (Mike47)
    Ob Restaurants, Läden oder auf der Strasse beim Schwatz ohne Maske. Am Schluss bleibt der Mensch das schwächste Glied. Ist er zu doof, Regeln einzuhalten, komm es zu Infektionen und zur Weitergabe des Virus, auch wenn es gewisse Leutchen hier in diesem Land (darunter auch Ärzte vom Typus AfD-Wähler) immer noch nicht glauben wollen.
  • Kommentar von Andreas Diethelm  (Okapi)
    Wieso erachtet es der Journalist im Moment als sinnvoll sich an den Fallzahlen zu orientieren, während „man sich mittelfristig aber wohl immer weniger auf die Fallzahlen stützen wird, weil sie nur für sich allein betrachtet irgendwann nicht mehr die relevante Grösse sind“. Wieso sollten mittelfristig die Fallzahlen für sich allein betrachtet werden? Und was macht sie heute relevant? Und warum fällt der Begriff „Contact tracing“ nicht? War es für die Füchse?
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Lesen Sie den Text bitte richtig. Es wurden und werden mehrere Faktoren berücksichtig, u.A eben die Fallzahlen. Solange hohe Fallzahlen auch zu hoher Auslastung der Spitäler führen, sind diese sehr relevant. Ändert sich dies, bspw. durch Impfung der Risikogruppen oder einer Veränderung des Virus, verlieren die reinen Fallzahlen an Relevanz. Wer denkt, der BR orientiere sich nur an den Fallzahlen, der hat im letzten Jahr mehrfach nicht zugehört. Bildet eure Meinung auf Wissen!