«Es waren extrem harte Wochen und Monate für mich. Der FC St. Gallen ist nicht immer der Planet der Seligen, es wirken verschiedene Kräfte. Eine meiner Aufgaben als Präsident ist es, Schaden vom Klub fernzuhalten. Es gibt momentan Tendenzen, die wir in dieser Form nicht akzeptieren werden.»
Es sind diese vagen Aussagen von Matthias Hüppi nach Schlusspfiff beim St. Galler Cupsieg am Pfingstsonntag, die eine Lawine auslösen.
Schlagzeilen und News-Pushes – die Ereignisse in der Ostschweiz überschlagen sich just im Moment der sportlichen Glückseligkeit mehrfach, wiederholt und in dramatischer Kadenz. Der Kater kurz nach einem historischen Triumph fällt heftig aus.
Die Gegner scheitern
Noch während der Heimfahrt von Bern nach St. Gallen machen erste Berichte über Hüppis Aussagen die Runde. Was steckt dahinter? Was meint er damit? 48 Stunden und unzählige neue Entwicklungen später ist klar: Der Ursprung des Konflikts liegt innerhalb des Aktionariats. Darin war man sich uneinig über die strategische Ausrichtung und die Besetzung des Verwaltungsrats.
Vier Grossaktionäre propagierten eine «Vorwärtsstrategie» mit einem neuen Verwaltungsrat und hatten bereits einen neuen Präsidenten in der Hinterhand. Ohne das ganze Aktionariat auf ihrer Seite zu haben oder einzuweihen. Sie scheitern offenbar am Einfluss Matthias Hüppis und ziehen sich aus dem Verein zurück.
Kein Kalkül hinter dem TV-Interview
Seit achteinhalb Jahren ist Hüppi mittlerweile an der Spitze des FC St. Gallen. Über die Zeit scharte er viele Unterstützerinnen und Unterstützer hinter sich. Durch sein Engagement gewann er die Herzen der Fans, von Sponsoren, der Politik, auch von Medien, Spielern oder Funktionären.
Am Mittwoch sagte er an der Medienkonferenz: «Diese Dynamik hat sich ergeben, und ist fast nicht mehr zu bremsen. Die Geister, die ich rief ...»
Ein Rückhalt, der über das übliche Mass hinauszugehen scheint. Wieso sonst würden sich sogar Kantons- und Stadtregierungen in einem Konflikt in einer privaten AG positionieren? Die organisierte Fanszene entrollte vor dem TV-Interview, als Hüppi den Machtkampf erstmals antönte, entsprechende Spruchbänder. Dort wusste man offensichtlich von den Diskussionen.
Von der Fanaktion habe er nichts gewusst, sagt Hüppi selbst. Er sei darauf angesprochen worden und habe spontan reagiert. «Es ist mir rausgerutscht. Das war nicht geplant, so clever bin ich nicht.»
Drohungen gegen Aktionäre
Die Geister, die er rief. Die Vorgänge entwickelten eine unaufhaltsame Eigendynamik, die Kontrolle darüber war längst verloren. Die eigentlich freudseligen Fans nach dem Cupsieg bringen viel Bewegung in die Sache – mit Petitionen, Postings und Statements.
Zugleich greifen einige wenige zu strafbaren Mitteln. Offenbar wurden Aktionäre «an Leib und Leben bedroht», es wurde Personenschutz notwendig. «Hetzjagden und Hass haben niemals einen Platz», betont Hüppi mehrmals.
Der grosse Knall zum Schluss
Wirksam wurde an der Medienkonferenz die Cuptrophäe auf den Tisch gestellt. Als würde man sagen wollen: «Jetzt konzentrieren wir uns wieder auf die schönen Dinge, abseits von Machtkämpfen und Aktienverschiebungen.»
Weil – so sangen es die Fans an der Feier stundenlang: «Dä FCSG isch Cupsieger.» Es rückte in den letzten 48 Stunden in den Hintergrund. Jetzt geht es für die meisten Klub-Exponenten in die Ferien. Diese Geschichte wird aber wohl noch lange darüber hinaus nachhallen.