Darum geht es: In der Neujahrsnacht sind im Walliser Ferienort Crans-Montana bei einem Brand in einer Bar mehrere Dutzend Menschen gestorben und über Hundert zum Teil schwer verletzt worden. Das Ausmass der Katastrophe, aber auch das junge Alter der Opfer werfen viele Fragen auf. An der heutigen Medienkonferenz haben alle Gemeinderätinnen und -räte von Crans-Montana teilgenommen. Der Gemeindepräsident Nicolas Féraud und Patrik Clivaz, Gemeinderat für öffentliche Sicherheit, haben verschiedene Punkte zu erhellen versucht.
Das ist über Sicherheitsmängel bekannt: Der Vollzug der Brandschutzbestimmungen ist in den Jahren 2016, 2018 und 2019 kontrolliert worden, wie der Gemeinderat mitteilte. Bei diesen Kontrollen seien «konkrete Änderungen» gefordert worden. Die Bar «Le Constellation» hatte die bei der letzten Kontrolle 2019 geforderte Antipanik-Funktion der Klinke fachgerecht installiert. Die Schaumstoffmatten zum Lärmschutz wurden nicht gemeldet, da sie damals bereits installiert gewesen waren. Ob diese zertifiziert sind, weiss die Gemeinde nicht. Die gesetzlichen Mindestvorgaben für Feuerlöscher und Alarmsysteme seien erfüllt worden. Warum die vorgeschriebenen periodischen Kontrollen zwischen 2020 und 2025 nicht durchgeführt wurden, ist laut Gemeinde unklar und Gegenstand der Ermittlungen.
Man verlässt das Schiff nicht, während es stürmt.
Dieses Gremium war für die Sicherheit zuständig: Seit 2017 verfügt Crans-Montana über eigene Sicherheitsverantwortliche. Nach der Fusion der vier Gemeinden Chermignon, Mollens, Montana und Randogne im Januar 2017 startete man in Crans-Montana mit zwei Sicherheitsbeauftragten, mittlerweile sind es fünf – davon drei für periodische Kontrollen. Die Verantwortung liegt beim Sicherheitsdepartement. Hinweise auf persönliche Beziehungen oder gar Bestechung zwischen Beamten und Barbetreibern verneint die Gemeinde vehement. Die Staatsanwaltschaft prüft nun mögliche Versäumnisse.
So reagiert die Gemeinde: Die Gemeinde hat nun eine externe Fachgruppe mit künftigen Brandschutzkontrollen beauftragt und ein Verbot für Feuerwerkskörper beschlossen. Man will alle Restaurants überprüfen. Zudem tritt die Gemeinde als Nebenklägerin auf, um Zugang zu den Ermittlungen zu erhalten. Ziel sei Transparenz. Die Gemeinde sieht sich selbst als Opfer des Unglücks. Rücktrittsforderungen weist Präsident Féraud zurück: «Man verlässt das Schiff nicht, während es stürmt.»
Wir waren nicht informiert – und das bedauern wir sehr.
Das ist zu den Betreibern bekannt: Die Barbetreibenden, ein französisches Ehepaar, haben laut Féraud «extrem fahrlässig» gehandelt. Auf Wunsch des Wirtenpaars ist 2025 eine Lärmschutzprüfung durchgeführt worden – nicht wegen Sicherheitsbedenken, sondern wegen erweiterter Öffnungszeiten. Einem zweiten Lokal des Paares – ein Fast-Food-Lokal in Crans-Montana – wurde die Betriebsbewilligung entzogen. Für ein weiteres Lokal der beiden ausserhalb von Crans-Montana sei die Gemeinde nicht zuständig.
So erklärt sich die Gemeinde: Die Gemeinde Crans-Montana sei nicht über bestehende Lücken im Kontrollsystem informiert worden, betont Féraud. Dass nur rund 40 statt aller 128 Lokale kontrolliert wurden, erklärt er damit, dass auch andere Betriebe – nicht nur Bars – ins Kontrollprogramm fielen. Auf Fragen nach Gesprächen mit sicherheitsverantwortlichen Mitarbeitenden verweigerte der Gemeindepräsident Féraud die Auskunft. Er betont jedoch: «Wir waren nicht informiert – und das bedauern wir sehr.»