Zum Inhalt springen

Header

Audio
Die Bäuerinnen werden für die Landwirtschaft immer wichtiger
Aus SRF 4 News aktuell vom 11.11.2019.
abspielen. Laufzeit 07:01 Minuten.
Inhalt

Mehr Frauen leiten Bauernhöfe «Die Bäuerin ist sehr wichtig für das Image der Landwirtschaft»

In der Schweiz leiten immer mehr Frauen einen Bauernbetrieb. Trotzdem werden weiterhin 94 Prozent der Höfe von Männern geführt. Das habe vor allem kulturelle Gründe, sagt die Journalistin Julia Spahr.

Julia Spahr

Julia Spahr

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die Journalistin Julia Spahr ist Redaktorin, Link öffnet in einem neuen Fenster bei der Fachzeitung «Schweizer Bauer».

SRF News: Wieso werden bloss sechs Prozent aller Bauernbetriebe von einer Frau geleitet?

Julia Spahr: Um einen Betrieb leiten zu können, braucht man zunächst einmal einen Betrieb. Meist wird bei der Weitergabe immer noch ein Sohn berücksichtigt. Die Töchter halten sich zurück und schlagen oft einen anderen Lebens- und Berufsweg ein. Auch sind sich viele Eltern nicht bewusst, dass eine Tochter eine potenzielle Nachfolgerin sein könnte.

Leitende Bäuerinnen im Aufwind

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Leitende Bäuerinnen im Aufwind

Laut dem Schweizer Agrarbericht leiteten im Jahr 2017 mehr als 3100 Frauen einen Landwirtschaftsbetrieb in der Schweiz, Tendenz steigend. Doch trotz dieses Rekords werden nur gerade sechs Prozent aller Bauernbetriebe in der Schweiz von einer Frau geführt. 94 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe leiten nach wie vor Männer.

In den letzten Jahren hat die Zahl der Bauernbetriebsleiterinnen stetig zugenommen. Wieso?

Es gibt einen Strukturwandel – die Zahl der Bauernbetriebe nimmt ab, damit gibt es immer weniger Betriebsleiter. Es gibt aber auch einen Kulturwandel – die Frauen werden selbstbewusster und Mütter ermuntern ihre Töchter, eine Bauernausbildung in Angriff zu nehmen.

Die meisten Frauen in der Landwirtschaft leiten keinen eigenen Betrieb, sie gelten als sogenannte «familieneigene Mitarbeiterinnen». Was bedeutet das?

Weil die Frauen meist keinen Betrieb übernehmen können, heiraten sie einen Bauernbetriebsleiter, kommen auf den Hof. Dort kümmern sie sich vor allem um die Erziehung der Kinder, die Betreuung der Schwiegereltern, den Haushalt und verrichten Arbeiten auf dem Betrieb.

Plötzlich steht die Bäuerin mit leeren Händen da, obschon sie ihr Leben lang gearbeitet hat.

Wenn das nicht richtig geregelt ist, dann kann es sein, dass eine Frau ihr Leben lang auf dem Bauernbetrieb arbeitet, aber als nichterwerbstätig gilt. Wenn sie später in Rente geht, erhält sie bloss eine minimale AHV-Rente. Kommt es in einem solchen Fall zur Scheidung, steht die Frau plötzlich mit leeren Händen da, obschon sie ihr Leben lang gearbeitet hat.

Der Bundesrat hat das erkannt und plant mit der Agrarpolitik 22+ in diesem Bereich gewisse Anpassungen. Was sagen die Bauernfrauen dazu?

Die Meinungen gehen auseinander. Der Bäuerinnen- und Landfrauenverband ist dafür, dass die Bauern künftig die AHV ihrer Ehefrauen einzahlen müssen, wenn sie noch Direktzahlungen des Bundes erhalten wollen. Manche Frauen kritisieren aber, dies schränke die unternehmerische Freiheit eines Betriebs ein. Es gibt auch die Angst, dass der Bauernbetrieb die neuen Auslagen nicht stemmen und zugrunde gehen könnte.

Seit 20 Jahren nimmt die Zahl der ausgebildeten Landwirtinnen stetig zu.

Die Zahl der Frauen, die einen Bauernbetrieb leiten, nimmt stetig zu – ist eine Zunahme auch bei den Frauen festzustellen, die eine entsprechende Ausbildung absolvieren?

Bei den auszubildenden Landwirtinnen nehmen die Zahlen seit 20 Jahren stetig zu. Daneben gibt es auch die Ausbildung zur Bäuerin, deren Abschluss ebenfalls dazu berechtigt, einen Bauernbetrieb zu leiten.

Landwirtin – Bäuerin. Das sind die Unterschiede

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Landwirtin – Bäuerin. Das sind die Unterschiede

Die Bäuerinnen-Ausbildung setzt eine Erstausbildung wie eine Berufslehre oder einen Mittelschulabschluss voraus. Nach einem zweijährigen Bäuerinnen-Praktikum wird ein Ausbildungskurs absolviert, der für den eidgenössischen Fachausweis mit einer Prüfung abgeschlossen wird. Bäuerinnen arbeiten in der Regel eher im bäuerlichen Haushalt, führen die Buchhaltung und vermarkten die Hofprodukte. Landwirtinnen dagegen absolvieren eine dreijährige Berufslehre. Sie führen die traditionellen Bauernarbeiten im Stall und auf dem Acker oder Feld aus. Beide Ausbildungen berechtigen im Fall der Leitung eines Bauernbetriebs dazu, Direktzahlungen vom Bund zu erhalten. Zudem ermöglichen sie die Weiterbildung zur Betriebsleiterin und zur Meisterlandwirtin.

Die Statistik zeigt, dass die Frauen auf den Bauernhöfen immer wichtiger werden. Ist das den Bäuerinnen und Landwirtinnen auch bewusst?

Es ist wohl wie in anderen Branchen auch: Die Frauen bekommen mehr Selbstvertrauen und ein verändertes Selbstverständnis. Die Bäuerin ist zudem sehr wichtig für das Image der Landwirtschaft. Die Frauen tragen das «Echte», das «Schöne» und das «Naturnahe» der Landwirtschaft nach aussen – und das in Zeiten, in denen der Berufsstand mitunter scharfer Kritik ausgesetzt ist.

Das Gespräch führte Silvan Zemp.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Wichtig allein, da Ökosystem- Umwelt schützend/erhaltend, ist eine einsichtige, verantwortungsbewusste, nachhaltig öko-logische Landwirtschaft, welche sich auch um das effektive Tier-Wohl (art- und tier-gerechte; Züchtungen, Haltung, Fütterung, Schlachtung) kümmert. Dazu muss es auch endlich ein Verbot weiterer AGRAR-Land-Verbauung-Zubetonierung geben!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Nicola Harrison  (Nicola Harrison)
      Im Sinne des Ökosystem - Umwelt gilt es grün; Tiere und deren Produkte sind nicht Lebensmittel, deren Konsum zur Degeneration führen. Kümmern wir uns um das Grün, denn das ist die Grundlage des Lebens.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von W. Pip  (W. Pip)
      Das hatten wir mit EcoPop o.ä. bereits alles auf dem Tisch. Wollten wir nicht. Wir wollen den Fetisch Wachstum weiter verehren. Wichtig bei diesem Huldigungsritual ist übrigens, dass man die Augen schliesst...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    In meiner Umgebung sind es auffallenderweise meistens Bäuerinnen oder eingeheiratete Frauen gehobenerer Berufsstände, die eine Umstellung auf Biobetrieb lancieren. Für mich deshalb eine sehr positive Enwicklung, wenn mehr Frauen Höfe übernehmen oder zumindest als angeheiratete ihre Forderungen für sich selber und für Natur und Umwelt stellen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans König  (Hans König)
    Grossartig, was diese Bäuerinnen vielfach leisten. Meistens muss der Bauer oder die Bäuerin einer zusätzlichen Arbeit nachgehen, damit sie den Betrieb über die Runde bringen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen