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Coronakrise verleiht «Faireswiss» einen Schub
Aus HeuteMorgen vom 17.06.2020.
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Milchpreis in der Schweiz Neue Kooperative garantiert einen Franken pro Liter

Eine junge Milchbäuerin aus dem Kanton Waadt geht neue Wege und hat damit Erfolg. Auch dank der Coronakrise.

Wie viele Rappen sollen Milchbauern für einen Liter Milch bekommen? Diese Frage beschäftigt die Politik seit Jahren. Aktuell sind es durchschnittlich gut 60 Rappen. Das sei zu wenig, finden die Milchproduzentinnen und -produzenten. Viele haben in den letzten Jahren ihre Betriebe aufgegeben.

Aktuell gibt es in der Schweiz noch gut 19'000 Milchbauernbetriebe. Vor zwanzig Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele. Eine junge Milchbäuerin aus dem Kanton Waadt hat jetzt eine Kooperative gegründet, die den Produzenten einen Franken pro Liter Milch garantiert.

Kühe auf der Weide.
Legende: Derzeit gibt's für die meisten Bauern bloss 60 Rappen pro Liter Milch. Keystone

Nicht jammern, sondern handeln

«Mes filles» – «meine Mädchen»: So nennt Anne Chenevard liebevoll ihre 40 Milchkühe im Stall. Die 39-Jährige hat vor einigen Jahren in der Nähe von Lausanne den elterlichen Bauernbetrieb übernommen.

Der finanzielle Druck sei hoch, doch sie habe nicht jammern wollen, sondern handeln. «Es ist an uns Milchproduzentinnen und -produzenten, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen», sagt sie überzeugt.

So gründete Anne Chenevard eine Kooperative. Vorbild waren ähnliche Projekte in anderen europäischen Ländern. Im ersten halben Jahr sind die Erwartungen übertroffen worden. 200'000 Liter faire Milch wollte man verkaufen, mit 1.2 Millionen Litern sind es jetzt schon sechsmal mehr.

Die Milchbäuerin ist überzeugt, dass die Coronakrise dem Projekt zusätzlichen Schub verliehen hat. Das Bewusstsein bei der Kundschaft für lokale Produktion sei gestiegen.

1.80 statt 1.50 Franken pro Liter

Anfänglich konnte Anne Chenevard 14 Produzentinnen und Produzenten für ihr Projekt begeistern – hauptsächlich aus der Romandie. Inzwischen sind 25 weitere dazugekommen, auch aus der Deutschschweiz. Und bereits gibt es eine Warteliste.

Ein Franken kommt direkt den Bäuerinnen und Bauern, den Familienbetrieben, zugute.
Autor: Anne ChenevardGründerin Kooperative «Faireswiss»

Vertrieben wird die faire Milch «Faireswiss» von Manor und neu auch von den Supermarktketten Spar und Pam. Statt 1.50 Franken kostet der Liter Milch 1.80 oder 1.90 Franken. «Die Stärke des Projekts liegt darin, dass klar ersichtlich ist, ein Franken kommt direkt den Bäuerinnen und Bauern, den Familienbetrieben, zugute», betont Bäuerin Chenevard.

Ein Tropfen auf den heissen Stein

Auch wenn der Start des Projekts vielversprechend ist: Kritische Stimmen bemängeln, es sei nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Tatsächlich ist bis jetzt nicht einmal jeder tausendste verkaufte Liter Milch in der Schweiz faire Milch nach «Faireswiss».

Ziel sei denn auch ein breiterer Vertrieb, damit die Konsumentinnen und Konsumenten eine echte Wahl hätten, sagt Chenevard. Verschiedene Grossverteiler hätten jedoch ihre eigenen Labels.

Eines sei aber klar: Sollte auch sie eines Tages den Betrieb nicht mehr weiterführen können, wisse sie wenigstens, dass sie gekämpft habe, sagt Chenevard und wendet sich wieder ihren Milchkühen zu.

HeuteMorgen, 17.06.2020, 06:00 Uhr

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54 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Luc Wilhelm  (JLW)
    In der Deutschschweiz gibt es das Label "RegioFair" aus Alberswil LU. Faire(re) Preise für Bauern und Bäuerinnen. Erhältlich in Reformhäusern und Bio-Läden.
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Man solle täglich Milch trinken ist ein Ratschlag den viele Menschen befolgen. Mittlerweile mehren sich Hinweise darauf, dass Milch bei Weitem nicht so gesund ist, wie allgemein angenommen. Gesundheitsbewusste Menschen verzichten mittlerweile auf die Milch und wenden sich Alternativen zu.Milch hält unsere Knochen gesund, heisst es. Nicht selten ist das Gegenteil der Fall. Pflanzlichen Milchsorten wie Soja-, Hafer-, Reis- oder Mandelmilch sind gesünder - und Tiere müssen nicht leiden.
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    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Milch ist Schlussendlich ein Mästmittel, also sozusagen ein Superfood, im Masse gesund im Überfluss ein Dickmacher aber das ist mit vielen Nahrungsmittel so.
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    2. Antwort von Monika Hug  (Frau Hug)
      Muttermilch, wie es bei Kühen und anderen Säugetieren von Natur aus vorgesehen ist, dient ausschliesslich dem Wachstum, ist voll mit entsprechenden Hormonen. Erlauben sie mir noch eine Bemerkung, stillt eine Mutter ihr Kind im öffentlichen Raum ist das für viele Menschen anstössig und unnatürlich... Und ausserdem gerade Osteoporose ist in den Ländern am weitesten verbreitetet, wo der Milchkonsum hoch ist...vonwegen Milch ist gesund...
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    3. Antwort von Thomas Trefzer  (ttre)
      Hafer, Reis oder Mandelmilch etc. können Sie für ein paar Rappen mit einem kräftigen Mixer selber herstellen. Klar die Milchwirtchaft mit ihren dauern geschwängerten Kühen ist sowieso eine fragwürdige Angelegenheit Nicht desto trotz finde ich den Ansatz mit einen klaren Betrag für den Bauern eine tolle Sache. BRAVO ;-)
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    4. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Alois Keller, mir würde es schwerfallen, ganz auf Milchprodukte zu verzichten, auf Fondue, Raclette, Flammkuchen mit Käse und Knoblauch, Beeren mit Quark oder Joghurt, Quarkkartoffeln mit Kräutern, Weihnachtsguetzli mit richtigem Anke usw, das alles wird auch aus Milch hergestellt. Zwar reduzieren wir seit über 3Jz den Konsum von Fleisch und Milchprodukten auf je 2x/Woche, beziehen alles Tierische ausschliesslich von nahen Biohöfen direkt, aber ganz weglassen... nein. Können Sie das?
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    5. Antwort von Samuel Nogler  (semi-arid)
      Seit Jahrtausenden ist Milch ein Grundnahrungsmittel, das vielen Menschen und Kulturen das Überleben ermöglichte, auch in vielen Berggebieten unseres Landes. Alleine diese Tatsache zeigt deutlich, das Milch viel gesünder ist als entsprechende Alternativen aus dem Chemielabor der Nahrungsmittelgiganten.
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  • Kommentar von Gusti Pollak  (Gusti Pollak)
    "Vorbild waren ähnliche Projekte in anderen europäischen Ländern." steht im Artikel. Ähnliches gibt es aber seit einiger Zeit auch in der Schweiz, zB "Di fair Milch Säuliamt" oder "Basimilch". Und hoffentlich werden es noch viele mehr, auch indem die Berichterstattung und Information darüber präzisiert und ausgebaut wird und zur Vernetzung beiträgt.
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