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Happige Vorwürfe an das Unispital Zürich: Bericht beschreibt Klima der Angst
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 04.03.2021.
abspielen. Laufzeit 03:24 Minuten.
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Missstände in Uni-Kliniken Parlamentsbericht will beachtliche Änderungen am Unispital Zürich

Das Universitätsspital soll nebulöse Nebengeschäfte und die verbreitete Angstkultur angehen. Ein Bericht sagt nun wie.

Der Bericht der Subkommission des Zürcher Kantonsparlaments hat es in sich: Auf 76 Seiten werden Mängel am Universitätsspital Zürich aufgelistet, es ist von nebulösen Nebengeschäften, von Macht- und Angstkultur die Rede. Die Subkommission empfiehlt 75 Massnahmen, um wieder Ruhe ins Universitätsspital Zürich zu bringen.

Unruhe in mehreren Universitätskliniken

Vor rund einem Jahr wurden Missstände in drei Kliniken am Unispital Zürich publik. Der prominenteste Fall: Der Direktor der Herzchirurgie soll wissenschaftliche Berichte geschönt und Interessenskonflikte verschwiegen haben. Für Negativschlagzeilen sorgten auch zwei weitere Kliniken: Der Direktor der Gynäkologie soll sich jahrelang für Operationen eingeschrieben haben, die er nicht durchgeführt hat. Und der Leiter der Gesichts-, Mund- und Kieferchirurgie soll Patienten aus der Uni-Klinik an die eigene, private Praxis weitergeleitet haben.

Empfehlungen gegen Angstkultur, Machtfülle, intransparente Nebengeschäfte

Der nun vorliegende Bericht der Subkommission wurde im letzten Juni in Auftrag gegeben und zeigt nun auf, welche Mängel existieren und wie sie behoben werden sollen. Insgesamt gibt die Kommission 74 Empfehlungen ab. Die wichtigsten sind:

  • Es herrscht eine verbreitete Angstkultur: Am Universitätsspital Zürich fehle eine Kultur, die es erlaube, aus Fehlern zu lernen. Dies habe zu einer Angstkultur geführt, schreibt die Kommission. Einige Direktoren würden die starken Hierarchien in den Kliniken ausnützen und Macht ausüben. Es brauche deshalb einen Wandel hin zu einer positiven Feedback-Kultur.
  • Klinikdirektoren verfügen über zu viel Macht: Chefärzte entscheiden, wer wie viel Geld aus dem sogenannten Klinikpool erhält. Damit verfügen die Klinikdirektoren über sehr viel Macht, die es ihnen erlaubt, Parallel-Strukturen aufzubauen. Die Pools sollen deshalb aufgehoben werden.
  • Undurchsichtige Interessensbindungen und Nebenbeschäftigungen: Die Spitalleitung habe das Reputationsrisiko, das entstehe, unterschätzt. Vorgaben seien nicht umfassend genug umgesetzt worden. Es brauche deshalb, so der Bericht, ein öffentlich einsehbares Register.
  • «Besorgniserregend» viele Todesfälle: Die Subkommission weist darauf hin, dass es in der Herzklinik zu einer Häufung von Todesfällen gekommen sei. Dies sei besorgniserregend. Um dem auf den Grund zu gehen, soll eine Taskforce eingesetzt werden.
Ein Mann steht vor dem Eingang des Universitätsspital Zürich.
Legende: Mit den Empfehlungen der Subkommission soll wieder Ruhe am Universitätsspital Zürich einkehren. Keystone
  • Die Strukturen am Universitätsspital Zürich sind zu kompliziert: Der Bericht sagt, dass viele Über- und Unterstellungsverhältnisse unklar seien. Der Spitalrat habe nichts gegen diese Mängel unternommen. Deshalb soll die Spitaldirektion mehr Befugnisse erhalten, der Spitalrat in seiner strategischen Funktion gestärkt werden.
  • Qualitätssicherungssysteme sind zu wenig bekannt: Das Unispital verfüge zwar über Qualitätssicherungssysteme, jedoch seien diese kompliziert und unbekannt. Der Bericht empfiehlt, die Systeme zu überarbeiten und eine Revisionsstelle einzuführen, die die Spitaldirektion in ihren Führungs- und Entscheidungsprozessen unterstützt.
  • Finanzielle Anreizsysteme sollen überdacht werden: Darauf hat die Politik bereits reagiert. Das Zürcher Kantonsparlament will, dass Ärzte weniger Boni und Honorare erhalten.

Für die Umsetzung der Empfehlungen empfiehlt die Subkommission, dass der
Regierungsrat eine Begleitgruppe einsetzt.

SRF 4 News, 4.3.2021, 16:00 Uhr / SRF 1, Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Es kann überall zu Fehlern und Missständen kommen. Aber alle diese Skandale sind DIREKT auf das Gewinnstreben zurückzuführen. Ebenso andere Skandale in teilprivatisierten Bereichen, zum Beispiel bei der Post und im ÖV. (Vgl. diverse Berichte der letzten Jahre.) Und trotzdem ist man immer noch nicht bereit, mal den Grundgedanken in Frage zu stellen, dass überhaupt nichts defizitär sein darf, sondern alles - auch wichtige gesellschaftliche Infrastruktur - "ums Verrecke" Gewinn abwerfen muss.
  • Kommentar von Adrian Weber  (Pöbel)
    Schade, dass kein Wort zu den Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals steht. Das Machtgefälle Arzt-Pflege entsteht u.a. durch das Gefälle in der Entlöhnung. Die erwähnte Begleitgruppe soll dies bitte berücksichtigen.
  • Kommentar von Ruedi Möckli  (rm)
    Gehört eine offizielle und geschützte Anlaufstelle für Whistleblower ebenfalls zum Massnahmenkatalog? Finde hier nichts dazu.

    Falls nein, bleiben die Mitarbeiter leider stumm oder werden, wie hier, geschasst, weil niemand mit einem "Täderli" arbeiten will. In der Schweiz stecken wir hierzu in den Kinderschuhen.