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Die Energie-Zukunft der Schweiz macht dem Bundesrat Sorgen
Aus Tagesschau vom 30.06.2022.
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Möglicher Strom- und Gasmangel Wie gut sind Herr und Frau Schweizer im Energiesparen?

Der Bundesrat sprach an einer Pressekonferenz am Mittwoch eine Warnung aus: Aufgrund der sich verschärfenden internationalen Energiekrise könnte es auch in der Schweiz im Herbst und Winter zu einschneidenden Massnahmen kommen. Im schlimmsten Fall würden die Behörden gar den Strom kappen.

Was lösen solche Ankündigungen in der Bevölkerung aus und wie wahrscheinlich sind Verhaltensänderungen beim Einzelnen? Ein Gespräch mit dem Verhaltensökonomen Gerhard Fehr.

Gerhard Fehr

Gerhard Fehr

Verhaltensökonom

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Der gebürtige Österreicher ist CEO und Gründungspartner der Fehr Advice & Partners AG in Zürich. Er berät Politiker, Verwaltungs- und Aufsichtsräte, CEOs und Top-Managerinnen in Unternehmen.

SRF News: Bricht Anarchie aus, sollte die angekündigte Energieknappheit tatsächlich eintreten?

Gerhard Fehr: Es besteht kein Grund zur übermässigen Sorge. Die jetzige Energiekrise wird sicherlich nicht zu einer Anarchie führen. Im Gegenteil: In Zukunft wird es wohl mehr staatliche Regulierung und weniger Freiheitsgrade für den Einzelnen geben.

Die veränderten Gegebenheiten können aber auch positive Effekte mit sich bringen. Bei der Energie sprechen wir nämlich von einem sogenannten «No-Produkt». Die Leute sind sich des Preises dessen, was sie konsumieren, heute mehrheitlich nicht bewusst. Erst, wenn es zu Knappheit kommt, kann eine Korrektur stattfinden.

Wie kann die Politik denn auf die Menschen einwirken?

Die Verhaltensökonomie kennt grundsätzlich vier Typen von Instrumenten, um das Verhalten der Menschen zu ändern: Empfehlungen und Appelle, Anreize (Preise, Subventionen), sogenannte «Nudgings» (kleine Schubser zur Verhaltensänderung) und Gebote, respektive Verbote.

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Energiekrise: Der Winter wird zur Bewährungsprobe
aus Echo der Zeit vom 29.06.2022.
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Man weiss aus der Forschung, dass höhere Preise die höchste Wirkung entfalten. Für die Politik sind sie aber gefährlich, weil sie unerwünschte Nebeneffekte mit sich bringen können. Am wenigsten reagieren die Menschen auf Empfehlungen. Gebote respektive Verbote benötigen das Mitmachen der Bevölkerung.

Reagieren denn alle Menschen gleich auf diese Eingriffe in ihr Alltagsleben?

Seit einigen Jahren messen wir die sogenannten «Nachhaltigkeitspräferenzen» der Schweizer Bevölkerung. Sie verdeutlichen, wie stark jemand gewillt ist, sein Leben anzupassen, um die Umwelt zu schonen. Etwa ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer haben diesbezüglich eine positive Einstellung. Sie sind sehr offen für Anpassungen in ihrem Lebensstil. Am anderen Ende der Skala stehen die 15 Prozent der Bevölkerung, die eine negative Präferenz aufweisen. Appelle für Verhaltensänderungen treffen bei ihnen auf taube Ohren oder lösen gar eine Gegenreaktion aus.

Die grosse Mehrheit der Bevölkerung befindet sich in der Mitte. Diese Personen weisen eine bedingte Nachhaltigkeitspräferenz auf – reagieren also je nach Thema unterschiedlich.

Was für Erfahrungswerte gibt es denn aus anderen Ländern?

Es ist ganz einfach: Überall dort, wo Knappheit bereits heute Realität ist, passen die Leute auch ihr Verhalten an. Überall dort, wo Energie- und Wasserpreise aber nicht die Realität widerspiegeln – Beispiele sind im Mittleren Osten zu finden – greifen die Mechanismen nicht, und es kommt zu Verschwendung.

Wie senkt man den eigenen Energiebedarf am besten?

Es gibt mittlerweile tolle technische Hilfsmittel. So kann man beispielsweise beim Duschen den eigenen Wasserverbrauch prüfen oder man kann Bewegungsmelder bei sich zu Hause installieren, damit man nur dann heizt, wenn man es auch wirklich benötigt.

    Der Bund hat eine Sensibilisierungskampagne angekündigt – wie schätzen Sie die Erfolgschancen dieser ein?

Grundsätzlich ist das keine schlechte Sache. Auf die 30 Prozent der Bevölkerung mit einer positiven Nachhaltigkeitspräferenz hat dies sicherlich einen Effekt. Doch man muss wissen: Solche Kampagnen sind sehr teuer und gehen mit Streuverlusten einher.

Am effizientesten wären mit Blick auf den Herbst und Winter sicherlich preisliche Massnahmen, die zielgenau mit Subventionen für finanziell schlechter gestellte Bevölkerungsschichten abgefedert werden könnten.

Das Gespräch führte Patrick McEvily.

Info 3, 29.6.22, 17 Uhr;

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