Eigentlich sollte das kommende Wochenende in Crans-Montana ein Skifest werden: Die Weltcuprennen ziehen seit Jahren Tausende Fans an. Am Pistenrand, im Zielgelände und im Dorf wird gefeiert.
Graue Plakate anstelle von bunter Werbung
Doch die Stimmung ist gedämpft, der Nebel hängt tief und die Strassen sind fast leer. Vier Wochen sind seit der Brandkatastrophe mit 40 Todesopfern vergangen, die Trauer ist spür- und sichtbar. Im Zielgelände etwa, wo sonst bunte Logos und Werbeslogans hängen, sind nun hellgraue Plakate zu sehen. «Wir sind in Gedanken bei euch» steht darauf, in vier Sprachen.
Wie viele Menschen in Crans-Montana, möchte auch Géraldine Bestenheider nicht mehr öffentlich über die Silvesternacht und ihre Folgen sprechen. Bestenheider ist Hotelière und Präsidentin des lokalen Hoteliervereins.
Gut 90 Prozent der Hotelbetten in Crans-Montana seien am Wochenende belegt. Sie spricht von den bevorstehenden Rennen als «Spagat zwischen Traurigkeit und Freude». «Der Weltcup gibt uns die Möglichkeit, uns für einen kleinen Moment eine Auszeit von der schwierigen Realität zu nehmen.»
Auch Daniel Bollinger vom Organisationskomitee beschreibt die Situation als schwierig: «Wir sind in regelmässigem Austausch mit den Behörden, die auch in unserem Komitee vertreten sind.»
Sport ja, Fest nein
Eine Absage der Rennen sei diskutiert worden, doch man sei zum Entscheid gekommen: «Der Sport soll stattfinden können.» Gleichzeitig sei klar gewesen, dass «Halligalli nicht angebracht» sei. Daher wurden alle Festivitäten rund um den Sport abgesagt.
Es dürfen positive Emotionen da sein, ohne dabei die Tragödie der Silvesternacht zu vergessen.
Im Dorf wird es keine Startnummernauslosung, keine Siegerehrung und kein Public Viewing geben. Bollinger betont: «Der Sport kann Menschen verbinden und Zuversicht geben. Es dürfen positive Emotionen da sein, ohne dabei die Tragödie der Silvesternacht zu vergessen.»
Auch Bruno Huggler, Tourismusdirektor von Crans-Montana, unterstreicht die Bedeutung der Skirennen. Das tragische Ereignis in der Silvesternacht sei präsent, die Weltcuprennen seien eine Möglichkeit, das Dorf, die Gäste und die Jugendlichen zusammenzubringen. «Das ist gut und hilft dabei, sukzessive in die Zukunft schauen zu können.»