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Wallis lässt beim Thema Wolf nicht locker
Aus Schweiz aktuell vom 12.10.2020.
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Nach Nein zum Jagdgesetz Jagdgesetz: Wallis steht vor einer erneuten Abstimmung

Der Wolf steht weiterhin auf der politischen Agenda. Das Volk soll wieder über seine Regulierung abstimmen.

Erst vor zwei Wochen lehnte das Schweizer Stimmvolk mit 51.9 Prozent das Jagdgesetz ab. Die Abstimmung zeigte: Es gibt einen Graben zwischen den Städten und den Bergkantonen. Insgesamt sagte das Walliser Stimmvolk mit 68.6 Prozent deutlich Ja zum Gesetz. Das Walliser Kantonsparlament ist nun das erste, das sich nach der Abstimmung erneut mit der Wolfsproblematik befasst. Das Volk soll erneut abstimmen.

Initiative will Schutz vor Wölfen

Hintergrund ist die Volksinitiative «Für einen Kanton Wallis ohne Grossraubtiere». Damit meinen die Initianten neben dem Wolf auch den Luchs, den Bären und den Goldschakal – primär geht es aber um den Wolf. «Das Problem wird zunehmen», sagte der Mit-Initiant Giudo Walker von der CVP Oberwallis bei der Debatte zur Initiative im Grossen Rat. Es müsse dort reagiert werden, wo die Betroffenheit am grössten sei.

Das verlangt die Initiative

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Rund ein Dutzend Oberwalliser haben zusammen mit der CVP und der CSP die Initiative «Für einen Kanton Wallis ohne Grossraubtiere» 2017 eingereicht, mit über 9500 Unterschriften. Dies sind 3500 mehr als nötig.

Das Kantonsparlament erklärte die Initiative erst für ungültig und änderte den Text. Nun heisst es in der Initiative: «Der Staat erlässt Vorschriften zum Schutz vor Grossraubtieren und zur Beschränkung und Regulierung des Bestandes. Die Förderung des Grossraubtierbestandes ist verboten.»

Das Initiativkomitee überlässt es dem Kanton, angemessene Schutzmassnahmen wie Elektrozäune, Herdenschutzhunde oder Überwachung mit Drohnen festzulegen.

Die Annahme der Initiative würde an der aktuellen und künftigen Situation im Kanton jedoch kaum etwas ändern, sagte die Walliser Kantonsregierung bereits vor der Debatte im Parlament. Die Forderungen seien weitgehend umgesetzt und der Kanton könne keine Bestimmungen erlassen, die über das Bundesrecht hinausgehen. Der Spielraum sei gering.

Staatsrat will eine Abstimmung

Trotzdem soll die Walliser Stimmbevölkerung darüber abstimmen. Dies sei ein bedeutender Gradmesser für die Stimmung und Akzeptanz der Bevölkerung zur Grossraubtierproblematik, so der Staatsrat. Es sei auch ein wichtiges Argument in der künftigen politischen Diskussion um Grossraubtierfragen.

Das Wallis muss das Mitspracherecht aufrecht erhalten.
Autor: Rolet GruberGrossrat, CSP Oberwallis

Das unterstrich auch Rolet Gruber von der CSP Oberwallis, welche die Initiative mit eingereicht hatte. Auf nationaler Ebene seien bereits Vorstösse in Vorbereitung, um ein erträgliches Zusammenleben zu ermöglichen. Deshalb sei es wichtig, dass das Wallis das Mitspracherecht aufrechterhalte, so Gruber.

Schafe in den Bergen im Wallis
Legende: Schafe sollen besser vor dem Wolf geschützt werden. Darum soll der Bestand von Grossraubtieren beschränkt und reguliert werden. Keystone

Pierre Gaulino von der welschen CVP ging gar weiter: Bereits seit der Lancierung der Initiative im Jahr 2017 hätten die Zahl der Wölfe und auch die Attacken auf Schafe zugenommen. «Wenn die Berechnungen stimmen, gäbe es bis 2030 schon 1300 Wölfe in der Schweiz, 500 im Wallis.» Das sei zu viel, so Gaulino: «Dann müsste ich mir überlegen, ein Gewehr mitzunehmen, wenn ich künftig im Wald spazieren gehe.»

Täuschung der Wählerinnen und Wähler?

Eine solch emotionale Debatte machte Benoît Barras von der Fraktion der Linksallianz wütend. «Es ist eine Schande, dass wir erneut über dieses Thema diskutieren müssen.» Die Meinungen seien bekannt und die Initiative ändere nichts. Es gehe nur darum, die Wolfsthematik präsent und die Emotionen hochzuhalten, so Barras. Das führe zu einer Teilung der Bevölkerung.

Es geht nur darum, die Wolfsthematik präsent und die Emotionen hochzuhalten.
Autor: Benoît BarrasGrossrat, SP

Der Graben zwischen der Bevölkerung der Schweiz und des Kantons Wallis würde so nur noch grösser, sagte Emmanuel Revaz von den Grünen. Die Partei will die Initiative nicht nur zur Ablehnung empfehlen, sie will sie gar als ungültig erklären lassen. Die Kritik: Das Verfahren sei irreführend gewesen.

Mit 105 Ja- zu 19 Nein-Stimmen entschied das Parlament schlussendlich, auf die Debatte einzutreten und am Donnerstag über die Details der Initiative zu diskutieren. So wie die Mehrheiten im Parlament sind, dürfte der Grosse Rat dabei die Annahme der Initiative empfehlen.

Auch wenn die Initiative kaum etwas ändern würde, möchte die Mehrheit weiter Druck gegen den Wolf machen – trotz Nein gegen das Jagdgesetz.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 12.10.2020, 12:03 Uhr

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Hugo Bazin  (pstcnowwd)
    Diese ganze Geschichte ist unlogisch. Die Walliser beklagen sich, weil ein paar duzend Wölfe ihre Herde bedrohen, aber niemand möchte sich für Umweltschutz einsetzen, dass bestimmt viel grösse Auswirkungen der Tierzucht im Wallis haben wird (Gewitter, Steinschläge, Trockenes Wetter und weniger Grass,...)

    Der Mensch soll endlich lernen mit Tieren zu leben und sie nicht zu erschiessen. Wölfe gab es in der Schweiz vor dass es die Schweiz selber gab!!!
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Absurd was da in der Walliser Regierung abläuft. Einerseits wird der Wolf in Bergregionen bekämpft, weil man kein Geld für Herdenschutz ausgeben will. Andererseits muss eine Unmenge in (Schutz)-Wälder investiert werden, weil die jungen vom Wild verbissenen Bäume nicht wachsen und sich der Wald somit nicht erneuern kann. Die Jäger mit Gewehren kommen nicht nach mit dem Jagen und die natürlichen Jäger auf 4 Pfoten sind unerwünscht. Wie gesagt, absurd.
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Wir sollten nicht nur für Grossraubtiere Toleranz und Akzeptanz fordern, sondern auch die Sensitivität aufbringen, dass jene Menschen, die mit diesen Tieren leben müssen, durchaus auch das Recht auf ihre eigene Meinung haben. Das NEIN zum Jagdgesetz war keine kluge Entscheidung, sondern das Resultat einer sehr emotional und wenig rational geführten Diskussion. Unter dem Strich bleibt das Gefühl eines Scherbenhaufens - denn am Ende sind die meisten Wildtiere nun schlechter geschützt!