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Aus dem Archiv: «Antikörper zeigen nicht, ob man immun ist»
Aus Puls vom 04.05.2020.
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Nachweis von Antikörpern Was man über die Tests aus dem Internet wissen muss

Sie versprechen, dass man selbst zu Hause testen kann, ob man gegen das Coronavirus immun ist. Was ist dran? Fragen und Antworten.

Worum geht es? Wer wüsste nicht gerne, ob er sich bereits mit dem Coronavirus angesteckt und nichts davon gemerkt hat. Dass sich mit diesem Wunsch Geschäfte machen lässt, beweist eine kurze Recherche: Verschiedene Firmen bieten online Antikörpertests an, die sich laut Eigenwerbung «bequem und schnell» zu Hause durchführen lassen.

Wie funktionieren die Tests? Es gibt zwei Arten: Schnelltests, und solche, die in einem Labor ausgewertet werden. Bei ersteren entnimmt man sich selbst Kapillarblut (mittels Stich aus dem Finger) und gibt ihn auf einen Teststreifen. Anhand der Verfärbung des Streifens erhält man das Resultat – ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. Bei den anderen Antikörpertests wird die Blutprobe an ein Labor geschickt, das dann den Test durchführt. Hier braucht es eine grössere Menge Blut aus der Vene – die Probe muss also am Arm entnommen werden.

Wie verlässlich sind sie? Wichtig ist zu wissen, dass sich Sars-CoV-2-Antikörper erst ca. 14 Tage nach Symptombeginn deutlich ausgebildet haben und bis zu sieben Wochen danach nachweisbar sind. Zudem lässt sich bei einem Teil der Infizierten keine Antikörperbildung nachweisen.

  • Schnelltests: Das BAG schreibt, dass diese Tests noch nicht umfassend geprüft wurden und deshalb Aussagen über die Verlässlichkeit noch nicht möglich sind. Es rät von der Anwendung ab. Ausserdem weist es auf Anfrage darauf hin, dass nur bewilligte Laboratorien Tests und durchführen und auswerten dürfen. Selbsttests können also nur Schnelltests sein.
  • Labortests: Laboratorien verwenden verschiedene Tests verschiedener Firmen für die Diagnose. Für das BAG ist auch die Aussagekraft dieser Methode nicht erwiesen – hängt sie doch auch von der Qualität der Probe ab. Für eine saubere Entnahme einer Blutprobe aus der Armvene braucht es Übung. Deshalb empfiehlt das BAG, die Blutentnahme von einer Fachperson durchführen zu lassen und rät davon ab, dass man sich selbst Blut entnimmt. Manche Laboratorien empfehlen, den Test nach ca. einer Woche zu wiederholen.

Ist man nach einer Ansteckung tatsächlich immun? Für wie lange? Bezeichnungen wie Immunitäts-Check trügen: Es ist noch nicht klar, wie lange eine allfällige Immunisierung anhält. Das bedeutet auch, dass man nicht weiss, ob Personen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, danach längerfristig vor einer Wiederansteckung geschützt sind. Insofern sagen die Tests nur aus, ob man eine Infektion durchgemacht hat oder nicht.

Zudem gibt es auch falsch positive Testresultate, bei denen fälschlicherweise Antikörper angezeigt werden. Ein falsch positiver Test könnte deshalb dazu verleiten, dass man sich nicht mehr genügend an die Schutzmassnahmen hält – und sich selbst oder andere doch noch mit dem Virus ansteckt.

Mit welchen Kosten ist zu rechnen? Die Preise der verschiedenen Online-Anbieter variieren zwischen rund 30 Franken für Schnelltests bis zu 150 Franken. Labore verrechnen zwischen 33 und 42 Franken für die Analyse. Allerdings kommen die Konsultationskosten und die Blutentnahme beim Arzt dazu.

Wer übernimmt die Kosten? Antikörpertests werden nicht von der Krankenkasse übernommen.

Wer kann sich testen lassen? Grundsätzlich alle – was ja durch die im Internet angebotenen Tests auch möglich ist.

Wie gross ist die Nachfrage? Laut einem Labor ist die Nachfrage nach einem anfänglichen «run» auf die Tests in den letzten Wochen gesunken – sicher auch angesichts der sinkenden Ansteckungszahlen. Trotzdem berichtet ein Labor davon, dass es täglich noch immer 50 bis 100 Diagnosen durchführt.

Wer lässt sich testen? Zu den Kunden der Labors gehören Privatpersonen aber auch Personal aus dem Gesundheitswesen. Einige Firmen lassen ihre Belegschaft testen – doch das sind Ausnahmen.

Für wen ist ein solcher Test sinnvoll? Am ehesten noch für Gesundheitspersonal. Fachleute halten solche Tests aber nur für sinnvoll, wenn sie im Rahmen von Studien durchgeführt werden – diese könnten dann auch mehr Erkenntnisse über die Aussagekraft solcher Tests und dem Immunschutz nach einer Covid-19-Erkrankung bringen.

Regionaljournal Graubünden, 05.06.2020

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12 Kommentare

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  • Kommentar von María Natalia Müller  (MNM)
    Die haben mich im Spital auf Antikörper getestet. Die waren sowieso am Blut abnehmen also dachte sich die Frau Ärztin man könnte gleich auf AK testen. Schnelltests wie sie sagte nützen nichts. Das ist wie beim Corona Test mit den Mund Abstrichen. Man bekommt zu viele falsch positive. Darum werden ja nun die Corona Tests zb mit Abstrichen aus den Nasenhöhlen gemacht. Unglaublich schmerzhaft war dies.
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  • Kommentar von Pierre de Senarclens  (Pierre de Senarclens)
    Eine Passage im Artikel ist mir nicht klar: es heisst "Wichtig ist zu wissen, dass sich Sars-CoV-2-Antikörper ... bis zu sieben Wochen danach nachweisbar sind." Und nach diesen 7 Wochen dann nicht mehr? Was ist, wenn ich zB Anfang Februar eine Lungenentzündung hatte habe, und jetzt herausfinden möchte, ob das CoVid war oder nicht?
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    1. Antwort von María Natalia Müller  (MNM)
      Covid19 AK sind mehrer Monate nachweisbar, laut diversen Internet Quellen. Also nicht 7 Wochen.
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    2. Antwort von Dominic Gerster  (Gerster)
      Die Antikörper produzierenden zellen bleiben jahre oder mindestens monate lang vor handen und mit ihnen die immunität.
      Allerdings ist die konzentration im blut nach 2 monaten sehr tief, und nicht zweifelsfrei nachweisbar.
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    3. Antwort von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
      Aus dem kleinen Ein Mal Eins der Epidemiologie weiss ich nun, dass Testen gar nicht so aussagekräftig ist. Selbst wenn ein Test 99% richtig Testet was extrem hoch ist kommt es auf die Durchseuchungsrate an. Die sei nur bei 1 Prozent? Somit ist der Test nur noch 50/50. Ist aber die Durchseuchungsrafe bei 15% wie in Heinzberg, dann ist die Aussagekraft schon bei 94 %Treffsicherheit. Dieses Resultat entsteht wegen den Negativen Fällen.
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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Zu meinem Beitrag @SRF unten: Eine Ausnahme bildete der Artikel über Streeck und Drosten; jener befürchte keine zweite Welle, dieser sei optimistisch, dass wir einen normal-normalen Sommer erleben dürfen. Aber es gäbe schon so lange noch so vieles zu berichten, was beruhigen helfen könnte, ohne der noch während Jahren angebrachten Vorsicht zu schaden. Im Gegenteil: Sachliche Kontextualisierung sensibilisiert für Details, auf die es beim persönlichen Verhalten jetzt doch so entscheidend ankommt.
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