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Postfinance in der Zwickmühle
Aus Espresso vom 10.06.2021.
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Negativzinsen bei Postfinance «Postfinance ist wegen des Kreditverbots massiv unter Druck»

In den letzten Monaten hat Postfinance für viel Ärger bei der Kundschaft gesorgt: Eine unübersichtlichere App, höhere Kontoführungsgebühren und nun auch noch Negativzinsen für Guthaben über 100'000 Franken. Postfinance habe keine andere Wahl, sagt SRF-Wirtschaft-Redaktor Jan Baumann.

Jan Baumann

Jan Baumann

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Jan Baumann ist seit 2013 Wirtschaftsredaktor bei SRF. Davor arbeitete er während rund zehn Jahren als Redaktor für die Zeitung «Finanz und Wirtschaft», unter anderem als USA-Korrespondent.

Was bezweckt Postfinance mit den Änderungen, die so viele verärgern? Will sie tatsächlich einen Teil ihrer Kunden loswerden?

Jan Baumann: Das glaube ich nicht. Ich denke, dass keine Bank in der Schweiz Kundinnen und Kunden loswerden möchte. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sich viele Kundinnen und Kunden fragen, was jetzt falsch läuft. Das Signal der Postfinance an ihre Kundschaft lautet vereinfacht gesagt: «Macht was anderes mit dem Geld, als es einfach auf dem Konto liegen lassen.»

Warum will Postfinance das Geld denn nicht auf ihren Konten?

Der Hintergrund ist das gesetzliche Kreditverbot. Postfinance darf keine Kredite auf eigenes Risiko vergeben. Hypothekarkredite zum Beispiel, wie das alle anderen Banken im grossen Stil machen. Weil der Postfinance dieses lukrative Geschäft untersagt ist, will sie ihre Kunden dazu bewegen, etwas mit ihrem Geld zu machen, damit sie auch etwas damit verdienen kann.

Kann es sein, dass Postfinance politisch Druck machen will, damit das Kreditverbot fällt?

Die Postfinance will auf jeden Fall, dass das Kreditverbot fällt. Ich glaube aber nicht, dass die Negativzinsen da ein taugliches Druckmittel sein können. Es ist wohl eher umgekehrt: Postfinance ist wegen des Kreditverbots finanziell massiv unter Druck und greift zum Mittel der Negativzinsen.

Postfinance prescht auch in Sachen Limite bei Negativzinsen vor und hat sie auf 100’000 Franken gesenkt. Ist das ein Dammbruch? Werden andere Banken in Kürze folgen?

Ich denke nicht. Postfinance ist wirklich ein Sonderfall. Die anderen Banken sind weniger unter Druck und müssen deshalb auch weniger Druck an die Kundschaft weitergeben.

In den Kommentaren ist gerne die Rede davon, dass man das Ersparte genauso gut in einen Banksafe legen könnte. Das sei billiger, als Negativzinsen zu bezahlen. Ist das eine gute Idee?

Ich glaube nicht, dass das eine besonders gute Idee ist. Ein Banksafe kostet auch Geld und ist primär dafür gedacht, Wertgegenstände aufzubewahren – Schmuck zum Beispiel oder wichtige Dokumente –, aber nicht, um Bargeld zu parkieren.

Espresso, 10.06.2021, 08:13 Uhr;

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Gisler  (GiJaBra)
    Tja die PF App ist wohl das schlechteste dass ich je gesehen habe.
  • Kommentar von Richard Willi  (rwill)
    Es wird immer gesagt, die Postfinance dürfe keine Hypotheken vergeben; sie bieten aber Hypotheken auf ihrer Website an:
    https://www.postfinance.ch/de/privat/produkte/hypotheken.html
    Was verstehe ich da nicht richtig?
    1. Antwort von Werner Ammann  (W.A.)
      Die Postfinance tritt hier nur als Vermittler auf. Dahinter steht eine Bank (Valiant Bank ?)
  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Was ist der Grund dafür, dass die Postfinance nicht zu einer Vollbank aufgerüstet werden kann? Für gewisse Bankgeschäfte (z.B check cashing/issuing) muss man zu einer "normalen" Bank gehen und auch dort noch ein Konto eröffnen, also evtl. 2x Gebühren zahlen.
    1. Antwort von Werner Ammann  (W.A.)
      Die Gründe sind einige 'unabhängige' Volksvertreter im Parlament.