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Kampfjet-Beschaffung
Aus 10 vor 10 vom 25.01.2021.
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Neue Kampfjets für die Schweiz US-Jets in der Kritik: «Dort fliegt der CIA immer mit»

2021 entscheidet der Bundesrat über neue Kampfflugzeuge. Die Herkunft der Hersteller spielt eine entscheidende Rolle.

Die Abstimmung über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge letztes Jahr war eine Zitterpartie: 50.1 Prozent der Stimmbevölkerung sagte Ja. Ein neues Kampfflugzeug hat die Luftwaffe deswegen aber noch nicht. Die Evaluation ist im Gang – in den nächsten Monaten will der Bundesrat den Typenentscheid fällen.

Vier Modelle stehen zur Auswahl. Der Eurofighter aus Deutschland, der Rafale aus Frankreich sowie die beiden amerikanischen Flugzeuge F/A-18 Super Hornet und F-35. Letztere sorgen bei Kampfjet-Gegnerinnen und -Gegnern für rote Köpfe. SP-Nationalrätin Priska Seiler-Graf warnt vor allem vor dem Kauf des modernsten US-Jets: «Der F-35 wurde als Supercomputer konzipiert und liefert laufend Daten. Die Software wird von den USA kontrolliert und überwacht. Oder plakativ ausgedrückt: Dort fliegt der CIA immer mit.»

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Priska Seiler Graf: «Der F-35 wird von den USA überwacht»
Aus News-Clip vom 14.01.2021.
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Der designierte Kommandant der Schweizer Luftwaffe widerspricht. Peter Merz war Projektleiter für die Beschaffung eines neuen Kampfjets. Er hat sich mit allen Modellen auseinandergesetzt und sagt: «Wenn wir ein Ersatzteillager und Werkzeug haben und unsere Leute gut ausgebildet sind, dann ist es egal, von welcher Nation wir den Flieger kaufen. Wir sind bei allen gleich unabhängig – oder ein bisschen abhängig.»

Schon heute fliegt die Schweizer Luftwaffe ein US-Modell. Die F/A-18 Hornet steht seit mehr als 20 Jahren in Diensten der Schweizer Luftwaffe. Auch diese F/A-18 ist mit viel Elektronik und Software ausgerüstet. Peter Merz zeigt Verständnis für Skepsis: «Cyberattacken auf staatliche Institutionen, auf den Privatbereich und die Wirtschaft gibt es immer wieder. Aber genau deshalb haben wir ein derart aufwendiges Schutzkonzept.»

Manipulation von aussen ausgeschlossen

Die Flugzeuge seien so konstruiert, dass sie maximal geschützt seien. Die Systeme des F/A-18 seien verschlüsselt, zum Beispiel die satellitengestützte Navigation, der Datenaustausch zwischen den Flugzeugen, der Sprechfunk oder die Erkennung von Freund und Feind.

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Peter Merz: «Fernsteuerung ist ein Märchen»
Aus News-Clip vom 14.01.2021.
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Das Flugzeug lasse sich aber auch dann noch fliegen, wenn ein solches System ausfalle oder gar absichtlich ausgeschaltet werde, sagt Merz, mit Backup-Systemen. Doch was passiert, wenn der Hersteller in die Steuerung des Flugzeugs eingreift? Für Merz ist das ausgeschlossen: «Das sind keine Drohnen. Die Technologie ist so ausgelegt, dass sie den Piloten unterstützt oder entlastet, aber nicht selber fliegt. Man kann den Jet nicht fernsteuern oder die Waffen manipulieren – das geht einfach nicht.»

Der lange Weg zu den neuen Kampfjets – die Timeline

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
  • 18.05.2014: Das Stimmvolk lehnt die Vorlage des Bundesrats ab, 22 Gripen E-Kampfjets anzuschaffen.
  • 08.11.2017: Richtungsentscheid des Bundesrats zur Erneuerung der Mittel zum Schutz des Luftraums und damit zum Kauf neuer Kampfjets.
  • 06.12.2018: Die BDP überweist die Motion «Luftwaffe. Grundsatzentscheid vor das Volk!» an den Bundesrat. Die Forderung: Das Stimmvolk soll entscheiden, ob neue Kampfflugzeuge beschafft werden sollen, losgelöst von der Typenfrage.
  • April-Juni 2019: Mögliche neue Kampfflugzeuge werden auf dem Militärflugplatz Payerne erprobt.
  • 27.9.2020: Das Schweizer Stimmvolk sagt mit 50.1 % Ja zu neuen Kampfflugzeugen.
  • 18.11.2020: Die Anbieter Airbus (Europa), Boeing (USA), Lockheed Martin (USA) und Dassault (F) reichen ihre Offerten ein.
  • 1. Quartal 2021: Ein Evaluationsbericht zu den neuen Flugzeugen wird erstellt.
  • Ende 2. Quartal 2021: Entscheidung des Bundesrats für einen Kampfjet-Typ.
  • Voraussichtlich ab 2025 bis 2030: Auslieferung der neuen Kampfflugzeuge.
  • 2030 bis 2060: Einsatzdauer der neuen Kampfjets.

Quelle: VBS, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Bis Ende dieses Jahrzehnts hat der F/A-18 der Schweizer Luftwaffe ausgedient, ein neues Modell muss her. Wie Priska Seiler-Graf gehörte auch die grüne Nationalrätin Marionna Schlatter zum Nein-Komitee vor der Abstimmung. Nun will sie sich dafür einsetzen, dass der Bundesrat ein Flugzeug aus europäischer Produktion erwirbt: «Ziel muss sein, dass man die Abhängigkeit minimiert. Wenn man das als grosses Auswahlkriterium nimmt, dann fallen die amerikanischen Jets weg.» Priska Seiler-Graf ergänzt: «Wenn schon abhängig, dann so wenig möglich und am besten von einem europäischen Land.»

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Mariona Schlatter: «So fallen die amerikanischen Varianten einfach weg»
Aus News-Clip vom 14.01.2021.
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Die politische Komponente spielt bei der Auswahl eine grosse Rolle. Die SP droht bereits mit einer Volksinitiative, sollte sich der Bundesrat für den amerikanischen F-35 entscheiden. Das hätte eine weitere Abstimmung zur Folge. Und die Beschaffung eines neuen Kampfjets wäre erneut infrage gestellt.

Text der die Postergrafik beschreibt

10vor10, 25.1.2021, 21.50 Uhr

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99 Kommentare

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  • Kommentar von Sam Meier  (tsam39947)
    Was passiert "wenn der Hersteller in die Steuerung des Flugzeugs eingreift?" ist wohl die falsche Frage. Wenn ein fremdes Land in einem Konfliktfall in den Betrieb unserer Luftwaffe eingreifen wollte, so würde es die Flotte lahmlegen wollen. Und ob das bei amerikanischen Flugzeugen nicht durch eine Hintertüre möglich wäre, bin ich mir nicht sicher. Ich war an einer Führung bei RUAG in Emmen, wo die F/A-18 gewartet werden. Dort sind permanent amerikanische Offiziere anwesend. Wozu?!
  • Kommentar von Thomas Trefzer  (ttre)
    Was jetzt schon klar ist, es wird wohl kein Flieger "ab Stange" sein. Ein bisschen "Swissness" wird's wohl schon brauchen. Sei es ein Antrieb mit Holzvergaser oder Oekodiesel.... ;-)
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Thomas Trefzer: Mindestens das Schweizerkreuz sollte schon auf die Heckflossen der Maschinen. Sonst fliegen wir mit amerikanischen, französischen oder deutschen Hoheitszeichen herum.
    2. Antwort von Thomas Trefzer  (ttre)
      Hoffe wenigstens das ist dann im "ab Stange" Preis enthalten. ;-)
    3. Antwort von Sam Meier  (tsam39947)
      Dass man alles helvetisieren muss, notabene nachdem man diesem Vorgehen vor Jahren abgeschworen hat, ist nicht unbedingt verständlich. Einerseits verteuert es die Beschaffung, andererseits macht es auch Sinn auf Bewährtes zu setzen. Bei der soeben beschafften Drohne aus Israel scheint die Helvetisierung auch nicht gerade geglückt zu sein.
  • Kommentar von Peter Kunz  (calanda)
    Frau Seiler-Graf, könnten sie uns vielleicht auch die Fakten zu ihren Aussagen liefern. Oder wenigsten die Quellen für ihre Behauptungen.