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Lohnunterschied zwischen Frauen und Männer leicht gestiegen
Aus Tagesschau vom 21.06.2021.
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Neue Lohn-Studie Wo der Lohnunterschied zwischen Frau und Mann am grössten ist

Im Jahr 2021, würde man meinen, tue sich etwas in Richtung Gleichstellung von Frau und Mann – auch in puncto Lohndifferenzen. Falsch gedacht: Der Unterschied hat sich in den letzten Jahren sogar noch leicht verstärkt.

Ob im privaten oder öffentlichen Sektor: Im Durchschnitt verdienten Frauen im Jahr 2018 rund 19 Prozent weniger als Männer. 2016 waren es noch gut 18 Prozent weniger. Je nach Branche, Alter und Region tritt der Lohnunterschied noch stärker hervor. Eine grafische Übersicht.

Wie viel verdienen Männer und Frauen in der Schweiz durchschnittlich? Der durchschnittliche Bruttolohn liegt gesamtwirtschaftlich und über alle Branchen hinweg für Frauen bei rund 6500 Franken im Vergleich zu rund 8000 Franken bei den Männern.

Im Jahr 2018 waren dabei 60.9 Prozent der Arbeitnehmenden, deren monatlicher Lohn für eine Vollzeitstelle unter 4000 Franken liegt, Frauen. Gemäss den Ergebnissen des Bundesamtes für Statistik (BFS) sind zudem fast die Hälfte (45.4 Prozent) dieser Lohnunterschiede unerklärt.

Was ist die erklärte und unerklärte Lohndifferenz?

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Die beiden Grössen sind wie folgt definiert:

  • Die erklärte Lohndifferenz (erklärter Anteil): Dieser Anteil quantifiziert den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern, der auf Unterschiede in den beobachtbaren Merkmalen wie Beruf, Branche, Ausbildung, berufliche Stellung usw. zurückzuführen ist.
  • Die unerklärte Lohndifferenz (unerklärter Anteil): Dieser Anteil gibt Auskunft darüber, wie gross die verbleibenden Lohnunterschiede sind, wenn Frauen mit Männern verglichen werden, die im Schnitt die gleichen beobachtbaren Erklärungsfaktoren wie Ausbildung, Beruf, Branche etc. aufweisen. Eine unerklärte Lohndifferenz kommt somit zustande, wenn Frauen und Männer bei gleichen beobachtbaren Merkmalen im Schnitt unterschiedliche Löhne erhalten.

Auf welcher beruflichen Stufe werden Frauen lohnbezogen am stärksten benachteiligt? Im obersten und mittleren Kader sind die Frauen im Vergleich zu den Männern am stärksten benachteiligt. Während die Männer vom mittleren zum obersten Kader eine Lohnerhöhung bekommen, sinkt bei den Frauen das Einkommen vom mittleren zum oberen Kader. Die durchschnittliche Lohndifferenz steigt von 10 Prozent zwischen Frauen und Männern ohne Kaderfunktion auf 25.4 Prozent im obersten Kader.

Ist die Lohnschere zwischen den Geschlechtern bei älteren Arbeitnehmenden stärker ausgeprägt als bei Jüngeren? Tatsächlich vergrössert sich die durchschnittliche Lohndifferenz mit zunehmendem Alter. Während bei den Männern das Einkommen nach Alter steigt, ist dieser Zusammenhang bei den Frauen weniger erkennbar. Obwohl der Durchschnittslohn zwischen den ersten beiden Alterskategorien steigt, verdienen Frauen ab 50 Jahren nicht mehr als jene der mittleren Altersgruppe.

Gibt es Regionen in der Schweiz, wo Frauen beim Lohn besonders benachteiligt werden? In den Regionen Zürich und Genfersee erhalten die Frauen einen ähnlich hohen Durchschnittslohn. Jedoch ist das durchschnittliche Einkommen der Frauen zwischen 15 Prozent (Genfersee-Region) und 24.3 Prozent (Region Zürich) tiefer als dasjenige der Männer. In der Region Zürich haben die Männer das höchste Lohnniveau. Im Tessin ist der Durchschnittslohn für beide Geschlechter am tiefsten.

In welcher Dienstleistungsbranche verdienen Frauen vergleichsweise am wenigsten? Obwohl im Dienstleistungssektor leicht mehr Frauen als Männer beschäftigt sind, variiert die Lohndifferenz zwischen den Branchen stark. Besonders bitter wird es für Frauen im Finanz- und Versicherungssektor. Dort beträgt die Lohndifferenz 33.2 Prozent. Der kleinste Lohnunterschied zu den Männern finden Frauen im Gastgewerbe und in der Gastronomie.

In welcher Branche im Gewerbe verdienen Frauen vergleichsweise am wenigsten? Im Sektor Industrie und Gewerbe arbeiten überdurchschnittlich viele Männer. Beim Bergbau gibt es beispielsweise nur einen Frauenanteil von 10.7 Prozent, die Lohndifferenz ist mit 4.4 Prozent gering. Bemerkenswert ist aber, dass die Lohndifferenz mit 28.9 Prozent in der Herstellung von Textilien und Lederwaren am höchsten ist – nämlich dort, wo auch der grösste und gar überwiegende Frauenanteil (57.5 Prozent) herrscht.

Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2018

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Das Bundesamt für Statistik erhebt noch mehr Daten zum Lohnunterschied – beispielsweise zum Bildungsstand und Beschäftigungsgrad. Wer mehr wissen will: hier finden Sie den detaillierten Bericht «Analyse der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern anhand der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018, Link öffnet in einem neuen Fenster».

Tagesschau, 21.06.2021, 19:30 Uhr

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81 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Bei gleicher Arbeit gibt es auch unerklärliche Verdienstunterschiede unter den Männern. Das selbe unter den Frauen. Man hat auch statistisch erwiesen, dass größere Personen eher mehr verdienen als kleinere. Sich temporär in der Schweiz aufhaltende ausländische Arbeitskräfte haben im Durchschnitt ein höheres Einkommen bei gleicher Arbeit als Einheimische, usw. Warum interessiert dies niemand? Warum immer nur Mann und Frau gegeneinander ausspielen?
  • Kommentar von Andre Inderkum  (Andij)
    Folgende Punkte erkären den "nicht erklärbaren Anteil":
    Im Durchschnitt arbeiten Frauen in Branchen mit tieferen Löhnen, im Durchschnitt arbeiten Frauen mehr Teilzeit, im Durchschnitt haben Frauen längere Auszeiten vom Arbeitsprozess, im Durchschnitt arbeiten Frauen weniger lang, im Durchschnitt arbeiten weniger Frauen in Kaderpositionen.
    Nun kann und sollte man diese Punkte mit Fördermassnahmen und strukturellen Massnahmen verbessern, aber von Diskriminierung zu sprechen ist schlicht falsch.
    1. Antwort von Franziska Stäheli  (Franziska Stäheli)
      Wieso arbeiten Frauen Teilzeit(Antwort=Familie)? Wieso arbeiten Frauen weniger lang(wieder lautet die Antwort unentgeltliche arbeiten in der Familie)? Wieso werden System relevante "Frauenberufe" weniger gut bezahlt( hier lass ich's aus. Sonst komme ich nicht durch die Netiqutte;-)? Könnte es sein dass da System dahinter steckt? So und nun machen sie sich bitte nochmals Gedanken über den diskriminierenden Aspekt des ganzen. Danke
    2. Antwort von Andre Inderkum  (Andij)
      Frau Stäheli, da bin ich bei Ihnen, deshalb meine Forderung diese Punkte mit gezielten Massnahmen anzugehen. Aber Sie sugerieren ja wohl nicht dass dies absichtlich von einer männerdominierten Wirtschaft so geschaffen wurden um Frauen zu diskriminieren? Zu Ihrem Punkt betreffend systemrelevanten Frauenberufen, resp. "Frauenberufe" allgemein, das hängt wohl in grossem Masse mit der wirtsch. Wertschöpfung der einzelnen Branchen zusammen. Das kann man kritisieren und versuchen zu ändern.
    3. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Weitgereister)
      Frau Stäheli, Ihre ersten zwei Punkte betrifft Ihre Familie. Da müssen Sie mit Ihrem Mann und der Familie reden. Das geht die Gesellschaft nichts an.
      Was sind „systemrelevante Frauenberufe“?
      In fast jedem Frauenberuf arbeiten auch Männer.
    4. Antwort von Franziska Stäheli  (Franziska Stäheli)
      Leider druckt SRF meine antworten an euch nicht. Anscheinend zu kontrovers für gewisse Kreise. Ich habe keinen Mann, juhu :-) ich lies mich weder von einem Mann verführen , noch von der Gesellschaft knechten. Soviel zu meiner Person. Und ja es ist Familie, auch dieses veraltete Konstrukt bedürfte einer Sanierung. Und sie fragen welche Berufe(zB. Kinderbetreuung, pflege usw) fügen aber gleichzeitig an das da auch Männer arbeiten. Ja was den jetzt?
    5. Antwort von Franziska Stäheli  (Franziska Stäheli)
      Und doch. Da in diesen fällen die Frau von altersarmut betroffen sein wird geht es mich und die Gesellschaft was an!
  • Kommentar von peter borner  (pebo)
    der unerklärbare teil beträgt 3-6 %…
    also vernachlässigbar.
    dass frauen öfter in niedrieglohnberufen arbeiten oder teilzeit ist jeder frau selbst überlassen. warum die linke inkl. msm ständig darauf rumreiten ist mir schleierhaft und spalted die geschlechter stück für stück mehr… schade
    1. Antwort von Sandra Moser  (samser)
      Lieber Herr Borner
      6% vom CH- Medianlohn sind 392CHF, bei konservativen 3% 196CHF. Wenn Sie dies auf ein Jahr oder auf ein Leben rechnen, ist dies nun wirklich nicht vernachlässigbar!
      Solange Betreuungsarbeit als Frauenarbeit gesehen wird, Careberufe unterbezahlt sowie personell unterbesetzt sind und Väter für Teilzeit noch stärker bestraft werden als Mütter (https://bit.ly/3gT26PFr) ist es Menschen eben leider nicht selbst überlassen wie sie arbeiten sondern das Problem ist strukturell.
    2. Antwort von Shane O'Neill  (Diddleydoo)
      Was er mit "vernachlässigbar" meint ist, dass die Unterschiede Zwischen unterschiedliche Frauen bereits grösser ist und viele andere Gründe dafür verantwortlich gemacht werden kann wie z.B. Verhandlungsgeschick.
    3. Antwort von Peter Zurbuchen  (drpesche)
      Ein kurzer Blick auf die oben abgebildeten Grafiken zeigt, dass Frauen gerade auch in Kaderpositionen einiges weniger verdienen als die Männer, Herr Borner.