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Der Strommarkt nach dem Atomausstieg
Aus Echo der Zeit vom 03.04.2020.
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Öffnung des Strommarktes Wie weiter nach dem Atomausstieg?

Der Bundesrat hat seine Vorstellungen zur Liberalisierung des Strommarktes präzisiert. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich.

Zufrieden mit den Vorschlägen ist die FDP. Nationalrat Matthias Jauslin sagt: «Der Bundesrat hat erkannt, wie wichtig es ist, dass der Strommarkt für die kleinen Bezüger offen sein muss.» Ebenso äussert sich Stefan Müller-Altermatt von der CVP: «Es geht in die richtige Richtung. Das Ganze steht unter der Prämisse ‹Versorgungssicherheit durch einheimische Energien›.»

Doch welche Richtung schlägt der Bundesrat ein? Energieministerin Simonetta Sommaruga fasst zusammen: «Das Ziel ist es, dass wir die Möglichkeit für Haushalte und kleine Unternehmen schaffen, dass auch sie künftig ihren Stromanbieter selber wählen können.» Heute sei es vor allem darum gegangen, mit dem Energiegesetz, das nun in die Vernehmlassung gehe, die erneuerbaren, einheimischen Energien zu stärken und auszubauen.

215 Millionen Franken pro Jahr

Der Bundesrat will über das Jahr 2023 hinaus die erneuerbaren Energien fördern. So will er den Ausstieg aus der Atomenergie sicherstellen und sauberen Schweizer Strom fördern. Vorgesehen sind 215 Millionen Franken pro Jahr. Doch ausgerechnet aus Sommarugas eigener Partei kommt Kritik.

SP-Fraktionschef und Energiespezialist Roger Nordmann sagt: «Die entscheidende Frage ist, ob man genug in der Schweiz investiert für die Stromversorgung, auch für jene im Winter. Das Paket geht nach meinem Dafürhalten nicht weit genug.» Der Bund müsste viel mehr in erneuerbare Energien investieren, wenn er die Energiewende schaffen wolle.

Doch Sommaruga hält fest: «Wir wollen vorwärtsmachen. Das Parlament wird sagen, wenn es unzufrieden ist mit der Höhe der Summe. Aber ich glaube, das Signal an die Branche ist jetzt, dass wir in der Schweiz in erneuerbare Energien investieren. Das ist wichtig.» Mit den Fördergeldern will der Bundesrat auch die Strommarkt-Liberalisierung mehrheitsfähig machen.

Im Ausland wurde der Strom teurer

Doch auch hier kommen die Kritiker aus den linken Reihen. So sagt etwa Bea Heim vom Gewerkschaftsbund: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Haushalte ein Interesse daran haben, den Strom auf dem freien Markt zu kaufen. Sie profitieren nicht davon.» Erfahrungen in anderen Ländern Europas zeigten zudem, dass der Strom in voll liberalisierten Märkten für die Haushalte nur teurer geworden sei.

Der Bundesrat reagiert auf diese Zweifel mit einer Neuerung. So sollen private Haushalte weiter bei ihrem herkömmlichen Stromanbieter Strom in der Grundversorgung beziehen können. Neu sollen aber diese Anbieter in der Grundversorgung zu 100 Prozent erneuerbaren Strom anbieten müssen.

Ihn überzeuge das nicht, erwidert Nordmann. «Das ist ein rhetorisches Blabla, um einen Widerspruch zu überdecken.» Er meint damit, dass der Bund zwar sauberen Strom fördern wolle, aber die meisten Haushalte zum billigeren, nicht erneuerbaren Strom auf dem freien Markt wechseln dürften.

Überzeugungskraft Sommarugas gefragt

Sommaruga lässt sich nicht beirren: «Mit diesem Grundversorgungsangebot stellen wir sicher, dass auch in der Schweiz investiert wird, also ein Anreiz für die Strombranche in der Schweiz geschaffen wird, tatsächlich jetzt in der Schweiz, und nicht länger vor allem im Ausland zu investieren.»

Gleichwohl wird sie noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, vor allem auch in den eigenen Reihen, wenn sie mit der Förderung der erneuerbaren Energien auch die Liberalisierung des Strommarktes durchbringen will.

Echo der Zeit, 03.04.2020; 18 Uhr

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Diese Art von Liberalisierung wird natürlich nicht funktionieren. Aktuell gibt es in der CH viel zu wenig erneuerbaren Strom um die genannte Grundversorgung auf 100% umstellen zu können. Also wären die meisten dann gezwungen für die 15+ Jahre bis es möglich ist, auszuweichen. Ausserdem wird der Preis der Grundversorgung höchst wahrscheinlich derart in die Höhe schnellen, dass ihn die meisten nicht stemmen können. Am Ende wird man läppisch sagen: "Seht, die Leute haben es ja gar nicht gewollt".
    1. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.
      Da niemand weiss, was in 3, 5 oder 10 Jahren sein wird, ist es einfach, zu behaupten, was nicht funktionieren wird.
    2. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      @AZ. Wenn wir ohne Not die Kernkraftwerke abstellen aber Wärmepumpen und Elektromobilität fördern ohne die Produktion von Strom zu steigern werden wir ein Problem haben - das merkt jeder der 1 und 1 zusammenzählen kann.
  • Kommentar von Rolf Balsiger  (Derstromer)
    Denn sie wissen nicht, was sie tun...
    Liebe ManagerInnen fragt doch einmal einen Techniker. Mit Physik kann man nicht verhandeln. Nach Corona kommt es faustdick: Blackout. Wetten, dass...
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Dazu gibt es keinen Grund. Sie können von Glück sagen dass wir keinen direkten Kontakt haben. Diese Wette würden Sie verlieren.
    2. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      Sie meinen nach dem lock out der black out? Darum testen wir jetzt wieviel Strom die Wirtschaft maximal sparen kann... Gute Nacht wer hofft, dass uns Frankreich oder Deutschland mit Strom aus der Patsche hilft wenn er denn mal knapp wird im Winter. Wir haben das ja soeben erlebt wie das funktioniert mit dem Zwischenstaatlichen Handel in Not.
  • Kommentar von Daniel Ackermann  (saskilte)
    Es ist im Winter schlicht nicht möglich 100% erneuerbare Energie zu produzieren. Zuwenig Sonneneinstrahlung, entwerder zuviel oder zuwenig Wind und zuwenig Turbinen für Wasserkraft.
    1. Antwort von Norbert Zehner  (ZeN)
      Praktisch alle Solaranlagen weltweit sind optimiert auf möglichst hohe Stromertragssumme über ganzes Jahr, aber in keiner Weise auf bedarfsgerechte Versorgung. Getrieben wird das durch für Versorgung völlig verquerte Einspeisevergütung, die keinerlei Bedarfskomponente hat. Mit flacherem Panel-Anstellwinkel könnte sehr tiefer Winterertrag deutlich erhöht werden (bleibt aber immer noch mager), damit sinkt aber Ertrag im Sommer und über ganzes Jahr beträchtlich. Planwirtschaft in Reinstform.
    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Es ist nicht korrket, Hr. Ackermann. Wenn die Speicherseen in ein Gesamtenergiekonzept eingebunden würden, was total Sinn machen würde, dann wäre die Solare Lücke im Winter locker mit Wasserkraft zu füllen. Aber es ist klar, mit dieser dummen Liberalisierung geht es natürlich nicht. Denn da sind die Seen im Dezember leer, weil im Oktober/November im Ausland gute Preise locken.
    3. Antwort von Norbert Zehner  (ZeN)
      b.r.; Völlige Illusion dass Wasserkraft mit bestehende Speicherseen auch nur ansatzweise Winterstrombedarf der CH ohne AKWs decken könnte. Dazu müssten einige Alpentäler gestaut werden und Speicherseen der Grand-Dixence Dimension angelegt werden. Mit in letzten 50 Jahren seit Grand-Dixence Erstellung politisch "weiterentwickelten" Umwelt- und Landschaftsschutz-Auflagen undenkbar. Bei Pumpbetrieb mit Solar PV werden effektive Stromkosten jenseits 50 Rp/kWh sein, dem mehr als 3-fachen von heute.