Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Efta und Mercosur einigen sich auf Freihandelsabkommen abspielen. Laufzeit 04:16 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 24.08.2019.
Inhalt

Pakt mit Mercosur-Staaten Ein Abkommen unter ungünstigen Vorzeichen

Wenn Freihandelsabkommen abgeschlossen werden, gibt es immer Gewinner und Verlierer. Das ist beim Abkommen der Schweiz und der anderen Efta-Staaten mit dem südamerikanischen Handelsbündnis Mercosur nicht anders. Speziell ist aber, dass die Einigung zu einem Zeitpunkt kommt, da die internationale Kritik an der Politik des wichtigsten Mercosur-Staates Brasilien immer schärfer wird.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Präsident Jair Bolsonaro hat mittlerweile zwar Truppen ins Katastrophengebiet geschickt. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass der Schutz des Regenwaldes und der indigenen Bevölkerung nicht zu den Prioritäten des Rechtspopulisten Bolsonaro gehören.

Schwieriger Zeitpunkt

Wegen der Brände droht mittlerweile auch die Ratifizierung des Freihandelsvertrags, welche die EU Ende Juni mit den Mercosur-Staaten ausgehandelt hat, zu scheitern. Frankreich und Irland kündigten bereits Widerstand gegen das Abkommen an.

Just in diesem Umfeld verkündet die Schweiz stolz den Verhandlungserfolg mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Es hätte sicher günstigere Zeitpunkte gegeben.

Schweizer Exporteure als Gewinner

Für die Schweizer Industrieunternehmen ist die Einigung zwar durchaus ein Erfolg. Sie gehören zu den Gewinnern des Abkommens und werden nicht mehr benachteiligt gegenüber der EU-Konkurrenz.

Zudem können sich Schweizer Unternehmen an öffentlichen Ausschreibungsverfahren in den Mercosur-Staaten beteiligen.

Indigene und Natur als Verlierer

Doch Nichtregierungsorganisationen befürchten, dass der Amazonas-Regenwald im Zuge des Abkommens noch stärker abgeholzt wird als ohnehin schon. Auch die Rechte der indigenen Bevölkerung sehen sie in Gefahr. Diese drohen zu den Verlierern des Abkommens werden.

Und die Schweizer Bauern setzen ein Fragezeichen hinter die Nachhaltigkeitsstandards in der brasilianischen Landwirtschaft, vor allem was den Einsatz von Pestiziden bei der Gemüseproduktion und dem Einsatz von Hormonen bei der Tierhaltung betrifft.

Zwar sieht das Abkommen in Sachen Nachhaltigkeit einen Dialog vor mit den Vertragsstaaten. Verbindlichen Richtlinien wurden allerdings keine festgeschrieben. Die Natur droht so ebenfalls zur Verliererin des Abkommens zu werden.

Konzessionen im Agrarbereich

Inwiefern auch die Schweizer Bauern zu den Verlierern gehören, ist noch unklar. Fest steht: Die Schweiz musste im Agrarbereich gegenüber den Mercosur-Staaten Konzessionen machen. Für Rindfleisch aus Brasilien und Argentinien etwa gelten künftig höhere Import-Kontingente als dies die internationalen Handelsvereinbarungen der WTO vorschreiben.

Neben der Schweizer Industrie gehören damit auch die südamerikanischen Bauern zu den Gewinnern des Abkommens.

Ob allerdings auch die Schweizer Bauern ihre Zustimmung zum Abkommen geben werden, ist fraglich. Zusammen mit dem erwartbaren Widerstand aus linken und grünen Kreisen, dürfte es den Bundesrat einiges an Überzeugungsarbeit kosten, um die Zustimmung des Parlaments zum Abkommen zu gewinnen.

Lorenzo Bonati

Lorenzo Bonati

Wirtschaftsredaktor, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Lorenzo Bonati ist Wirtschaftsredaktor SRF, mit den Spezialgebieten Arbeitsmarkt, Werkplatz Schweiz und Konsum. Zuvor arbeitete er bei der Nachrichtenagentur SDA und bei SRF 4 News. Er studierte Soziologie, Zeitgeschichte und Politikwissenschaft an der Uni Fribourg.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Bolsonaro will den Kampf gegen die Regenwald-Brände intensivieren. Der Schutz des Waldes ist unsere Pflicht.Wir werden entschlossen handeln, um die Feuer unter Kontrolle zu bringen. Was für grosse Worte. Umweltschützer werfen Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Wichtig wäre, dass die Löschung der Feuer unter Beobachtung steht und es nicht nur leere Worte bleiben. Bolsonaro ist alles zuzumuten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Schweizer Exporteure als Gewinner zum Preis der Abholzung des Regenwaldes. Ist das so? Ohne schlechtes Gewissen? Die Ureinwohner bangen um ihre Existenz.Der Regenwald ist für Bolsonaro vor allem eine ungenutzte wirtschaftliche Chance. Er will im Amazonasgebiet neue Weideflächen schaffen. Der wichtigste globale Schatz an Artenvielfalt würde geplündert. Und die Menschenrechte der mit und vom Amazonas lebenden indigenen Völker stehen auf dem Spiel. Natur und indigene Völker verlieren alles.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jaro Bels  (Gotod)
    Aber aus einem anderen Topf. Bolsonaro hin oder her. Bei einer Katastrophe, wo hundert tausende bedroht oder in Not sind, hilft man ( und richtig) meistens unkompliziert sofort. Da sind aber nun durch die Zerstörung des Urwalds Milliarden bedroht und wir kritisieren nur einen fragwürdigen Präsidenten und die oder andere Politik?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen