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Für Laien verbotene Pestizide in den Verkaufsregalen
Aus Kassensturz vom 22.06.2021.
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Pestizide im Hobbygarten Für Laien verbotene Pestizide in den Verkaufsregalen

Über 1300 Pestizide sind für den Verkauf an Laien verboten. Trotzdem verkaufen Gartencenter einige dieser Produkte.

Zehn Prozent aller Pestizide, die pro Jahr in der Schweiz verkauft werden, werden in Familiengärten und auf Balkonen gespritzt. Das sind rund 220 Tonnen pro Jahr.

Falsch verwendete Pestizide sind keine Lappalie, warnt der ehemalige Landschaftsgärtner Jean-Pierre Masclet: «Die Verwendung synthetischer Produkte führt zu Kollateralschäden an der Natur. Die Mittel reichern sich im Boden an.»

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Selbst für Laien zugelassene Mittel sind nicht ohne. Die Eawag-Gewässerforscherin Irene Wittmer warnte vor zwei Jahren im «Kassensturz» vor den Folgen einer unsachgemässen Anwendung.
Aus Kassensturz vom 07.05.2019.
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Wegen solcher Risiken gelten seit diesem Jahr strengere Regeln beim Verkauf solcher Pestizide. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) unterscheidet zwei Kategorien: Pestizide für Hobbygärtner oder für Profis. Neu darf unter der Bezeichnung «nichtberufliche Verwendung» nur noch knapp ein Viertel aller 1770 zugelassenen Pestizide an Hobbygärtner verkauft werden.

Informationen über Zulassung und Gefahren von Pestiziden

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Informationen über Zulassung und Gefahren von Pestiziden

Auf jedem Pflanzenschutzmittel ist eine Kontrollnummer aufgedruckt. Diese Nummer (zum Beispiel: 6876-1) kann auf der Website des Bundesamts für Landwirtschaft, Link öffnet in einem neuen Fenster eingegeben werden. Zu jedem Pestizid erscheinen dann Informationen zu Verwendung und Gefahren.

Pestizide in falschen Händen

Halten sich Gartencenter und Baumärkte an diese Vorschrift? Die Sendung «A bon Entendeur» des Westschweizer Fernsehen RTS prüft bei sieben Läden nach und stellt fest: Alle Läden verkaufen Produkte, welche gemäss dem BLW nicht in die Hände von Pestizid-Amateuren gehören. Insgesamt waren es zwölf verschiedene Pflanzenschutzmittel.

Ertappte Läden reagieren sofort

Konfrontiert mit diesem Resultat, reagieren die Läden und entfernen die betroffenen Produkte unverzüglich aus den Regalen. Warum waren die Produkte überhaupt erhältlich? Viele Läden schieben die Verantwortung auf ihre Lieferanten ab. Die Firma Stähler in Zofingen ist ein solcher Grosshändler. Das Unternehmen beliefert Bauern und Landi mit Pflanzenschutz-Produkten. Verkaufsleiter Andreas Friedli sagt gegenüber «A bon Entendeur»: «Hätten uns die zuständigen Behörden früher informiert, hätten wir uns noch arrangieren können. Aber wir hatten die Läden längst beliefert.»

Handel kritisiert die Behörden

Hat das zuständige Bundesamt für Landwirtschaft die Branche ungenügend vorinformiert? BLW-Sprecherin Florie Marion kontert: «Die Händler sind doch die Profis der Branche und sollten über die Änderungen in ihrem Fachgebiet informiert sein. Ausserdem wurde die Liste mit den Produkten für Laien bereits im Jahr 2018 eingeführt.»

In Frankreich ist der Verkauf von Pestiziden an Privatpersonen seit 2019 verboten. Die Schweiz ist noch nicht soweit. Für den ehemaligen Landschaftsgärtner Jean-Pierre Masclet geht es schon heute fast ohne Chemie: «Nach und nach entsteht im Gemüsegarten Gleichgewicht zwischen Parasiten und Nützlingen. Die Schäden gehen zurück und wir können sanftere Mittel einsetzen.»

Kassensturz, 22.06.2021, 21:05 Uhr

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Wenn die Landwirtschaft weiterhin tonnenweise Pestizide auf den Boden kippen darf, ist es rein logisch nicht einzusehen, warum Private das nicht auch können sollen. Volksabstimmung gefällig...? ;-)
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  • Kommentar von Daniel Müller  (Filter11)
    Meines Erachtens gehören diese Giftstoffe nicht in den Verkauf für Laien. Hatte schon vor Jahren einen Detailhändler wegen einem Roundup-Produkt angesprochen. Irgendwann waren diese Produkte zum Glück weg aus den Regalen. Und dennoch muss man bei der Landi z. Bsp. gut hinsehen. Die Fenaco verdient ja mit Pestiziden gutes Geld. Ein generelles Verbot muss her.
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  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Die meisten Privatgärten sind nicht die Natur. Das ist auch nicht das Ziel und war auch schon "künstlich" gewollt bei Louis XIV und seinen Gärten. Man will dort exotische Pflanzen und vieles, das hier natürlich nicht heimisch ist oder in dominanter Kombination. So etwas Künstliches kann meistens nur mit künstlichen Mitteln erschaffen und erhalten werden. Ich sehe da lokal auch kein Problem.
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