Pharmakonzerne wie Roche mit weltweit über 100’000 Angestellten oder Novartis mit gegen 80’000 kennen alle. Ganz anders Windward Bio: Die Basler Biotech-Firma startete vor einem Jahr mit 15 Personen. Ende 2026 sollen es 45 sein. Grosse Hoffnungen hegt sie bei ihren Wirkstoffen gegen Asthma und die Lungenkrankheit COPD, wie Gründer und Geschäftsführer Luca Santarelli sagt: «Der Markt für Asthma und COPD wird in den kommenden zehn Jahren auf 25 Milliarden Dollar anwachsen. Wir denken, wir können eine starke Position erreichen in diesem Markt.»
Mit seinem Optimismus ist Santarelli nicht allein. Letztes Jahr hat seine Firma von Investoren rund 200 Millionen Dollar erhalten – so viel privates Geld wie keine andere Schweizer Biotech-Firma. Windward Bio ist hoch spezialisiert, hat aber nicht einmal eigene Labors. Vielmehr suchte die Firma nach Wirkstoffen, etwa an Kongressen oder Messen. In China wurde sie fündig. Die zwei gekauften Wirkstoffe entwickelt sie nun weiter.
Ähnlich arbeitet die Curatis in Liestal, die mit zehn Angestellten und ebenfalls ohne eigenes Labor bereits an der Börse kotiert ist. Diese Biotech-Firma setzt auch auf bewährte Substanzen, weil dazu schon Daten über Wirkung und Sicherheit vorhanden sind, und sucht neue Anwendungen dafür. So sind Entwicklungskosten und -risiko kleiner.
Zehn Angestellte – Umsatzpotenzial eine Milliarde
Derzeit arbeitet Curatis unter anderem an einem Medikament gegen Hirntumor-Ödeme, das laut Geschäftsführer Roland Rutschmann weltweit rund 500’000 Betroffenen helfen könnte. «Das Umsatzpotenzial wird gemäss einer Analystenstudie auf über eine Milliarde Franken geschätzt.»
Der Schritt von einem Wirkstoff bis hin zum marktreifen Medikament dauert jedoch lange, ist risikoreich und extrem teuer. Oft sind die klinischen Phasen, in denen die Wirkung mit Versuchen an Menschen getestet wird, nur noch mit Investorenhilfe zu finanzieren. Das können spezialisierte Finanzunternehmen sein oder eben Pharmakonzerne.
Die grossen Pharmakonzerne brauchen zudem die kleinen Biotech-Firmen: Sie müssen laufend neue, einträgliche Medikamente finden, um Einbusse wegen der Generika-Konkurrenz zu kompensieren, wenn der Patentschutz ihrer Medikamente abläuft. Weltweit dürften die Konzerne in den nächsten fünf bis sechs Jahren so rund 300 Milliarden Dollar Einnahmen verlieren, schätzt Frederik Schmachtenberg vom Beratungsunternehmen EY. Neben den eigenen Forschungsabteilungen interessiert Big Pharma darum sehr, woran kleine Biotech-Firmen arbeiten.
Auch für Roche sind die Externen wichtig: Rund 60 Prozent der Medikamente, die Roche derzeit auf dem Markt oder in der eigenen Pipeline habe, seien ursprünglich ausserhalb des Basler Konzerns entstanden, sagte Konzernchef Thomas Schinecker am «Swiss Biotech Day». So finanziere sein Unternehmen mit einem Grossteil der Gewinne auch die Biotech-Branche.
Berater Frederik Schmachtenberg beziffert die Investitionen in die Biotech-Firmen im letzten Jahr landesweit auf 2.6 Milliarden Franken, davon fliesst rund 1 Milliarde allein in Firmen in der Region Basel.
Im Moment der Investition ist indes der Erfolg noch ungewiss: Nicht aus jedem Wirkstoff wird ein Medikament, etwa weil die klinischen Studien die Laborergebnisse nicht oder zu wenig bestätigen. Stoffe oder Firmen einzukaufen, ist darum ein finanzielles Risiko.