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Andy Müller, Bundeshausredaktor: «Seiler Graf hat versucht, einen neuen Partner zu finden»
Aus Tagesschau vom 15.06.2020.
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Präsidium in Griffweite SP-Spitze wird wohl jünger und provokanter

Eigentlich entscheiden die SP-Delegierten erst im Oktober über die Nachfolge ihres langjährigen Parteipräsidenten Christian Levrat. Doch bereits heute ist ein bedeutender Vorentscheid gefallen und möglicherweise sind die Würfel sogar schon ganz gefallen: Für Mattea Meyer und Cédric Wermuth rückt das Präsidium in Griffweite.

Meyer/Wermuth im Vorteil

Zwar geht im August nochmals ein Partei-internes Bewerbungsfenster für neue Kandidaturen auf. Möglich, dass es weitere Kandidaturen gibt, die in SP-Kreisen aber schon jetzt als ziemlich chancenlos beurteilt werden.

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Nach Reynard zieht sich auch Seiler Graf zurück
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Denn das junge, urbane, aber auch polarisierende Duo Meyer/Wermuth war von Anfang an in der Pole Position. Die beiden stehen für den Wandel der SP in den letzten Jahren und vertreten die bedeutendste Wählerschicht der neuen SP – ein links-intellektuelles, urbanes Publikum, das mit dem klassischen Arbeitermilieu kaum mehr Berührungspunkte hat.

Die Zürcherin Priska Seiler Graf und der Unterwalliser Matthias Reynard positionierten sich zwar geschickt als breiter wählbare Alternative zum Duo Meyer/Wermuth. Sie, die Pragmatikerin, die man gerne im liberalen Flügel sieht, die aber eigentlich ziemlich genau in der Mitte der SP politisiert. Er, der junge Gewerkschafter und Romand. Die Westschweizer Stimmen wären ihnen sicher gewesen.

Linksliberaler Flügel in der Minderheit

Seiler Graf suchte in den letzten Tagen intensiv nach einem neuen Partner oder einer Partnerin, da sich Reynards Verzicht abzeichnete. Aber einen zweiten Reynard gab es einfach nicht. Diese scheinbar perfekte Paarung liess sich nicht einfach kopieren. Und Seiler Graf war sich sehr bewusst, dass sie alleine kaum Wahlchancen gehabt hätte gegen das Favoriten-Duo Meyer/Wermuth.

Zwar bedauern linksliberale Vertreter, dass es nun keine Kandidatur aus der Mitte der Partei gibt. So gebe es keine echte Auswahl mehr. Doch schaut man sich die SP-Bundeshausfraktion genauer an, so muss man feststellen, dass sich die linksliberalen Kräfte an einer Hand abzählen lassen.

Die SP im Parlament wurde in den letzten Jahren linker und urbaner. Das Duo Meyer/Wermuth repräsentiert die SP auf nationaler Ebene wohl besser als Seiler Graf und Reynard. Diesem Duo wurde zwar mehr Brückenbauer-Qualitäten attestiert. Bei den wenigen öffentlichen Auftritten, die es vor Ausbruch der Coronakrise noch gab, wirkte aber besonders der junge Reynard fast etwas altmodisch.

Pointiert linker Kurs erfolgversprechend

Die SP gehört zu den Verlierern der nationalen Wahlen im vergangenen Herbst. Ihr ist es kaum gelungen, mit ihrer Klimapolitik zwischen Grünen und Grünliberalen zu punkten. Mit der Coronakrise und länger andauernden wirtschaftlichen Problem dürften zwar soziale Themen wieder wichtiger werden; davon könnte die SP grundsätzlich profitieren. Dennoch reicht die Themenkonjunktur alleine kaum aus, um wieder auf die Erfolgsspur zu finden.

Ein Ausweg für die SP könnte ein pointiert linkeres Programm sein. Die Partei würde unter Meyer/Wermuth wohl wieder öfters anecken, es könnte auch Partei-intern zu mehr Streitigkeiten über den richtigen Kurs kommen. Aber so könnte die SP auch wieder an Ecken und Kanten gewinnen.

Andy Müller

Andy Müller

SRF-Bundeshausredaktor

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Andy Müller ist Bundeshausredaktor des Schweizer Fernsehens. Zuvor war er Themenplaner und stellvertretender Redaktionsleiter von 10vor10. Er arbeitet seit 2007 für SRF.

Tagesschau, 15.06.2020, 19:30 Uhr

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51 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    Tolles DUO. So wie in D wo der Hehler Borjans mit der linken Eskens die SPD in ungeahnte Tiefen führt, so geht das dann auch bei uns. Diese LINKEN treiben die Wähler zu Parteien die sich mehr in der Mitte befinden. Was heisst denn: ÜBERWINDUNG des Kapitalismus? Bisher ist das die Gesellschaftsform die den Menschen am meisten gebracht hat.
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  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Wieso braucht es bei SP, Grünen und weiteren Parteien und Gruppierungen im linken Lager eigentlich immer ein Co-Präsidium? Kann nicht eine Person für allfällige Siege und Niederlagen alleine „den Kopf hinhalten“?
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  • Kommentar von Thomas Bünzli  (Tumasch)
    Wer sich politisch interessiert und verfolgt, wer welche Vorschläge bringt und wer was erreicht, wird schnell feststellen, dass die SP diejenige Partei ist, welche sich am meisten und erfolgreichsten um Menschen mit einem eher tieferen Einkommen gekümmert hat. Dass nun über die allfällige neue Führung der SP so gelästert und völlig faktenfrei behauptet wird, dass die SP die " Büezer " nicht mehr erreiche, ist schlicht Unsinn. Aber wer lieber die SVP und Grosseinkommen unterstützt - bitte sehr!
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