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Das Impfen spaltet die Gesellschaft
Aus 10 vor 10 vom 23.07.2021.
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Privilegien für Geimpfte Covid-Zertifikat am Arbeitsplatz spaltet die Gesellschaft

Einzelne Unternehmen schenken geimpften oder genesenen Angestellten gewisse Freiheiten. Der Druck auf den Bevölkerungsteil ohne Zertifikat steigt, ein Riss geht durch die Schweiz.

Schon geimpft? Eine simple Frage, die die Gesellschaft spaltet. Fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung ist vollständig geimpft und Besitzerin eines Covid-Zertifikats – und hat damit das Ticket für gewisse Privilegien in der Tasche.

Das Bündner Unternehmen Hamilton Bonaduz etwa befreit seit dieser Woche geimpfte und genesene Angestellte von der Maskenpflicht. «Das machen wir vor allem deshalb, weil wir unseren Mitarbeitenden eine Erleichterung gewähren wollen, vor allem jenen in der Produktion, die unter harten und heissen Bedingungen arbeiten», sagt Mediensprecherin Noemi Deak. Die Belegschaft spalte sich dadurch nicht, da sie schon immer offen über die Impffrage diskutiert habe. «Die Erleichterung wurde willkommen geheissen, hat aber keine grossen Wellen geworfen.»

Schutz der Arbeitenden

Dass der Arbeitgeber Zertifikat-Besitzern gewisse Extras zugesteht, befürwortet Verena Herzog, SVP-Nationalrätin und Mitglied der Sozial- und Gesundheitskommission (SGK) des Nationalrats. «Es ist nur recht, dass man gewisse Erleichterungen haben soll, wenn man seine Pflicht wahrnimmt. Das leuchtet den meisten Leuten am wenigsten ein, wenn ich geimpft bin und dann auch noch eine Maske tragen muss.».

Eine Diskriminierung sei dies nicht, sondern ein urliberaler Gedanke: «Ein Arbeitgeber muss seine Leute schützen können. Ihm ist es ein Anliegen, dass seine Leute arbeiten können. Ein Baustellenleiter schaut auch, dass seine Leute Helme tragen.»

Verständnis fehlt auf beiden Seiten

Laut Ethikerin Ruth Baumann-Hölzle entsteht dadurch eine problematische Klassifizierung. «Es geht nicht nur um Maske und nicht Masken, sondern es geht im Hintergrund implizit immer auch um eine moralische Wertung.»

Wir haben ethische Dilemmas. Die können wir nie lösen, sonst wären es keine Dilemmas.
Autor: Ruth Baumann-Hölzle Theologin und Gründerin der Stiftung Dialog Ethik

Die Folge: eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Es fehle das Verständnis von beiden Seiten, sowohl von der Impf-Pro-Seite als auch von der Kontra-Seite. «Wir haben ethische Dilemmas. Die können wir nie lösen, sonst wären es keine Dilemmas, aber wir können besser oder schlechter damit umgehen.»

Informieren statt privilegieren

Grüne-Nationalrätin und SGK-Mitglied Katharina Prelicz-Huber ist vorerst gegen Druck und Sanktionen und befürwortet offensive Kampagnen. «Solange wir noch nicht wirklich ausgenutzt haben, dass man die Leute gut informiert hat, dass wir mit der Impfung vor Ort gegangen sind und niederschwellig geimpft haben, müssen wir noch zuwarten mit Sanktionierungen.» Diese brächten die Gesellschaft auseinander, statt zusammen.

Statt Ungeimpfte und Geimpfte unterschiedlich zu behandeln, sollten einheitliche Lösungen gefunden werden. «Wir müssen miteinander reden, dass wir keine Ausgeschlossenen haben. Sonst gibt es Verhärtungen und ein schlechtes Klima», sagt Prelicz-Huber.

Die Impffrage spaltet. Doch das Ziel bleibt wohl für alle das Gleiche: Die Pandemie so schnell wie möglich beenden.

10 vor 10, 23.07.2021, 21:50 Uhr;

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237 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Steiner  (DS.Steffisburg)
    Es ist noch gar nicht sicher, dass Geimpfte das Virus nicht weitergeben können. Solange das nicht klar ist, gibt es keinen Grund die Geimpften zu privilegieren. In Israel landen angeblich auch Geimpfte im Spital...
    Würden alle Fachleute mit unterschiedlichen Meinungen aus ihrer Beobachtung und Erfahrung gehört und nicht nur die einen akzeptiert und die anderen als Verschwörer abgestempelt, wäre die Stimmung evtl. nicht so gehässig und wir hätten das nötige Miteinander statt Gegeneinander!
    1. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      "In Israel landen angeblich auch Geimpfte im Spital..."

      Neu auf Intensiv am

      20.07: Geimpft 3 / Ungeimpft 7

      21.07: Geimpft 6 / Ungeimpft 5

      22.07: Geimpft 13 / Ungeimpft 4

      23.07: Geimpft 7 / Ungeimpft 4

      Quelle: MOH Israel
    2. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      "In Israel landen angeblich auch Geimpfte im Spital..."

      Wenn Sie ein bisschen suchen, finden sich die Zahlen zu den täglichen Hospitalisationen und Eintritten auf Intensiv, mit Angabe, ob geimpft, teilweise geimpft oder ungeimpft, beim israelischen Gesundheitsamt (MOH).
  • Kommentar von Daniel Steiner  (DS.Steffisburg)
    Es ist so, dass man noch sehr wenig weiss. Der Mensch muss die Freiheit haben, sich entweder für das Restrisiko eines schweren Verlaufs von Covid oder für das Restrisiko einer problematischen Impfnebenwirkung zu entscheiden, denn beides ist möglich. Versetzen Sie sich mal in eine Person, die schwere Impfnebenwirkungen hat, die aber zur Impfung gezwungen wurde. Das ist sehr problematisch. Ich werte hiermit die Impfung nicht. Es geht mir aber um ein wichtiges Grundrecht, das erhalten bleiben muss.
  • Kommentar von Lukretia Candreja  (Lukretia)
    Nach den neusten Lockerungen kann jede Firma selbst entscheiden, ob sie Maskenpflicht möchte oder nicht. Hamilton macht das nun von geimpft oder genesen abhängig. Ist ihr gutes Recht und die Ethikerin geht das eigentlich gar nichts an. Die Ethikerinnen können sich gerne wieder melden, wenn GGG im Öffentlichen Raum (z.B. ÖV) kommen sollte…
    1. Antwort von Angela Doppelhofer  (AnDoHo)
      Wenn GGG im öffentlichen Raum kommen sollte….
      Mit Betonung auf WENN …das Wörtchen wenn nicht wär wär mein Vater Millionär.. nicht schwarzmalen das kommt auf keinen Fall! Im ÖV!
    2. Antwort von Conny Hasler  (conhas)
      genau, ich finde dies eine gute und pragmatische Lösung
    3. Antwort von Conny Hasler  (conhas)
      Lukas Engelberger, GDK Präsident, hat den Voschlag gemacht, SRF, 12.27, das Zertifikat auf versch. Veranstaltungen, Gastronomie, Fitnessstudios auszuweiten; aber weder auf Läden, noch OeV; guter Vorschlag; da wird sich sicher der eine ode andere überlegen, 2 x impfen ist ja viel einfacher als sich andauernd testen zu lassen.
    4. Antwort von Rolf Huber  (RolfHuber)
      Nein, den Arbeitgeber geht mein Impfstatus nichts an. Gesundheitliche Daten sind tabu. Selbst eine geplante Schwangerschaft muss man nicht kundgeben. Dass man dies überhaupt diskutiert, ist absolut krass und wird zu Konflikten in der Gesellschaft führen.