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Profi mit Kampfstiefel-Dispens Wegen E-Mail-Fails: Handball-Talent verpasst die Spitzensport-RS

Nationalspieler Luca Sigrist erfüllt alle Kriterien für die Spitzensport-Rekrutenschule. Geklappt hat es trotzdem nicht.

Er ist der Shootingstar beim Handballclub Kriens-Luzern: Luca Sigrist. Seit rund zwei Jahren ist der junge Luzerner Leistungsträger beim Innerschweizer Verein. Im Sommer wechselt der Nationalspieler zu MT Melsungen in die deutsche Bundesliga. Eine der besten Ligen der Welt.

Handballspieler bereitet sich auf Wurf vor.
Legende: Luca Sigrist gilt im Handballsport als Ausnahmetalent. Keystone/Urs Flüeler

Häufiger als das Handballdress trägt der 20-Jährige derzeit allerdings den Tarnanzug. Bevor es nach Deutschland geht, absolviert Sigrist in Emmen die Rekrutenschule. Bei der bodengestützten Luftverteidigungsschule 33 – kurz Bodluv 33.

Sigrists Funktion: Systemsoldat. Als solcher unterstützt er den Betrieb und die Infrastruktur des Militärs. Oder wie es der Sportler aus Hochdorf LU ausdrückt: «Ein Systemsoldat ist quasi der Hausabwart der Kaserne. Wir putzen, räumen auf und springen ein, wo Not am Mann ist.»

Falsche E-Mail-Adresse sorgt für Frust

Statt in Emmen könnte Luca Sigrist derzeit theoretisch auch in Magglingen sein. Der Nationalspieler würde alle Kriterien für die dortige Spitzensport-RS erfüllen, die Profisport und militärische Dienstpflicht optimal miteinander verbinden soll. Doch daraus wurde nichts. Was lief schief?

Handballspieler erhält Auszeichnung in Sportarena mit Publikum.
Legende: Im ersten Spiel des Playoff-Viertelfinals vom 8. April hat Top-Scorer Luca Sigrist 15 Tore erzielt und die Auszeichnung für den besten Krienser Spieler der Partie erhalten. SRF/Primus Ettlin

«Beim Schweizerischen Handballverband war eine falsche E-Mail-Adresse von mir hinterlegt», sagt Luca Sigrist. «Dadurch erhielt ich unter anderem keine Einladung zum Infotermin in Magglingen.»

Das böse Erwachen gab's bei der Aushebung. Zu einem Zeitpunkt, als der Anmeldeschluss längst vorbei war. «Am Anfang war ich schon frustriert.»

Regeln des Militärs gelten auch für ihn

Trotzdem versucht Sigrist nun, seine Profikarriere neben der Dienstpflicht voranzutreiben. Im Armee-Jargon gilt er als «qualifizierter Athlet». Heisst: Pro Woche stehen ihm vier Trainingseinheiten à drei Stunden zu. Und er kann an regulären Wettkämpfen teilnehmen.

Zudem hat Sigrist offiziell die Erlaubnis, Turnschuhe zu tragen. Die Kampfstiefel machten der Achillessehne Probleme. Seither hat er eine Dispens. Weitere Privilegien? Fehlanzeige.

Auch für Soldat Sigrist gelten die Spielregeln des Militärs. 80 Prozent des Dienstes müssen absolviert werden. «Mehr als 24 Tage Urlaub über die 18 Wochen kann ich ihm nicht geben», sagt Enric Amigo, Oberst im Generalstab und Kommandant der Bodluv-Schule 33.

Mann in Militäruniform lächelt auf einem Parkplatz mit Lastwagen.
Legende: Enric Amigo verantwortet als Kommandant die Ausbildung der bodengestützten Luftverteidigung in Emmen. SRF/Primus Ettlin

Beim Besuch heisst es für einen Grossteil der gut 400 Rekruten und Rekrutinnen: Packen für die Verlegung. Nicht aber für Luca Sigrist. Er wird in Emmen bleiben. «Ein Entscheid im Rahmen der Sportförderung», sagt Amigo. «Nur so kann ich ihm mit der räumlichen Nähe zum Trainingsort Kriens adäquate Trainingsmöglichkeiten gewährleisten.»

Verein versucht Schlafdefizit aufzufangen

Auch der Handballclub kommt dem Luzerner bestmöglich entgegen. Seine Trainings werden auf die körperliche Belastung der RS abgestimmt – und auf seinen Schlaf. «Als Sportler sollte man acht bis zehn Stunden schlafen. Hier sind es nur noch sechs Stunden», sagt Sigrist. Am Anfang sei dies hart gewesen. Mittlerweile sagt er: «Es ist immer noch nicht einfach, aber ich habe gelernt, damit umzugehen.»

Ich bin schon froh, wenn die RS durch ist.
Autor: Luca Sigrist

Noch bis Mitte Mai dauert sein Spagat zwischen Training, Playoff-Spielen und Rekrutenschule. Mit Blick auf die verbleibenden Wochen in der RS sagt der Handballer: «Ich bin schon froh, wenn es durch ist.» Eine Aussage, die wohl auch mancher Kamerad unterschreiben würde.

Regionaljournal Zentralschweiz, 10.4.2026, 17:30 Uhr ; 

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