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Unter Dauerbelastung Start der RS: Zwischen Dienstpflicht und Überforderung

Wenig Schlaf, klare Befehle, kaum Privatsphäre: Der Start der Rekrutenschule ist für viele junge Menschen ein radikaler Einschnitt. Besonders die ersten Wochen bringen Körper und Psyche an ihre Grenzen. Wie schnell die Belastung kippen kann – und wie die Armee heute damit umgeht.

Gerade zu Beginn der Rekrutenschule ist die Belastung besonders hoch. Der Tagesablauf ist eng getaktet, Fehler fallen sofort auf, Zeit für Rückzug fehlt. Der Umbruch von einem normalen geschützten Alltag rein in die Militärwelt ist radikal. Viele funktionieren weiter, obwohl sie längst überfordert sind. Psychische Belastung wächst oft leise und bleibt lange unsichtbar.

Diesem Druck auf Dauer standzuhalten, ist für die menschliche Psyche schwierig. Sich dann zum richtigen Zeitpunkt Hilfe zu holen, oft noch schwieriger. Das erlebt auch SRF-Host und Arzt Willi Balandies aus nächster Nähe mit. Er ist mit dabei, als ein junger Rekrut diesen Schritt beim Psychologisch-Pädagogischen Dienst der Armee PPD macht.

Kein Wochenendurlaub in Emmen

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Ein Rekrut der Kaserne Emmen ist aufgrund einer Meningitis-Infektion in der Nacht auf Samstag hospitalisiert worden. Weitere 120 Rekrutinnen und Rekruten durften vorsorglich nicht in den Wochenendurlaub.

Die Kameradinnen und Kameraden des erkrankten Rekruten werden prophylaktisch mit Antibiotika behandelt, schrieb die Armee. Sie verbringen das Wochenende in der Kaserne, um mögliche weitere Ansteckungen einzugrenzen.

Psychische Grenzen

Der Rekrut sitzt ruhig da, wirkt gefasst. Doch innerlich ist er am Limit. Seit Tagen schläft er schlecht, körperlich ist er zunehmend erschöpft. Alles ist neu, alles fremd, alles überfordernd. Zusätzlich belastet ihn eine psychische Erkrankung seiner Mutter. Er möchte ihr helfen, ist zwischen Dienst und Familie hin- und hergerissen und bittet darum, entlassen zu werden.

Doch das ist nicht so einfach, denn es herrscht «Dienstpflicht». Dieser zusätzliche Druck ist für den Rekrut schwer aushaltbar, und er stellt sich die Frage, die viele ganz am Anfang der RS beschäftigt: Soll ich aussteigen oder es einfach durchziehen?

Wenn die Rekrutenschule zu viel wird

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Die ersten Wochen der Rekrutenschule sind besonders belastend. Anhaltender Schlafmangel, starke Erschöpfung, innere Unruhe oder der Gedanke ans Aussteigen sind Warnsignale.

Wer merkt, dass Körper oder Psyche nicht mehr mitmachen, sollte früh reagieren. Rekruten können sich an Vorgesetzte, den Sanitätsdienst oder direkt an den Psychologisch-Pädagogischen Dienst der Armee wenden. Dort werden Gespräche vertraulich geführt und Optionen geprüft.

Hilfe zu holen ist kein Versagen – sondern schützt die eigene Gesundheit.

Für SRF-Host und Arzt Willi Balandies ist diese Militärumgebung zwar nicht neu, aber schon fast in Vergessenheit geraten. Balandies erinnert sich, dass auch er in den ersten Wochen seiner RS-Zeit Mühe hatte, sich an diese Umgebung zu gewöhnen. Aber wie erleben die Rekrutinnen und Rekruten von heute diese Belastung?

Körperliche Grenzen

Währenddessen arbeitet SRF-Host und Arzt Afreed Ashraf einen Tag lang als Militärarzt in der Krankenabteilung mit. Denn nicht nur die Psyche leidet, sondern auch der Körper. Ashraf behandelt Blasen, Schmerzen, Grippesymptome und Erschöpfung. Kleine Beschwerden entscheiden über Dienst oder Pause. Für den Notfallspezialisten ist diese Welt ungewohnt, und sie wirft Fragen auf.

Eine Stelle, die hinschaut

Zurück zu Willi Balandies und dem jungen Rekruten beim PPD der Armee. Dieser ist immer noch im Gespräch mit dem Psychologen Dominik Meier. Der Psychologe muss beurteilen, wie es mit der Dienstfähigkeit des Rekruten aussieht. Eine Situation, die er in den ersten Wochen des RS-Starts häufig antrifft.

Die Situation belastet den jungen Rekruten. Ob dieser nun weiterdienen soll oder pausieren darf, entscheidet schlussendlich aber nicht der Psychologe allein, sondern immer in Absprache mit dem Truppenarzt. Klar ist für Dominik Meier: Die Dienstpflicht gilt es grundsätzlich zu erfüllen. Jemanden davon zu befreien, muss gut begründet sein.

Was Rekruten wissen müssen

Die Anlaufstelle des Schweizer Militärs in Form des Psychologisch-Pädagogischen Dienstes der Armee PPD ist für Rekruten und deren psychische Gesundheit hilfreich.

Wer merkt, dass es nicht mehr geht, sollte darum nicht warten. Hilfe zu holen sei kein Versagen, sondern schütze die eigene Gesundheit, sagt Dominik Meier.

Zahlen zum RS-Start im Winter 2026

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Die erste Rekrutenschule 2026 begann am 12. Januar.

12’704 Rekrutinnen und Rekruten sowie 2728 Kader starten ihre Grundausbildung.

Der Anteil der Frauen liegt bei 2.4 Prozent.

SRF 2, Wissen@SRF, 4.2.2026, 17:00 Uhr

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