Gerade zu Beginn der Rekrutenschule ist die Belastung besonders hoch. Der Tagesablauf ist eng getaktet, Fehler fallen sofort auf, Zeit für Rückzug fehlt. Der Umbruch von einem normalen geschützten Alltag rein in die Militärwelt ist radikal. Viele funktionieren weiter, obwohl sie längst überfordert sind. Psychische Belastung wächst oft leise und bleibt lange unsichtbar.
Diesem Druck auf Dauer standzuhalten, ist für die menschliche Psyche schwierig. Sich dann zum richtigen Zeitpunkt Hilfe zu holen, oft noch schwieriger. Das erlebt auch SRF-Host und Arzt Willi Balandies aus nächster Nähe mit. Er ist mit dabei, als ein junger Rekrut diesen Schritt beim Psychologisch-Pädagogischen Dienst der Armee PPD macht.
Psychische Grenzen
Der Rekrut sitzt ruhig da, wirkt gefasst. Doch innerlich ist er am Limit. Seit Tagen schläft er schlecht, körperlich ist er zunehmend erschöpft. Alles ist neu, alles fremd, alles überfordernd. Zusätzlich belastet ihn eine psychische Erkrankung seiner Mutter. Er möchte ihr helfen, ist zwischen Dienst und Familie hin- und hergerissen und bittet darum, entlassen zu werden.
Doch das ist nicht so einfach, denn es herrscht «Dienstpflicht». Dieser zusätzliche Druck ist für den Rekrut schwer aushaltbar, und er stellt sich die Frage, die viele ganz am Anfang der RS beschäftigt: Soll ich aussteigen oder es einfach durchziehen?
Für SRF-Host und Arzt Willi Balandies ist diese Militärumgebung zwar nicht neu, aber schon fast in Vergessenheit geraten. Balandies erinnert sich, dass auch er in den ersten Wochen seiner RS-Zeit Mühe hatte, sich an diese Umgebung zu gewöhnen. Aber wie erleben die Rekrutinnen und Rekruten von heute diese Belastung?
Körperliche Grenzen
Währenddessen arbeitet SRF-Host und Arzt Afreed Ashraf einen Tag lang als Militärarzt in der Krankenabteilung mit. Denn nicht nur die Psyche leidet, sondern auch der Körper. Ashraf behandelt Blasen, Schmerzen, Grippesymptome und Erschöpfung. Kleine Beschwerden entscheiden über Dienst oder Pause. Für den Notfallspezialisten ist diese Welt ungewohnt, und sie wirft Fragen auf.
Eine Stelle, die hinschaut
Zurück zu Willi Balandies und dem jungen Rekruten beim PPD der Armee. Dieser ist immer noch im Gespräch mit dem Psychologen Dominik Meier. Der Psychologe muss beurteilen, wie es mit der Dienstfähigkeit des Rekruten aussieht. Eine Situation, die er in den ersten Wochen des RS-Starts häufig antrifft.
Die Situation belastet den jungen Rekruten. Ob dieser nun weiterdienen soll oder pausieren darf, entscheidet schlussendlich aber nicht der Psychologe allein, sondern immer in Absprache mit dem Truppenarzt. Klar ist für Dominik Meier: Die Dienstpflicht gilt es grundsätzlich zu erfüllen. Jemanden davon zu befreien, muss gut begründet sein.
Was Rekruten wissen müssen
Die Anlaufstelle des Schweizer Militärs in Form des Psychologisch-Pädagogischen Dienstes der Armee PPD ist für Rekruten und deren psychische Gesundheit hilfreich.
Wer merkt, dass es nicht mehr geht, sollte darum nicht warten. Hilfe zu holen sei kein Versagen, sondern schütze die eigene Gesundheit, sagt Dominik Meier.