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Wenn die Böden gesund sind, braucht es viel weniger Pestizide in der Landwirtschaft.
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 25.02.2021.
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Projekt in Baselland Kanton und Bauern kämpfen gemeinsam gegen Pestizide in Gewässern

Viele Gewässer sind mit Pestiziden belastet. Im Baselbiet arbeiten Bauern und Kanton eng zusammen, um das zu ändern.

Der Kuhgrabenbach ist ein kleines Bächchen, das im Leimental durch Wälder, Wiesen und an Felder vorbeifliesst und in der Vergangenheit zeitweise stark mit Pestiziden belastet war. Mittlerweile sei die Belastung jedoch deutlich zurückgegangen, sagt Nadine Konz vom Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie.

Frau blickt in einen Bachlauf
Legende: Nadine Konz kontrolliert den Erfolg des Projekts anhand der Wasserqualität des kleinen Kuhgrabenbachs. SRF

Zwar könne sie keine genauen Zahlen nennen, dafür reichen die vier Jahre noch nicht aus. Doch man sei auf gutem Weg, bilanziert die Projektleiterin nachdem die Projekt-Halbzeit nun um ist.

Seit vier Jahren arbeiten im Leimental 16 konventionelle Bauernbetriebe, die nicht nach Bio-Standard produzieren, mit dem Kanton zusammen. Das Ziel des sogenannten Ressourcenprojekts ist es, einerseits weniger Pestizide zu spritzen, andererseits zu verhindern, dass diese vom Feld in den Bach gespült werden. Gleichzeitig soll es unter dem Strich zu keinen Ertragsausfällen kommen.

Ressourcenprojekte des Bundes

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Der Druck auf die Landwirtschaft, umweltfreundlicher zu produzieren, steigt. So stimmt im Juni die Schweizer Stimmbevölkerung über gleich zwei Initiativen ab, die den Gebrauch von Pestiziden stark einschränken oder gar ganz verbieten wollen. Aus diesem Grund beteiligt sich das Bundesamt für Landwirtschaft finanziell massgeblich an über zehn sogenannten Ressourcen-Projekten in der ganzen Schweiz. Diese haben zum Ziel, die für die Landwirtschaft relevanten natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft, Biodiversität oder Energie besser zu schützen.

Der Anfang des Projektes war alles andere als einfach. Die Skepsis und die Befürchtung, dass das Amt für Umweltschutz gegen sie arbeiten würde, seien bei den Bauern gross gewesen, so Konz. «Es hat zwei bis drei Jahre gedauert, bis wir eine gemeinsame Sprache gesprochen haben.» Nun sei die Zusammenarbeit dafür umso besser.

Ehrlicher und offener Dialog

«Ich kann ihnen Messdaten aus dem Bach zeigen und sie fühlen sich nicht angegriffen.» Fallen die Daten schlecht aus, dann könne man offen miteinander über die Gründe sprechen. Genauso aber würde man sich gemeinsam freuen, wenn die Wasserresultate gut seien.

Ähnlich klingt es auf Seite der Bauern. So schätzt der Landwirt und Lohnunternehmer Martin Thürkauf den Austausch mit Leuten aus der Forschung und den Aufbau eines neuen Netzwerks: «Ich kann mit dem neuen Wissen, meine Anbaumethoden überdenken und optimieren.»

Zwei Männer stehen auf einem Feld
Legende: Martin Thürkauf (links) und Urs Zimmermann wollen umweltfreundlicher arbeiten. SRF

Trotz des grossen Aufwands ist auch der Bauer und Lohnunternehmer Urs Zimmermann motiviert. «Wenn man etwas Neues ausprobiert, dann darf man nicht gleich die Rechnung dahinter anschauen», ist er überzeugt.

Ohne gesunden Boden geht nichts

Im Zentrum der Bemühungen steht ein gesunder und lebendiger Boden. Denn nur ein solcher ist in der Lage, Regenwasser aufzunehmen. Und das ist zentral, um zu verhindern, dass Pestizide in Bäche ausgewaschen werden. Zudem braucht ein Boden, der im Gleichgewicht ist, auch weniger oder gar keine Pestizide.

Umsetzung in der Praxis braucht viel Zeit

All diese Massnahmen sind in der Fachwelt schon lange bekannt. Dennoch sind sie in der konventionellen Landwirtschaft immer noch nicht Standard. «Das Problem ist, dass dieses Wissen zwar in den Landwirtschaftsschulen vermittelt, jedoch auf den Betrieben deshalb nicht automatisch umgesetzt wird», sagt Nadine Konz.

Wir müssen die Böden erst einmal wieder aufpäppeln.
Autor: Martin ThürkaufBauer und Lohnunternehmer

Dies hängt nämlich stark vom Umfeld ab. Zudem braucht es Zeit, diese Massnahmen erfolgreich umzusetzen und auch Rückschläge gäbe es dabei immer wieder. Wenn dann den Bäuerinnen und Bauern keine Fachpersonen zur Seite stehen, die sie coachen und auch bei Rückschlägen ermuntern und aufzeigen, was man das nächste Mal anders machen kann, dann geben viele schnell wieder auf.

Dass Ausdauer nötig ist, das ist auch Thürkauf klar: «Lange wurde eine andere Strategie gefahren. Jetzt müssen wir die Böden erst einmal wieder aufpäppeln, damit wir die Pflanzenschutzmittel schrittweise runterfahren können.»

Regionaljournal Basel, 25.02.2021, 17.30 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Das Schwirren, Summen und Brummen aus Büschen, Bäumen und Wiesen verschwindet immer mehr. Die vielen Tausend Insektenarten in der Schweiz haben unseren Alltag schon immer begleitet – auf dem Land, aber auch mitten in der Stadt. Doch überall fällt auf – die Insekten verschwinden. Weniger Schmetterlinge, Bienen und Co. begegnen uns auf unseren Wegen. Das Insektensterben ist dramatisch. Die Politik muss endlich gegensteuern. Lebensräume für Insekten einrichten! Pestizidmenge drastisch reduzieren
  • Kommentar von Sascha Ehring  (MountainmanSG)
    6 Kommentare hier und alle gegen die Landwirtschaft. Seht doch endlich alle ein das wir nur durch Dialoge, Fortschritt in Wissenschaft und Technik weiter kommen. Verbote und Schuldzuweisungen bringen uns nicht weiter.
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Landwirtschaft ist eine lebensnotwendige Branche ohne Zweifel. Doch sie hat ihre Schattenseiten. Durch Bewirtschaftung verändert sie ganze Landstriche, es werden Böden und Wasser vergiftet zu unserer aller Ungunsten. Ich verurteile lediglich den Unwillen vieler bekanntes Wissen umzusetzen. Ein Umdenken findet viel zu langsam statt, es wird einfach weitergewurstelt. Kaputte Böden, vergiftetes Wasser bringen schlussendlich weder dem Bauern noch den Konsumentinnen etwas. Ich weiss wovon ich rede.
    2. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      @Meyer: Im Ansatz haben Sie recht Herr Meyer. Jedoch noch viel schlimmer als die Vergiftung, ist die "Endlösung", nämlich die totale Vernichtung von Grünflächen durch Verbetonierung uns Asphaltierung. Belastete Böden kann man wieder entgiften, vernichteteter Boden ist auf für immer verloren. Wir können wählen.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Der Regenwurm - Ein Bodenschatz der besonderen Art. Ein verkannter Bodenschatz! Sie lockern und lüften das Erdreich mit ihren Gängen und verwandeln abgestorbene Pflanzenreste in wertvolle Nährstoffe. Auf diese Weise sorgen sie für eine reiche Ernte. Doch um mehr als die Hälfte aller in der Schweiz vorkommenden Regenwurmarten ist es schlecht bestellt. Die industrielle LW setzt ihnen zu. Schwere Pflugmaschinen durchschneiden sie. Spritzmittel wie Glyphosat beeinträchtigen ihre Fortpflanzung.