Zum Inhalt springen

Header

Video
Coronavirus: Weniger Arbeit für Reinigungsbranche
Aus Tagesschau vom 02.04.2020.
abspielen
Inhalt

Putzhilfen in Corona-Zeiten «Meist haben sie einen Lohnanspruch»

Viele Haushalte beschäftigen Putzhilfen. Weil zurzeit viele Beschäftigte von zu Hause aus arbeiten, putzen viele selbst, verzichten also auf die Hilfe der Reinigungskräfte. Muss der Lohn der Person, die sonst reinigt, weiterhin bezahlt werden?

Meistens bestehe ein Angestelltenverhältnis zwischen Auftraggeber und Reinigungsperson, sagt Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich. Er beantwortet die wichtigsten Fragen zum Arbeitsverhältnis und der Lohnfortzahlung anhand typischer Fälle.

Roger Rudolph

Roger Rudolph

Professor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Seit 2015 hat Roger Rudolph einen Lehrauftrag für Arbeitsrecht an der Universität Zürich. Dort hat er eine Assistenzprofessur für Arbeitsrecht unter Mitvertretung des Privatrechts inne.

Aus Sicht der Haushalte als Leistungsbezüger

SRF News: Wir haben eine selbständig erwerbende Reinigungskraft angestellt, mit der wir keinen Arbeitsvertrag haben. Jetzt wollen wir nicht mehr, dass sie kommt. Müssen wir ihr weiterhin Lohn bezahlen?

Roger Rudolph: Auch wenn kein schriftlicher Arbeitsvertrag vorliegt, handelt es sich in solchen Fällen rechtlich oft um Arbeitsverhältnisse. Entsprechend können Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber nicht einfach auf die Arbeitsleistung verzichten. Beziehungsweise, wenn sie es dennoch tun, müssen sie gleichwohl den Lohn bezahlen. Es handelt sich dann um einen sogenannten Arbeitgeberverzug.

Wir haben eine Reinigungskraft fest angestellt. Wir wollen nicht, dass sie während der Pandemie unsere Wohnung betritt? Müssen wir sie bezahlen?

Ja, das vertraglich vereinbarte Pensum gilt auch in diesem Fall. Man muss die Arbeitnehmerin, den Arbeitnehmer, zwar nicht in die Wohnung lassen, aber der Person steht der Lohn für die ausgefallene Arbeit zu.

Unsere Reinigungskraft haben wir angestellt und einen Arbeitsvertrag abgeschlossen. Nun will sie nicht mehr kommen. Sie hat per Ende März gekündigt, weil ihr Mann Risikopatient sei und sie sich vor einer Ansteckung fürchtet. Müssen wir ihr den Lohn bezahlen, obschon wir gar nicht zu Hause sind und sie uns gefahrlos die Wohnung reinigen könnte?

Nein, der Lohn muss nicht bezahlt werden. Die Sorge allein, man könnte sich am Arbeitsplatz anstecken, genügt noch nicht für eine Arbeitseinstellung. Wenn man es dennoch tut, besteht kein Anspruch auf Lohnzahlung.

Video
Roger Rudolph: «Die Sorge vor Ansteckung alleine reicht nicht, um nicht mehr zur Arbeit zu gehen.»
Aus Tagesschau vom 02.04.2020.
abspielen

Unsere angestellte Reinigungskraft will nicht mehr kommen. Wir bezahlen ihr trotzdem den Lohn. Können wir diesen Lohn vom Bund zurückfordern?

Wenn Lohn für nicht geleistete Arbeit bezahlt wird, obwohl die Arbeitsleistung hätte erbracht werden können und müssen, handelt es sich letztlich um eine freiwillige Leistung der Arbeitgeberin. Solche Zahlungen können nicht vom Bund zurückgefordert werden.

Aus Sicht der Reinigungskraft als Leistungserbringerin

Mein Arbeitgeber will mir den Lohn nicht bezahlen, weil ich nicht mehr kommen will. Was kann ich tun?

Nur weil jemand nicht mehr zur Arbeit gehen will, zum Beispiel aus Furcht vor einer Ansteckung, berechtigt dies noch nicht zur Arbeitseinstellung. Tut die Person es dennoch, hat sie keinen Anspruch auf Lohnzahlung. Im schlimmsten Fall droht sogar eine fristlose Kündigung.

Mein Arbeitgeber will mir den Lohn nicht bezahlen, weil ich nicht mehr kommen darf. Was kann ich tun?

Wenn Ihr Arbeitgeber Sie nicht mehr beschäftigen will, obwohl Sie die Arbeit nach wie vor erbringen können und auch wollen, haben Sie dennoch Anspruch auf Lohnzahlung. Sie müssen in diesem Fall aber unbedingt Ihre Arbeit beweisbar anbieten, zum Beispiel durch ein Einschreiben oder eine Mail. Bleibt die Zahlung danach immer noch aus, bleibt letztlich nur die Klage vor dem Gericht. Oft macht es aber Sinn, dass vorher zum Beispiel von der Rechtsschutzversicherung, der Gewerkschaft oder einem Anwalt nochmals eine Frist gesetzt wird.

Video
Roger Rudolph: «Wenn die Arbeit noch geleistet werden kann, die Arbeitgeber aber nicht mehr wollen, muss der Lohn gezahlt werden.»
Aus Tagesschau vom 02.04.2020.
abspielen

Tagesschau, 02.04.2020, 09:30 Uhr;

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Regula Stocker  (Regula St.)
    Wie ist die Rechtslage, wenn die Haushaltshilfe (Kinderbetreuuerin + Haushaltshilfe) zur Risikogruppe gehört? Sie hat von der Ärztin ein ärztliches Zeugnis, welches aussagt, dass sie der Arbeit fernbleiben sollte, da Home-Office nicht möglich ist.
    Wir bezahlen ihr den Lohn weiterhin - haben wir hier Anrecht auf Unterstützung durch den Staat? Die Krankentaggeldversicherung hat eine Übernahme bereits abgelehnt, da es sich nicht um einen Krankheitsfall handle.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Richard Liu  (richard-liu)
    Mein Fall: Ich gehöre zur Risikogruppe. Ich kann meine Sorgfaltspflicht gegenüber meiner Putzfrau zwar wahrnehmen, aber nachdem sie fertig geht, muss ich aufwändig desinfizieren, was sie angefasst hat. Ich möchte nicht das sie kommt, bis ich Desinfektionsmittel kaufen kann. In der Zwischenzeit soll sie selbstverständlich Lohn erhalten, aber ich meine, gerade für so einen Fall soll ich für sie Corona-Kurzarbeit beantragen können.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Kim Hansson  (Freddy Tobler)
      Leider ist die Hilfestellung für Firmen und nicht für Menschen. Für Arbeitgeber, nicht Arbeitnehmer. Es geht um die Unterstützung der Wirtschaft nich um eine Hilfestellung für die Bürger.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Claudia Meyer  (Uhu)
      Wozu müssen Sie alles desinfizieren? Bestehen Sie darauf, dass Ihre Raumpflegerin Handschuhe trägt, halten Sie sich nicht im selben Raum auf wo sie putzt. Mit genügend Abstand dürfen sie sich auch mit ihr unterhalten. Mit freundlichen grüssen. eine Raumpflegerin
      Ablehnen den Kommentar ablehnen