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Corona-Entschädigung: Zweiklassengesellschaft bei Selbständigerwerbenden
Aus HeuteMorgen vom 30.03.2020.
abspielen. Laufzeit 02:27 Minuten.
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Massnahmen gegen Corona-Krise Zweiklassengesellschaft bei den Selbständigen

Seit genau einer Woche gibt es für Selbständigerwerbende die sogenannte Corona-Erwerbsersatzentschädigung. Doch viele Selbständige haben keinen Anspruch darauf.

Mehr als 70'000 Selbständigerwerbende haben sich letzte Woche für die Corona-Erwerbsersatzentschädigung angemeldet. Unter ihnen eine Zürcher Coiffeuse, die seit mehr als 20 Jahren einen Salon in der Zürcher Innenstadt hat. Sie brauche im Minimum 5600 Franken pro Monat, um Miete, Krankenkasse und Essen zu bezahlen, erzählt sie.

Mit der Corona-Entschädigung für Selbständigerwerbende erhalten Sie zwar nur 3200 Franken. Trotzdem sagt die Coiffeuse: «Nach dem Gesetz hätte man gar nichts bekommen. Es ist eigentlich schön, dass wenigstens eine kleine Abgeltung kommt.» Obwohl das Geld bei weitem nicht reiche, sei es besser als nichts, sagt sie. Denn: «Es gibt Leute, die bekommen gar nichts. Sie haben noch Arbeit, dürfen noch arbeiten, aber haben keinen Umsatz mehr.»

Es ist eigentlich schön, dass wenigstens eine kleine Abgeltung kommt.
Autor: Coiffeuse

Damit bringt die Selbständigerwerbende das Problem auf den Punkt. Anrecht auf die Corona-Entschädigung haben nur jene, deren Geschäfte auf Befehl des Bundes dichtgemacht wurden – also Restaurants, Bars, Blumenläden, Boutiquen, Coiffeur-Salons, etc. Nichts erhalten aber alle anderen Selbständigen und Freelancer, deren Umsatz als Folge der verordneten Geschäftsschliessungen wegbricht.

Eine Coiffeuse schneidet einer Kundin die Haare
Legende: Coiffeusen müssen ihre Salons schliessen – und erhalten deshalb eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung. Keystone

Viele Kunden sind in Sorge

Als Selbständige können sie auch keine Kurzarbeit anmelden. Einer davon ist der Gärtner Marco Reutimann. Seit einem Jahr arbeitet er auf eigene Rechnung – und hat deshalb erst wenig auf der hohen Kante, wovon er zehren kann. Weil die Landschaftsgärtner aber kein Berufsverbot erhalten hätten, «kann ich auch nirgendwo Geld beziehen, als Selbständigerwerbender sowieso nicht. Daher schaut man in die Röhre und muss abwarten, wie sich die Lage entwickelt.»

Arbeit hat Gärtner Reutimann nur noch gelegentlich. Das Problem sei, «dass die Kunden aufgrund des Coronavirus sagen ‹Nein, ich will lieber nicht, dass sie kommen› und dass sie einfach Angst haben», sagt Reutimann. Dass ihm als Gärtner gerade der Umsatz im arbeitsintensiven Frühling wegfällt, wiegt besonders schwer.

Kunden sagen aufgrund des Coronavirus ‹Nein, ich will lieber nicht, dass sie kommen›.
Autor: Marco ReutimannGärtner

Bleibt nur der Gang aufs Sozialamt?

In derselben Lage wie Gärtner sind auch selbständige Grafiker, Fotografen, Taxifahrer, Dolmetscher, Touristenführer oder auch die vielen Scheinselbständigen, die heute auf Abruf auf eigene Rechnung arbeiten müssen. Viele Berufsverbände fordern nun, dass der Bundesrat die Corona-Erwerbsersatzentschädigung auf alle Selbständigerwerbenden ausweitet. Denn sonst bleibt einem guten Teil von ihnen nur der Gang zum Sozialamt.

Heute Morgen, 30.3.2020, 6:00 Uhr

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77 Kommentare

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  • Kommentar von Maria Kaiser  (Klarsicht)
    Sage es wieder und wieder, ein Grundeinkommen kann uns in Zukunft Chaos und Lebensangst nehmen. Bern - denkt bitte darüber wenigstens einmal nach. Der jetzige Gau kostet wesentlich mehr -das nur wegen der Finanzierbarkeit des Grundeinkommen -die immer bestritten wird. Wir müssen aus dieser Krise lernen. Es kann nicht so weiter gewurstelt werden, Alles hängt mit Allem zusammen, den goldenen Mittelweg anstreben das ist die Aufgabe der Zukunft.
  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    Zur Gefährdung eines Umfeldes, in dem sich die Wirtschaft nicht zum Wohl der Gemeinschaft entfalten kann, sollte der Staat nicht beitragen. Über 99% aller Unternehmen in der Schweiz sind KMU's, gegliedert in:
    Mikrounternehmen [1 bis 9]: 529'490 - Beschäftigte: 1'159'055
    Kleine Unternehmen [10 bis 49]: 50'053 - Beschäftigte: 961'784
    Mittlere Unternehmen [50 bis 249]: 9'080 - Beschäftigte: 897'566
    Total KMU: 588'623 - Beschäftigte: 3'018'405
    Grosse Unternehmen: 1'630 Beschäftigte: 1'446'350
  • Kommentar von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
    Auch Geschäfte, die neu sind und noch nicht bei der AHV angemeldet bekommen nichts.
    Eine Anfrage beim BSV ergab folg. Antwort: “War ein Einzelbetrieb, der bisher noch nicht bei einer Ausgleichskasse als Selbstständigerwerbend (SE) angemeldet war und daher auch keine AHV/IV/EO-Beiträge abgerechnet hat, besteht kein Anspruch auf einen Corona-Erwerbsersatzentschädigung für SE.“
    In Zeiten wo der Umsatz klein ist und fast kein Profit entsteht gibt es keine Unterstützung. Viele werden bankrott sein