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Legende: Video Börse ohne EU-Börsenäquivalenz problemlos angelaufen abspielen. Laufzeit 01:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.07.2019.
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Sanktion ohne Wirkung Die Schweiz braucht die Börsenanerkennung der EU nicht

Seit heute wird die Schweizer Börse von der EU nicht mehr als gleichwertig anerkannt. Doch das hat kaum Folgen.

Es mag auf den ersten Blick erstaunen: Die EU bestraft die Schweiz mit einer Massnahme – doch diese zeigt keine Wirkung, zumindest wirtschaftlich nicht. Unter dem Strich führt das neue Börsenregime gar dazu, dass hierzulande künftig mehr Schweizer Aktien gehandelt werden als bisher. Denn an den europäischen Börsen werden die Schweizer Titel nicht mehr angeboten.

Haben die federführenden EU-Kommissare, Johannes Hahn und Jean-Claude Juncker, die Schweiz unterschätzt? Wurden sie von den Gegenmassnahmen des Bundesrats überrascht?

So funktioniert der «Plan B» des Bundesrats

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Die Börsenäquivalenz: Dank der Börsenäquivalenz galten die Börsen in der Schweiz und in der EU bisher als gleichwertig. Händler durften handeln, wo sie wollten. Sie konnten Aktien von Schweizer Unternehmen an der deutschen Börse oder auch in England oder Italien kaufen und verkaufen. Umgekehrt konnten EU-Händler Schweizer Aktien an der Schweizer Börse handeln.

Die Politik der EU: Nun hat Brüssel entschieden, dass der Status der Gleichwertigkeit nicht mehr gilt. Damit dürfen die Händler aus EU-Ländern Schweizer Aktien nur noch innerhalb der EU handeln, nicht aber in der Schweiz. Das Ziel: Die Schweizer Börse soll Geschäfte verlieren, denn die Hälfte des Handelsvolumens an der Schweizer Börse stammt von Auftraggebern aus der EU.

Der «Plan B»: Doch die Schweiz hat reagiert und setzt die bereits früher präsentierten Gegenmassnahmen auf den 1. Juli in Kraft. Sie untersagt mit dem «Plan B» den Handel von Schweizer Aktien an europäischen Börsen. Damit wird die Gleichwertigkeitsanerkennung der EU überflüssig: Werden Schweizer Aktien nämlich nicht mehr regelmässig an den EU-Börsen gehandelt, dürfen EU-Händler weiterhin in der Schweiz geschäften ohne gegen die Finanzmarktverordnung der EU zu verstossen.

Die Nebeneffekte: Kurzfristig könnte der Handel mit Schweizer Aktien an der Schweizer Börse sogar noch steigen, weil die Händler aus der EU keine andere Möglichkeit mehr haben. Dennoch ist der «Plan B» aus Sicht der Börse keine gute Lösung, wie ein Sprecher sagt. Alle Handelsplätze sollten den gleichen Status haben, weil offene Märkte wichtig seien. Finanzplatzvertreter betonen, dass sie längerfristig immer noch auf eine andere Lösung hoffen.

Ein politisches Zeichen

Natürlich nicht. Die beiden gewieften Politiker wollten lediglich ein politisches Zeichen setzen – gegen innen, um ungeduldige Stimmen zu beruhigen. Und gegen aussen, an die Adresse der Schweiz. Die Botschaft: Wenn ihr beim Rahmenabkommen nicht nach unserer Agenda spielt, wird es ungemütlich. Den Juristen des Bundes und der Börse SIX haben sie damit auf jeden Fall einige Überstunden beschert.

Während die EU-Massnahme in der Schweiz kurzfristig keine Wirtschaftsschäden hinterlässt, bricht den EU-Handelsplätzen ab sofort ein Teil des Handelsvolumens weg. Interessanterweise trifft es vor allem elektronische Handelsplattformen in London, auf denen innerhalb der EU mit Abstand am meisten Schweizer Aktien gehandelt werden. Da die Briten aber sowieso aus der EU austreten wollen, macht sich die EU bestimmt kein Gewissen.

Andi Lüscher

Andi Lüscher

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Andi Lüscher arbeitet seit 2011 für Schweizer Radio und Fernsehen SRF. Er ist Wirtschaftsjournalist und Moderator der Sendung «SRF Börse». Er publiziert insbesondere zu den Themen Börse, Finanz- und Arbeitsmarkt.

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56 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Hab ich doch gesagt... die EU brauchts nicht... wobei.. die Grundidee der EU ist gut.. nur die Ausfuehrung mehr als mangelhaft...
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  • Kommentar von Jürg Brauchli  (Rondra)
    Interessante und rein sachliche Analyse im Tages-Anzeiger von Heute z RA. Und der Tagi ist weiss Gott nicht als rechte Zeitung bekannt. Sogar bei den Subventionen für den gemeinnützigen Wohnungsbau würde die EU dreinreden. Ebenso beim Kartellrecht, den Gebäudeversicherungen u. Unternehmensbesteuerrecht, dem Wettbewerbsrecht. Und die Jurisdiktion würde gänzlich an die EU abgetreten. Dazu die UBR. Wenn da nicht die Alarme schrillen. Gemeinn. Wohnungsbau, hallooo Linke!
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  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Als ich am Radio gehört habe, dass der BR Gegenmassnahmen beschlossen und jetzt auch wirklich in Kraft gesetzt hat, meinte ich zuerst mich verhört zu haben. Ich kann mich nicht erinnern, dass die CH Regierung in den letzten Jahren irgendwo der EU Paroli geboten hat. Jetzt noch die Kohäsionsmilliarde auf Eis legen und die vielen anderen Trümpfe welche die Schweiz hat, der EU unter die Nase halten und ich bin überzeugt, dass die EU uns wieder als Partner und nicht als Kolonie der selben behandelt.
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