Was für eine Schlagzeile: «Kebab auf Rädern: In Zürich liefert jetzt ein Roboter das Essen». Dass Menschen, die Essen liefern, durch Maschinen ersetzt werden, ist der nächste, logische Schritt in der Entwicklung.
Jahrelang haben wir sie im Regen stehen lassen, direkt vor unserer Haustüre, in ihren entwürdigenden, grellen Lieferdienst-Outfits. Währenddessen haben wir uns, in Boxershorts und Unterhemd, performativ nach Trinkgeld abgesucht, nur um ihnen dann mit einem peinlich berührten Lächeln die Bestellung aus ihren gefrorenen Klauen zu brechen.
Wir wollen keine Schuldgefühle, wir wollen Sushi!
Wir entmenschlichen Menschen so lange, bis wir selbst erleichtert sind, wenn die Roboter übernehmen. Mit «wir» sind in erster Linie die Konzerne gemeint, die entmenschlichen schliesslich hauptberuflich. Wir Konsumierende machen das nur als Hobby – eigentlich auf freiwilliger Basis, solange es bequem bleibt. Deswegen heisst es auch «just eat» und nicht «just eat the rich».
Darum ist es wohl auch ein Roboter-Hund, der uns das Essen bringt. Denn so ein Roboter-Mensch wäre dann doch ein bisschen zu nah an jenem Artgenossen, der den Job davor gemacht hat. Nein danke, wir wollen keine Schuldgefühle, wir wollen Sushi!
Gezähmt, dressiert, bedingungslos treu – der feuchte Traum der Chefetage.
Die Botschaft an die Angestellten ist trotzdem klar: Deinen Job kann nicht einfach ein Roboter machen… sondern unter den Robotern auch noch ein Hund! Gezähmt, dressiert, bedingungslos treu – der feuchte Traum der Chefetage. Man stelle sich vor: Sie arbeiten für einen Hungerlohn bei einem Food-Delivery-Konzern, zu unmenschlichen Arbeitszeiten, ohne soziale Absicherung, wie es heutzutage verlangt wird – gut gemacht, brav, good boy! Und dann kommt der Chef und sagt: Eigentlich haben wir uns immer einen Hund gewünscht.
Künstliche Intelligenz kocht auch nur mit Wasser. Und zwar mit viel zu viel!
Nichts verkörpert die Diskrepanz zwischen dem, was wir uns wünschen und dem, was wir bekommen, so sehr wie der zerdrückte, auseinandergefallene Delivery-Döner im durchgeweichten Faltkarton. Es ist nicht alles Gold, was glänzt und es ist nicht alles warm, was ankommt.
Und: Künstliche Intelligenz kocht auch nur mit Wasser. Und zwar mit viel zu viel! KI verbraucht Unmengen an Wasser und beschleunigt durch ihren Stromverbrauch die Klimaerwärmung. In unsere Playlist schmuggeln sich KI-Bands, die echte Bands verdrängen, während der Spotify-CEO in KI-Waffensysteme investiert.
Zudem wird jeder KI-Account auf Social Media innerhalb eines halben Tages zu Hitler und eine künstliche Mona Vetsch zieht uns per Deepfake-Werbung das Geld aus der Tasche. Aber hey, wenigstens kann ich jetzt meinen lauwarmen Delivery-Znacht einem Roboter-Hund aus dem Metallhintern fischen. Wir leben wirklich in der traurigsten aller Zukunftsfantasien.