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Die etwas anderen News SUV – Symbol der Blech gewordenen Ellbogengesellschaft

Geländewagen sind geschaffen für matschige Hänge. Weshalb aber kurven sie auf flachen, asphaltierten Strassen umher?

Simon Chen

Kabarettist

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Es kommt immer wieder vor, dass einem bei Simon Chens Worten das Lachen im Hals stecken bleibt. Als ehemaliger Schauspieler treibt als Wortspieler vieles an die Grenze – und trifft dabei gleichzeitig immer wieder ins Schwarze. Der gebürtige Freiburger ist Kabarettist, Spokenword- und Hörspiel-Autor und ab Februar 2026 mit seinem fünften Soloprogramm «Er will nur spielen» unterwegs. 

SUV, Sport Utility Vehicles: Sie sind schneller, höher, stärker – ganz nach dem olympischen Motto. Es wäre nicht verwunderlich, wenn nach Breakdance und BMX als nächstes «SUV» olympische Sportart wird.

Die Autobranche hat es durch geschicktes Marketing jedenfalls geschafft, ein Bedürfnis zu wecken nach diesen aufgeblasenen Karossen, die das Auftreten eines Silberrückens und die Luftverdrängung eines brünstigen Breitmaulnashorns haben. Mit gutem Grund: Die Rendite eines SUVs ist viel höher als bei einem normalen Auto.

Warum zum Diesel lässt man in Zeiten des Klimawandels solche Wuchtbrummer zu?

Es ist kaum zu glauben: Der technische Fortschritt der letzten 50 Jahre hat die Autoindustrie nicht genutzt, um sparsamere Modelle zu entwickeln, sondern grössere, schwerere, stärkere, luxuriösere, sprich: energieintensivere – Elektroantrieb hin oder her. Warum zum Diesel lässt man in Zeiten von Klimawandel und Netto-Null-Zielen solche Wuchtbrummer zu? Jede mickrige Solaranlage ist bewilligungspflichtig, aber ein 2.5-Tonnen-Stadtgeländewagen, der permanent eine 700 Kilo schwere Batterie in der Gegend herumtransportiert, darf einfach so auf die Strasse!?

SUVs verkörpern die blechgewordene Ellbogengesellschaft. «Macht Platz! Aus dem Weg! Jetzt komme ich!!!» Und in parkiertem Zustand ragen diese fetten Karren über die Bodenmarkierung  heraus wie  ein Fleischwulst über den Hosenrand, es ist echt zum Bodyshamen! Apropos Fleisch: Wegen der höheren und steileren Front von SUVs nimmt bei Unfällen mit Fussgängern das Risiko von schweren Verletzungen zu. Klar, wenn dich ein Bulldozer über den Haufen fährt, macht das mehr «Aua!» als bei einem Smart.  

In diesen unsicheren Zeiten ist es ratsam, einen Luftschutzbunker auf Rädern zu besitzen.

Aber es geht bei einem SUVs nicht um die Sicherheit derjenigen da draussen vor dem Stossdämpfer, sondern ausschliesslich um die eigene. Mit einem Opel Grandland bist du definitiv im Vorteil, wenn du mit einem Mini Cooper kollidierst: Survival of the fittest! Gerade in dieser unsicheren weltpolitischen Lage ist es ratsam, einen Luftschutzbunker auf Rädern zu besitzen.

Es gibt zum Glück eine einfache Lösung, um sich vor diesen Egoshootern unter den Privatfahrzeugen zu schützen: sich auch einen SUV anschaffen, Angriff ist die beste Verteidigung! Vom mickrigen Kleinwagen auf den zivilen Schützenpanzer umsteigen, Aufrüstung ist ohnehin wieder im Trend. Gleichgewicht des Schreckens. Wenn jeder für sich schaut, ist für alle geschaut!

Die Schweiz hat nicht ohne Grund die höchste SUV-Dichte der Welt. Denn wenn es aufgrund der Erderwärmung, aufgrund des Klimawandels, aufgrund von übermässigem CO2-Ausstoss, aufgrund von unter anderem überdimensionierten motorisierten Statussymbolen zu immer mehr Naturkatastrophen, Murgängen, Erdrutschen und Überschwemmungen kommt, was unbefestigten, gerölligen und morastigen Untergrund zur Folge hat, dann brauchen wir diese Geländelimousinen am Ende tatsächlich …

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SRF 1, Zytlupe, 14.2.2026, 13:00 Uhr

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