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Impfdurchbrüche: Sind sie ein Grund zur Sorge?
Aus Echo der Zeit vom 31.08.2021.
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Schutz vor dem Coronavirus Wie real ist die Gefahr von Impfdurchbrüchen?

Die Corona-Fallzahlen in der Schweiz sind nach wie vor hoch. 2702 waren es am Dienstag. Betroffen sind vor allem Ungeimpfte. Gleichzeitig gibt es aber auch immer wieder Fälle von Menschen, die sich haben impfen lassen und trotzdem an Corona erkranken. Was hat es mit diesen sogenannten Impfdurchbrüchen auf sich? Diese können vorkommen, sagt Infektiologe Jan Fehr. Doch die Impfung bleibt das beste Mittel, um sich vor einer schweren Erkrankung zu schützen.

Jan Fehr

Jan Fehr

Infektiologe

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Prof. Dr. med. Jan Fehr ist Infektiologe an der Universität Zürich und dort Leiter des Departments Public & Global Health. Zudem leitet Fehr das Testzentrum der Universität Zürich.

SRF News: Wie gross ist das Problem mit den Impfdurchbrüchen tatsächlich?

Jan Fehr: Es war von Anfang an klar, dass wir mit Impfdurchbrüchen zu rechnen haben. Wenn ein Impfstoff 90 bis 95 Prozent Schutz bietet, gibt es einen Restprozentteil, welcher nicht geschützt ist. Durch die Delta-Variante ist hier eine etwas grössere Lücke entstanden. Dennoch haben wir eine gute Situation – gerade mit den mRNA-Impfstoffen. Der Schutz vor schweren Erkrankungen, die zu Hospitalisierungen und Pflege auf Intensivstationen führen können, ist nach wie vor hoch.

Doch aktuell gibt es zum Beispiel in Israel massiv hohe Fallzahlen – obwohl rund 80 Prozent der Menschen, die sich haben impfen lassen können, das auch getan haben. Schützt eine Impfung also nur bedingt vor Corona?

Die Situation in Israel ist für uns spannend und wichtig. Wir versuchen diese tagtäglich besser zu verstehen. Wir haben aber noch nicht alle Daten, die es dazu braucht.

Wer geimpft ist, ist besser geschützt – vor allem gegenüber schweren Verläufen.

Die Geschwindigkeit hat auch einen Nachteil: Es kommt schnell zu Publikationen, die noch nicht geprüft sind – sogenannte «Pre-Prints». Hier muss man sehr wachsam sein und genau hinschauen, welche Gruppe mit welcher anderen Gruppe verglichen wird, wenn es um Impfdurchbrüche geht. So etwa bei der Frage, mit welcher Gruppe die Durchgeimpften verglichen werden. Unter dem Strich gilt für Israel wie auch für die Schweiz: Wer geimpft ist, ist besser geschützt – vor allem gegenüber schweren Verläufen. Das darf und soll man mitnehmen.

Wenn sich so viele Geimpfte infizieren wie in Israel: Heisst das, dass die viel zitierte «Herdenimmunität» in weite Ferne rückt?

Die Herdenimmunität ist ein Konstrukt, das man genau anschauen muss. Die Idee ist nicht zu sagen: So viele Personen müssen geimpft sein, und dann gibt es kein Problem mehr. Es geht darum zu überlegen, wie die Gesellschaft schlussendlich gut über die Runden kommen kann. Dies in verschiedenen und vor allem auch angespannteren Situationen.

Ein Lauffeuer soll nicht in einen Flächenbrand münden – das ist das Konzept hinter der Herdenimmunität.
Autor:

Um es im übertragenen Sinn zu sagen: Ein Lauffeuer soll nicht in einen Flächenbrand münden – das ist das Konzept hinter der Herdenimmunität. Man kann das Ganze auch über einen Zyklus hinweg anschauen: Wie früher bei den normalen Coronaviren infizieren sich Menschen immer wieder einmal und bekommen damit auch immer wieder einen Schutz für eine nächste Variante mit. Das fällt aber nicht mehr so ins Gewicht, weil die Leute einen Grundschutz haben, der auch immer wieder aufdatiert wird. Ähnlich wie bei einem Computersystem, bei dem es Updates gibt.

Kann eine Infektion trotz Impfung also sogar positiv sein?

Sie könnte positiv im Sinn eines Stimulus sein: Das Immunsystem erhält quasi eine Trainingseinheit und erinnert sich rasch wieder an die Mechanismen, die angewendet werden müssen, um das eindringende Virus gut bekämpfen zu können.

Das Gespräch führte Christina Scheidegger.

Echo der Zeit, 31.08.2021, 18 Uhr;

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Luzia Brülisauer  (Lu Zia)
    Ein Virus, wie das Coronavirus, das mutiert, mit einer Impfung ausrotten zu wollen, ist eine Illusion. Viren und Bakterien verändern sich ständig. Die Wissenschaft und die medizinischen Entwicklungen hinken zeitlich immer hinterher. Die Natur (Mikroorganismen und auch der Mensch) ist schneller, will von sich aus überleben und passt sich an. Und die Stärkeren überleben als noch Stärkere, die Schwächeren überleben es vielleicht nicht.
  • Kommentar von Rochus Schmid  (Tell me yoõng)
    Dann warten wir auf die Daten und stellen die Frage dann nochmals.
  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    Auf die Frage nach der Bedeutung der hohen Ansteckungszahlen in Israel bezogen auf die Impfung, gibt sich Fehr als Politiker: Seine Antwort ist keine auf die Frage. Er weicht aus. Dabei müssten doch wie bei uns die %-Zahlen der geimpften und ungeimpften Hospitalisationen/Todesfälle bekannt sein. Wobei: Auch bei uns wird nichts gesagt über geimpfte Verstorbene. Nicht mal das Alter wird noch genannt. Es bleibt alles im Nebel der Vermutung, obwohl man einfach Tarnsparenz herstellen könnte.
    1. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Ich erinnere moch an einen kürzlich erschienen Artikel und eine Stellungnahme der SRF Wissenschaftsredaktion über Hospitalisierungszahlen (wenn ich mich richtig erinnere) geimpft/nicht geimpft. Sollte auffindbar sein im Archiv.
    2. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Odermatt Es wäre einfach, wöchentlich zusammenfassend die Zahl der geimpften/ungeimpften Verstorbenen mit Alter und Vorerkrankungen zu nennen. Dito die Hospitalisationen. Mit Sicherheit stehen auch in Israel diese Zahlen irgendwo zur Verfügung. Dito BRD. Dito Frankreich usw. Doch herrscht, wie gesagt, Nebel über diesen Informationen. Der interessierte Zuschauer/Leser bekommt sie nicht.
    3. Antwort von Reiner von Allmen  (v.allmen)
      Mich haben die Antworten von Fehr sehr enttäuscht.Wenn er sagt"Die Situation in Israel ist für uns spannend und wichtig. Wir versuchen diese tagtäglich besser zu verstehen.Wir haben aber noch nicht alle Daten, die es dazu braucht" dann könnte er auch sagen, wir haben keine Ahnung. Und das ist schon ziemlich besorgniserregend wenn uns das ein Infektiologe sagt.Wieso gibt man eigentlich nie bekannt, wieviel von den neu Infizierten in der Schweiz geimpft sind?Bin kein Impfgegner und auch geimpft.
    4. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Baumann: Fehr sagt: „Wir haben aber noch nicht alle Daten, die es dazu braucht“. Er beschreibt auch die Gefahr der „Pre Prints. Beide Punkte zusammen ergeben die einzig sinnvolle, transparente und ehrliche Antwort. So, und nur so, kann er der Entstehung von neuen Verschwörungstheorien entgegenwirken, zumindest bei den Leuten, die bereit sind dazu zu lernen.
    5. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Schulenburg „Wir haben noch nicht alle Daten, die es dazu braucht.“ Das ist genau der Satz, den ich ihm nicht abnehme. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der Schweiz und Israel diese Daten nicht vorhanden sind. Es ist eine Frage, ob ich die als Politiker/Experte mir beschaffen will. Und für ein Interview zu Impfdurchbrüchen sind diese Daten/Informationen wesentlich. Sonst bleiben wir auf Stufe „Nichts genaues weiss man nicht“ - Interview Thema verfehlt.
    6. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Baumann: Ob Sie glauben oder nicht und es ihm darum nicht abnehmen spielt keine Rolle. Sollte man Ihnen mehr glauben als einem Fachmann? Genauso so entstehen Verschwörungstheorien. Glauben vs. nicht Glauben. Ich glaube nicht, ich vertraue ihm im Wissen darum, dass sich der Wissensstand stündlich ändert und lese darum dutzende andere Aussagen und Studien zu diesem Thema, dann kann ich mir ev eine vage Meinung bilden die sich ebenfalls fluide anpassen muss. Ich bin kein Fachmann wie er. Sie?
    7. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Baumann / Antwort an Odermatt: Alle diese Zahlen die Sie in der Antwort auf Odermann verlangen sind nun wirklich überall nachlesbar. Um sichere Aussagen zu machen braucht es halt differenziertere Zahlen, Hintergründe, Ereignissverknüpfungen, etc. Werden diese nicht berücksichtigt entstehen lediglich neue Verschwörungstheorien. Es sind doch gerade die Gegner die jeden Punkt bewiesen haben wollen, noch und nöcher. Und das braucht halt umso mehr Fakten und Details.
    8. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Schulenburg Es ist hier nicht eine Frage des „Glaubens“ an mich oder sonstjemanden, sondern des Lieferns von Zahlen, die zur Verfügung stünden. Wenn mit aktuellen Zahlen nachgewiesen werden kann, dass mehr Ungeimpfte als Geimpfte in den Spitälern liegen, gibt es auch die Zahlen zu den ungeimpften/geimpften Todesfällen und den Impfdurchbrüchen allgemein. Auch zu Israel. Es ist einfach eine Frage der Recherche des Interviewers/des Interviewten. Das wird hier nicht gemacht. Weshalb?
    9. Antwort von Rolf Bombach  (RGB)
      Der Spiegel-Artikel "Corona in Israel: Die irreführende Statistik der geimpften Krankenhauspatienten" redet Klartext. Der Impfschutz gegen schwere Erkrankung beträgt bei den gefährdeten älteren nach wie vor 85-95%. Die Impfdurchbrüche betreffen nur zu 4% gesunde und zu 96% Menschen mit Vorerkrankungen. Die Situation ist in dieser Hinsicht nicht wirklich anders als in der Schweiz.