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Corona-Massnahmen: Lässt sich die Schweiz zu viel Zeit?
Aus Rendez-vous vom 22.11.2021.
abspielen. Laufzeit 02:49 Minuten.
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Schweiz in der fünften Welle Hospitalisierungs-Quote ist deutlich tiefer – aber reicht das?

Die Kurve der täglich gemeldeten Coronafälle kennt derzeit nur eine Richtung: Sie geht steil nach oben. Vergleicht man die Kurve jedoch mit derjenigen der Spitaleintritte, stellt man fest, dass diese deutlich flacher verläuft als in früheren Wellen. Es gibt also derzeit deutlich weniger Spitaleintritte pro 100 gemeldete Coronafälle.

5. Welle: Deutlich weniger Spitaleintritte pro 100 Coronafälle

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Vergleicht man die Entwicklung der Fallzahlen und der Spitaleintritte der einzelnen Coronawellen, so zeigt sich in der aktuellen fünften Welle ein klarer Unterschied zu den vorangegangenen Wellen: Während die beiden Kurven in der zweiten und auch in der vierten Welle lange parallel anstiegen, steigen jetzt die Fallzahlen deutlich steiler an als die Spitaleintritte. Das zeigt die obige Grafik.

Damit die beiden Werte in einer Grafik miteinander vergleichbar sind, wurden sie indexiert. Das heisst der bisherige Maximalwert der Fälle sowie der Spitaleintritte betragen 1.0 in der Skala.

Viermal weniger Spitaleintritte

Über den ganzen letzten Winter wurden meist ungefähr vier Spitaleintritte auf 100 gemeldete Fälle verzeichnet. Dieser Wert liegt momentan lediglich knapp unter 1. Es werden also aktuell pro gemeldeten Fall rund viermal weniger Personen in ein Spital eingeliefert statt als in der zweiten Welle. Dieser Wert ist momentan sogar weiter am Sinken, allerdings hinken die Spitaleinlieferungen den gemeldeten Fällen normalerweise einige Wochen hinterher. Sie dürften also, auch wenn die Fallzahlen wieder sinken, nicht sofort nachziehen.

Die Schweizer Politik scheint sich auf diese sich abzeichnende Entkopplung der Fall- und Spitalzahlen zu verlassen und verzichtet bisher auf weitere Massnahmen zur Eindämmung des Virus. Weshalb es weniger Spitaleintritte gibt und ob die Entkopplung reicht, um durch den Winter zukommen – SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel gibt Auskunft.

Katrin Zöfel

Katrin Zöfel

Wissenschaftsjournalistin

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Katrin Zöfel ist Wissenschaftsredaktorin bei SRF. Sie ist Biologin und versucht zu verstehen, wie die Wissenschaft helfen kann, Antworten auf gesellschaftlich wichtige Fragen zu finden.

SRF News: Die gemeldeten Coronafälle steigen in der fünften Welle auch in der Schweiz stark an. Die Spitaleintritte hingegen steigen im Gegensatz zu früheren Wellen nur leicht. Woran liegt das?

Katrin Zöfel: Die Spitaleintritte steigen immer erst verzögert an. Das hat sich nicht geändert, insofern braucht es noch etwas Zeit, bis man wirklich einschätzen kann, wie stark diese Entkopplung zwischen Fallzahlen und Spitaleintritten tatsächlich ist. Sicher ist: Das Verhältnis von Fallzahlen zu Spitaleinweisung ist besser geworden, aus 1000 Corona-Fällen werden heute weniger Spitaleintritte und Tote als vor einem Jahr.

Ein wichtiger Grund dafür ist die Impfkampagne.

Ein wichtiger Grund dafür ist die Impfkampagne. Dank des Impfens sind diejenigen in der Bevölkerung, die jetzt noch ungeschützt sind, im Schnitt jünger als die Geschützten. Durch ihr jüngeres Alter sind sie bei Infektion einem geringeren Risiko für einen schweren Verlauf ausgesetzt.

Aktuell spielt für das Verhältnis Fallzahlen zu Spitaleintritten aber noch etwas anderes eine Rolle: Es infizieren sich zurzeit immer noch vor allem Junge (10-29-Jährige) und sehr Junge (0-9-Jährige), also Personengruppen, die ein sehr geringes Risiko für eine Hospitalisierung haben. Auch das führt dazu, dass das Verhältnis Fallzahl zu Spitaleinweisung aktuell besser ist. Jetzt steigen aber auch die Infektionen in höheren Altersgruppen wieder an, das wird auch wieder zu mehr Spitaleintritten führen. Wie stark, ist noch schwer abzuschätzen.

Die Schweiz scheint sich auf diese Entkopplung von Fallzahlen und Spitaleintritten zu verlassen. Kommen wir so ohne weitere Massnahmen durch den Winter?

Die ansteckendere und schwerer krank machende Delta-Variante und der nachlassende Immunschutz nach den Impfungen wirken sich auch in der Schweiz aus. Und aktuell hinkt die Schweiz in der Pandemie nur einige wenige Wochen den Nachbarländern Deutschland und Österreich hinterher, aber es ist wahrscheinlich, dass sich die Dynamik auch hier noch verstärken wird. Experten halten angesichts der aktuellen Dynamik eine Überlastung der Spitäler für möglich.

Kann die Boosterimpfung diese Entkopplung beschleunigen?

Die Boosterimpfung kann diese Entkopplung zwischen Fallzahlen und Spitaleinweisungen verstärken. Es wird aber Wochen oder Monate dauern, bis sich dieser Effekt in der breiten Bevölkerung und in den Statistiken bemerkbar machen wird.

Es gibt keine wirklich plausiblen Gründe, warum die Entwicklung in der Schweiz grundsätzlich anders als in Deutschland und Österreich verlaufen sollte.

In Österreich und Deutschland sind in einigen Regionen die Intensivstationen bereits überlastet. Gibt es Gründe, weshalb das in der Schweiz nicht auch passieren sollte?

Es gibt keine wirklich plausiblen Gründe, warum die Entwicklung in der Schweiz grundsätzlich anders verlaufen sollte. Die meisten Faktoren – Durchimpfungsrate, Altersverteilung unter den Geimpften, Witterung und die Dominanz der Delta-Variante – sind gleich oder ähnlich.

Das Gespräch führte Lukas Füglister.

Rendez-vous, 22.11.2021, 12:30 Uhr;

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118 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community
    Vielen Dank für die zahlreichen Kommentare und fürs Mitdiskutieren. Wir schliessen nun die Kommentarspalte und wünschen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Michael Fuchs  (mfuchs)
    Ich denke der bedeutendere Gamble der Regierung ist NICHT, dass die Impfung die Spitaleintritte genügend drücken kann. Wir sehen in DE/Ö, dass dies irgendwann nicht der Fall ist. Wenn die Fälle weiter so steigen, kommen die Spitäler klar wieder an den Anschlag. Der bewusste Gamble ist vielmehr, dass sich die Menschen alleine schnell genug einschränken, unter dem Eindruck der steigenden Zahlen, und ohne Massnahmen eine Trendwende bei den Fällen herbeiführen. Ich bin nicht sehr hoffnungsvoll.
  • Kommentar von Christian Kunz  (CK124)
    Weihnachten wissen wir mehr.
    Bisher hat sich Bund und Kantone nicht durch überschnelles Handeln ausgezeichnet, mit Vor- und Nachteilen.
    Jedes Land hat seine Eigenheiten, im Detail nicht vergleichbar, doch Tendenzen lassen sich ablesen.
    Da seh ich wenig Spielraum für Optimismus.
    Denk: No nid verbii....aber hoffentlich auch nicht die volle Ladung.
    Frühjahr wird s schon werden.