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Corona-Massnahmen sorgen für Unmut
Aus 10 vor 10 vom 08.02.2021.
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Schweizer Corona-Strategie Petitionen und Demos: Unmut gegen Shutdown wächst

100'000 Unterschriften haben Jungfreisinnige in den letzten Wochen im Netz gesammelt. Ihr Ziel: ein Stopp des Shutdowns. Die hohe Zustimmung erstaunt nicht: Die Corona-Müdigkeit scheint zuzunehmen.

Ausgerechnet Masken verteilt Leroy Bächtold beim Unterschriftensammeln am Zürcher Bellevue. Dabei richtet sich seine Petition gegen diverse Shutdown-Massnahmen. «Wir sind nicht gegen alle Massnahmen», sagt der 25-jährige Jungfreisinnige, «aber für die Aufhebung der Schliessung von Restaurants, Freizeit- und Sportanlagen. Und für die Öffnung aller Einkaufsläden. Und für die Zulassung von Events mit Schutzkonzepten».

Innert weniger Wochen haben Bächtold und sein Team 100'000 Unterschriften gesammelt – vor allem online. Die Petitionäre wollen beim Bundesrat so eine starke Stimme hinterlegen, damit die Öffnung möglichst schnell erfolgt. Denn rechtlich bindend ist eine Petition nicht, der Bundesrat kann sie zur Kenntnis nehmen oder auch nicht.

Demonstranten in weissen Overalls
Legende: Rund 400 Personen demonstrierten am Samstag in Zug an einer Kundgebung gegen die Einschränkungen und Massnahmen des Bundes während der Corona-Pandemie. Keystone

Auch ein Zeichen setzen wollten rund 800 Demonstranten und Demonstrantinnen vergangenen Samstag in Zug. In weissen Overalls marschierten sie friedlich durch die Stadt mit einem gemeinsamen Gefühl: Es ist genug mit den Massnahmen. Stoppt die Corona-Politik. Viele Teilnehmer haben Angst vor einem Jobverlust oder den Job bereits verloren. Ziel der Petition und der Demonstration: Der Bundesrat soll an seiner nächsten Sitzung den Corona-Shutdown nicht verlängern, sondern einstellen.

Unmut über Maskenpflicht bei jüngeren Schülern

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Seit die Maskenpflicht an Schulen in verschiedenen Kantonen auf jüngere Schüler und Schülerinnen ausgedehnt worden ist, ereifern sich auch immer mehr Eltern. «Ich glaube, die Verhältnismässigkeit stimmt nicht mehr. Der Schaden wird grösser, vor allem für Kinder und Jugendliche, die Leidtragenden in dieser Pandemie», sagt Andrina Trachsel in Feuerthalen (ZH).

Die SVP-Frau hat eine Petition lanciert, welche die kantonale Maskenpflicht für Kinder unter zwölf Jahren aufheben will. Unmut von vielen Eltern nimmt Thomas Minder wahr, Präsident des Verbandes der Schulleiter und Schulleiterinnen der Schweiz. «In den Kantonen haben wir unterschiedliche Regelungen bezüglich Maskenpflicht an den Schulen, das führt zu Unverständnis. Und meine Befürchtung ist, dass, wenn die Menschen die Regeln nicht mehr nachvollziehen können, sie auch grundlegende Regeln nicht mehr umsetzen.»

Eine eigene Protestform hat sich der Geschäftsinhaber Roland Jenny in Rapperswil buchstäblich ins Schaufenster gestellt: Die Schaufensterpuppen seines Kleidergeschäftes hat er als Corona-Demonstranten ausgestattet, Protestschilder inklusive. «Mit meiner Puppendemo will ich erreichen, dass wir am 1. März wieder aufmachen können.» Bei Jenny stapelt sich die Frühjahreskollektion, die eigentlich schon lange im Verkauf sein sollte. Ihm droht, dass das ganze Sortiment im Laden liegen bleibt.

Es brodle an der Basis der Geschäftsbetreiber, stellt der Direktor des Gewerbeverbandes, Hans-Ulrich Bigler, fest. Ihn erreichten immer mehr Mails von Firmen, die vor dem Konkurs stünden. Sein Verband und verschiedene kantonale Berufsverbände fordern deshalb vom Bundesrat ebenfalls: Öffnung mit Schutzkonzepten ab dem 1. März.

Die Massnahmen in der Schweiz sind immer noch milder als in anderen Ländern, funktionieren aber gut.
Autor: Thomas SteffenKantonsarzt Basel-Stadt

Thomas Steffen, Kantonsarzt in Basel-Stadt, hat durchaus Verständnis für den zunehmenden Unmut, sagt aber: «Die Massnahmen in der Schweiz sind immer noch milder als in anderen Ländern, funktionieren aber gut.» Dass der Bundesrat die Massnahmen aufrechterhält, habe auch mit dem mutierenden Virus zu tun: «Das ist das Problem im Moment: Die Mutation gibt mehr Schub, gleichzeitig sind wir mit den Impfungen noch nicht so weit.»

Petitionär Bächtold ist dennoch überzeugt: Der Corona-Unmut wächst. Viele können bei sinkenden Fallzahlen den Shutdown nicht mehr verstehen, der müsse enden. Künftig sollen besonders gefährdete Menschen besser geschützt werden, verlangen die Jungfreisinnigen in ihrer Petition. Auch die Testkapazitäten und die Impfmöglichkeiten sollen ausgebaut werden. Wann der Bundesrat über die Verlängerung oder Veränderung des Shutdowns entscheidet, der vorderhand bis Ende Februar dauert, ist bislang nicht bekannt.

Korrektur

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Im Artikel wurde zuvor von 400 Teilnehmenden an der Kundgebung in Zug gesprochen, diese Zahl ist falsch. Wie die Zuger Polizei gegenüber SRF News bestätigt, haben rund 800 Personen am bewilligten Protestmarsch durch die Stadt Zug teilgenommen.

10vor10, 08.02.2021, 21:50 Uhr

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278 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Ich war gerade zum Checkup... mein Arzt und Freund seit 25 Jahren war sehr niedergeschlagen.. Es seien nicht die Alten, denen er den Covid-Tod bescheinigen muesse, es seien die zunehmende Zahl von Jungen und Kindern, die ihm zu schaffen macht..
    Jungfreisinnige und Sympatisanten.. denkt mal darueber nach...
  • Kommentar von Simon Klingler  (klisim84)
    Um die älteren stärker gefährdeten Generationen zu schützen und die Verlängerung / Erhaltung der Massnahmen zu rechtferigten, wird immer wieder mit der notwendigen Solidarität zwischen den Generationen argmumentiert. Diese ist in den Augen vieler allerdings eine Einbahnstrasse. Ansonsten wäre es kaum erklärbar, warum nur knapp über 60% der über 65-Jährigen bereit sind sich impfen zu lassen oder bereits geimpft sind. Im Gegenzug werden die Anliegen der jüngeren Generationen als Jammerei abgetan.
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Ältere Menschen sind wohl eher gefährdet wenn Sie schon angeschlagen sind. Es ist ein Mythos dass Corona nur ältere Menschen infiziert. In meinem Umfeld z.B. waren absolut mehrheitlich Menschen zwischen 20 und 40 betroffen. Ich hörte bisher von keiner Person über 60 dass Sie sich nicht impfen will, hingegen von der Mehrheit unter 40. Jetzt heisst es zusammenhalten, unterstützen und nicht das verletzte Ego pflegen.
    2. Antwort von markus hadorn  (samos)
      (@Klingler) Im Kanton Luzern z.B. fehlt der Impfstoff! Das Impfzentrum ist geschlossen! Bringen Sie bitte nicht solche Polemik als Argument!
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Wir haben Glück ist es "nur" Corona. Leider verpassen wir die Chance für Ebola zu trainieren. Der nächste Virus kommt bestimmt. Und er könnte weit aggressiver sein.
    Was wir brauchen sind Maßnahmen die schnell mit jedem Virus fertig werden. Das wäre intelligent und vorausschauend. Einfach nur die Fallzahlen tief zu halten, ohne den Virus auszurotten scheint mir irgendwie naiv und dümmlich.
    1. Antwort von Ursula Rheinganz  (UrsulaR)
      Ja, Ausrotten können wir das Virus aber nur, solange wir leben und körperlich und geistig leistungsfähig sind.
      Und bei der nächsten Runde sind unsere Nachfahren das vielleicht nicht mehr, weil SarsCov2 ihre Eltern geschädigt hat.