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«Gute Dienste» ist ein Helvetismus
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.06.2021.
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Schweizer Diplomatie «Man darf den Goodwill nicht überschätzen»

Seit Jahrzehnten nimmt die Schweiz eine Rolle mit den guten Diensten ein – als Vermittlerin in der Diplomatie. Ziel ist eine aktive Friedenspolitik. Experte Sacha Zala erklärt, was man darunter versteht.

Sacha Zala

Sacha Zala

Direktor Dodis und Präsident Schweizerische Gesellschaft für Geschichte

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Sacha Zala, geboren 1968 in Poschiavo, ist Historiker, Direktor der Forschungsstelle Diplomatische Dokumente (Dodis) der Schweiz und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte. Viele Jahre engagierte er sich bei der Vereinigung Pro Grigioni Italiano. Sacha Zala ist Professor für Schweizer und Neueste Allgemeine Geschichte an der Universität Bern.

SRF News: Was ist konkret mit dem Begriff der guten Dienste gemeint?

Sacha Zala: Diese guten Dienste sind in der Tat nicht so klar. Das zeigt sich schon daran, dass der Begriff offensichtlich ein Helvetismus ist. In anderen Ländern spricht man nicht von guten Diensten, man spricht von den Beiträgen zur Konfliktlösung.

Gute Dienste: Die Schweiz ist das einzige Land, welches einen Oberbegriff für diese Aktivitäten hat.

Das kann die Zurverfügungstellung von Infrastrukturen sein, aber auch die Gastgeberrolle bei internationalen Organisationen und von Mediationen. Die Schweiz ist eigentlich das einzige Land, welche einen Oberbegriff für diese Aktivitäten hat.

Welche Vorteile erhofft sich die Schweiz von den guten Diensten?

Die Begriffsbildung gute Dienste stellt eine verkappte Möglichkeit dar, die sonst sehr konfliktbeladene Frage der Aussenpolitik unter ein positives Banner zu stellen. Mit anderen Worten: Alle aussenpolitischen Tätigkeiten, die die Schweiz unternimmt, laufen quasi unter der Flagge der guten Dienste. Das gibt ihnen eine starke innenpolitische Legitimität.

Diese guten Dienste haben demnach innenpolitische sowie aussenpolitische Funktionen. Wie verknüpft die Schweiz bei solchen Möglichkeiten wie am Mittwoch in Genf ihre Interessen konkret mit diesen guten Diensten?

Tatsächlich schafft es die Schweiz, diese guten Dienste auch für die eigenen Interessen zu verwenden, durchaus im positiven Sinne.

Der schweizerische Botschafter hatte in den 60er-Jahren einen unmittelbaren Zugang zum Departement of State, und sogar zum US-Präsidenten.

Denken wir zunächst an die Vertretung der amerikanischen Interessen auf Kuba und umgekehrt. Die Schweiz hat eine enorme Wichtigkeit für die Amerikaner, weil sie den offenen Kanal mit Fidel Castro darstellt. Das heisst, der schweizerische Botschafter hatte in den 60er-Jahren einen unmittelbaren Zugang zum Departement of State, und sogar zum US-Präsidenten. Die direkten Kanäle, welche die Schweizer Diplomatie auf Kuba hatte, hat die Schweiz zum Beispiel gebraucht, um Fidel Castro dazu zu bewegen, eine nationalisierte Fabrik von Nestlé zu entschädigen.

Zurück zum aktuellen Treffen in Genf: Die Schweiz wird die Anwesenheit zweier Weltmächte auf Schweizer Boden sicherlich für die eigenen Interessen nutzen. Kann dieses Treffen die Beziehungen der Schweiz zu Russland und den USA verbessern?

Sicherlich gibt es unmittelbar einen Goodwill, vorausgesetzt, dass das Treffen gut abläuft und dass es keine Zwischenfälle gibt. Allerdings darf man diesen Goodwill nicht überschätzen. Nehmen wir zum Beispiel die USA. Mit ihnen gibt es meistens ausgezeichnete und sehr gute diplomatische Beziehungen, nicht zuletzt, weil die Schweiz ja die USA verschiedentlich vertreten haben und immer noch vertreten. Aber wir haben auch Konflikte, zum Beispiel mit dem Justizdepartement oder in Handelsfragen. In einem Land wie den USA, wo der Präsident sicherlich eine grosse Machtfülle hat, sind die guten Beziehungen aber keine komplette Versicherung.

Was Russland betrifft, denke ich, dass die Vermittlungstätigkeit der Schweiz im Rahmen der OECD einen Grund darstellt, wieso dieses Treffen in der Schweiz stattfindet. Vergessen wir nicht, dass die Europäische Union durchaus auch Konflikte mit Russland hat und die Schweiz ist in der Mitte zwischen beiden.

Das Gespräch führte Janis Fahrländer.

SRF 4 News, 16.06.2016, 07:15 Uhr;

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Stäheli  (Marsus)
    Mir gefällt, dass sich unser Land damit proviliert den anderen Ländern Dienste anzubieten und sich nützlich zu machen. Sich nützlich machen und anderen zu dienen ist eine gute und lohnende Strategie.

    Viele Länder fallen dadurch auf andere Länder einzuschüchtern, zu Bedrohen, ihnen ihre Gesetze und Lebensweise aufzuzwingen. Andere Länder fallen dadurch auf der internationalen Gemeinschaft zur Last zu fallen.

    Schweiz mach weiter so!
  • Kommentar von Walter Lozano  (Wäde)
    Der Text liest sich, wie wenn Fidel Castro noch leben würde. War es damals mit Castro oder sind die guten Dienste auch heute noch in Kuba gefragt? Gerne etwas mehr Präzision.
  • Kommentar von David López Garcia  (David López)
    Gute Dienste wie:
    - Ausbildung vom aktuellen Nordkoreanischen Diktator
    - Niederlassungen von Firmen wie Glencore, Nestle, Fifa usw. welche alle einen Fragwürdigen Ruf besitzen.
    - Lieferung von Waffen an in Kriegen verwickelte Länder
    - Durch Pensionsgelder querfinanzierte Waffen- und Atomwaffenforschung.

    In der Schweiz kann man mit Geld viel erreichen und es wird gedulded, da wir mit unserer "neutralen" Position, jede Farbe annehmen können. Vor allem die Farbe von Bling-Bling.
    1. Antwort von Werner Gürr  (FrMu)
      Hehehe - der Kommentar gefällt mir sehr gut. "Die Farbe von Bling-Bling"....... Lieblingsfarbe der Schweiz.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      "Ausbildung vom aktuellen Nordkoreanischen Diktator" Ein derartiges an den Haaren herbei gezogenes Beispiel habe ich schon lange nicht mehr gelesen Herr López. Könnten Sie das bitte etwas näher erläutern. Damit meine ich, unter anderem, der fehlende Beweis für Ihre Behauptung. Legen Sie ihn auf den Tisch und ich bin überzeugt, er wäre eine Schlagzeile wert.
    3. Antwort von David López Garcia  (David López)
      @Meyer, dachte das sei Allgemeinbildung, hier bitte.

      https://www.tagesanzeiger.ch/ausland/asien-und-ozeanien/er-trat-uns-in-die-schienbeine-oder-spuckte-uns-sogar-an/story/25385415
    4. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      López, dachte das sei Allgemeinbildung, hier bitte.

      Wikipedia.org
      Kim Jong-un
      Machthaber von Nordkorea
      Leben bis 2007
    5. Antwort von David López Garcia  (David López)
      Herr Meyer, die Propagandamaschine ist auch leider bei Ihnen angekommen, weitere Wahrheiten aus NK, welche Sie unterstützen müssen:
      "Klar, dass sein Sohn Kim Jong-Un dieser Göttlichkeit in nichts nachsteht: Er konnte schon mit drei Jahren perfekt Auto fahren. Und er muss, wie sein Vater, nicht verdauen: Er arbeitet so hart, dass er seine ganze Energie verbrennt und nichts ausscheiden muss. Natürlich hat er die musikalischen Fähigkeiten Kim Jong-ils geerbt, auch er ist ein begnadeter Musiker."
    6. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Tja Herr López, das ist die grosse Frage, wer hier auf die Propaganda "hereinfällt". Ihr herbei gezogener Artikel ist aus dem Jahr 2011. In der Zwischenzeit ist schon viiiel Wasser den Rhein hinunter geflossen. Zudem ist der Artikel kein Beweis! Also her damit! Ich bin gespannt und warte.
    7. Antwort von Martin Stäheli  (Marsus)
      In den allgemeinen Erklärungen der Menschenrechte durch die UNO 1948 ist im Artikel 13 das Recht auf Auswanderung garantiert. Wenn ich mit meinem Land grundsätzlich nicht mehr einverstanden wäre würde ich dieses Recht wahrnehmen.
    8. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      @ Martin Stäheli - dann tun Sie's, denn offenbar nehmen Sie Anstoss an der Meinungsäusserungs und Pressefreiheit, welche in sehr vielen Ländern inexistent ist....;-))
    9. Antwort von David López Garcia  (David López)
      @Stäheli, immer nur akzeptieren führt im Leben leider nur zu Stillstand.

      Und würden Leute nicht auf Missstände hinweisen, würde die SNB immernoch mit Kinderarbeit Geld verdienen, die Holocaustgelder wären noch auf CH Banken ach ja und der Bund würde immernoch Fichen von Ihnen anlegen.