Die Schweizer Pharmabranche ist massiv unter Druck. Unter anderem Roche und Novartis haben einen Brief von US-Präsident Donald Trump mit Forderungen bekommen.
Am Donnerstagabend hat sich Roche-CEO Thomas Schinecker zum ersten Mal öffentlich dazu geäussert. Bei einem Auftritt an der Generalversammlung des Arbeitgeberverbands Region Basel.
Thomas Schinecker gab an dem Abend keine Interviews und es gab auch keine Fragen aus dem Publikum. Er antwortete jedoch auf vorher abgesprochene Fragen vom Podium aus.
Vieles sei zurzeit noch unsicher, sagte der Konzernchef in Bezug auf die aktuelle Situation. «Wir haben uns alle möglichen Szenarien angesehen und versuchen, uns auf viele verschiedene Szenarien vorzubereiten.»
Beruhigungspille für den Standort Basel
Roche hatte angekündigt, in den nächsten Jahren 50 Milliarden Dollar in den USA in die Forschung und Produktion zu investieren. Basel soll aber wichtig bleiben. Thomas Schinecker: «Wir fahren in den USA die Produktion hoch. Das heisst aber nicht, dass wir dann in der Schweiz nichts mehr machen. Wir können aus der Schweiz viele Produkte für den Rest der Welt liefern.»
Ist die Pharmabranche schuld an den 39 Prozent Zöllen?
Angesprochen auf den Vorwurf, die Pharmakonzerne seien schuld an den hohen US-Zöllen von 39 Prozent, weil sie mit ihrem riesigen Exportanteil für das grosse Handelsdefizit der USA verantwortlich seien, kontert Thomas Schinecker, dass die Pharmaindustrie 10 Prozent Anteil an der Schweizer Wirtschaftsleistung habe.
«Allein bei Roche investieren wir circa 3.5 Milliarden Franken in die Forschung und die Entwicklung in der Schweiz.» Als Industrie hätten sie zum Wohlstand der Schweiz beigetragen. «Und das kann ja nicht verkehrt sein.»
Was ist mehr wert: Medikamente oder ein neues Handy?
Die hohen Preise für Medikamente verteidigt Thomas Schinecker ebenfalls. In der Schweiz werde pro Person rund 70 Franken pro Monat für Medikamente ausgegeben. Dazu macht er einen brisanten Vergleich: «Das ist in etwa so viel, wie für Zigaretten und Alkohol ausgegeben wird.»
Und er kritisiert auch die Gesellschaft: «70 Franken pro Monat für Medikamente. Ist einem die Gesundheit das wert oder will man lieber neue Schuhe mit irgendwelchen Logos darauf oder ein neues Handy? Das ist schon eine Frage, die man sich stellen muss: Was ist uns die Gesundheit wert?»
Abwanderungsdrohung?
Thomas Schinecker stellte zudem klar, dass die Personenfreizügigkeit mit der EU und die bilateralen Abkommen sehr wichtig seien für Roche. Der Konzern brauche die Personenfreizügigkeit, um die besten Leute anstellen zu können – auch in Basel.
Wir sind geografisch flexibel.
Konkret sagte er: «Als globales Unternehmen können wir uns entscheiden, wo wir investieren. Wenn wir in der Schweiz nicht mehr die Mitarbeitenden kriegen, die wir brauchen, können wir sie theoretisch auch in einem anderen Land einstellen.»
Und im Hinblick auf die kommende Abstimmung zu den bilateralen Verträgen legte der Roche-Chef noch einen drauf: «Als Unternehmen finden wir Lösungen. Wir sind geografisch flexibel. Die Schweiz ist geografisch nicht flexibel. Und wir müssen – wenn wir wirklich die Interessen der Schweiz verfolgen – gemeinsam eine Lösung mit der EU finden.»
Das muss man nicht als Drohung verstehen. Man kann es aber.